Donnerstag, 03. März 2011, 15:10 Uhr

Fall Guttenberg: Kommen die Versager der Uni Bayreuth ungeschoren davon?

Berlin. Ob selbst geschrieben oder nicht ist doch schon lange kein Thema mehr im Fall Guttenberg. Jetzt wird in Richtung Ghostwriter “ermittelt” und kein Mensch fragt nach den Schlafmützen an der Uni Bayreuth, nebst Doktorvater Prof. Peter Häberle!

“Es soll sogar Doktorväter geben, die Arbeiten ihrer Doktoranden gar nicht selbst lesen, sondern einen Habilitanden mit der Lektüre betrauen und nach Aussage des Münchner Plagiatsexperten Volker Rieble selbst solche, die Doktoranden das Votum für ihre Dissertation selbst schreiben lassen. Das dürfte aber die absolute Ausnahme sein”, schreibt die FAZ.

Die Frage an sich ist also, wieso wurden von der Rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universitä Bayreuth nicht die Kontrollmechanismen, die zu Beurteilung der Erreichung der Doktorwürde eingesetzt werden, eingesetzt? Ein Doktoarbeit wird in Deutschland einem Gremium vorgelegt, dass diese sorgfältig auf Vollständigkeit der Quellenangaben, diese Quellen wiederum inhaltlich mit der eingereichten Arbeit abzugleichen hat. Der Hauptfehler in der Anerkennung der Doktorwürde ist also dem Kontroll- bzw. Beurteilungsgremium der Uni zuzuweisen.

Aber darüber redet keiner. Die Arbeit hätte so, wie sie ja nun mal eingereicht wurde, ja nach heutigem Wissen nie anerkannt werden dürfen. Die Profs, die ja auch schön bezahlt werden, werden nicht zur Rechenschaft gezogen, obwohl die ihren Job ja nun wirklich nicht gemacht haben.
Vielleicht sollte man das auch nicht aus den Augen verlieren.

Alexander Lerchl, Gutachter und Biologieprofessor an der Jacobs Universität Bremen, erklärte im Gespräch mit dem ‘Focus’: “Wenn das Gutachterwesen so versagt wie im Fall zu Guttenberg, ist das eine Ohrfeige für das Wissenschaftssystem.”

Der Bildungsforscher und promovierter Theologe Ewald Berning sagte der “Tagespost”: “Die Universität Bayreuth, sprich die entsprechenden Personen, die dort mit der Causa Guttenberg befasst waren in den vergangenen Tagen, haben den für sie leichtesten Weg gewählt, sich aus der Affäre zu ziehen. Sie haben sehr schnell einfach das öffentlich festgestellte Fehlverhalten Guttenbergs übernommen – eine intensive Überprüfung kann ja in der Kürze der Zeit gar nicht stattgefunden haben –, und sie haben sich erspart, sowohl eine moralische Bewertung als auch eine Bewertung und eine Analyse im Detail zu erstellen. Ob es ein Skandal der Universität Bayreuth ist, weiß ich nicht; es ist für mich im Moment einfach ein taktisches Verhalten, wie die Verantwortlichen dort am schnellsten und am wenigsten beschädigt aus der Affäre herauskommen.”

Facebook-Gruppe: “Wir wollen Guttenberg zurück”.

Facebook-Gruppe: “Gegen die Jagd auf Karl-Theodor zu Guttenberg”

Foto: AEDT/Wenn.com