Dienstag, 08. März 2011, 11:32 Uhr

Javier Bardem: "Leute, die klebrig glücklich sind, kann ich nicht ab“

München. In seinem neuen Film „Biutiful“, der am 10. März in den deutschen Kinos anläuft, spielt Hollywoodstar Javier Bardem den an Krebs erkrankten Uxbal, der verzweifelt versucht, sein ihm noch verbleibendes Leben zu ordnen. Im Interview mit dem Männer-Stil-Magazin ‘GQ Gentlemen’s Quarterly’ verriet der Schauspieler jetzt, dass er bei der Auswahl seiner Filmrollen generell Charaktere bevorzugt, die von negativen Gefühlen getrieben werden: „Die interessantesten Rollen sind die, die in Konflikten stecken. Ohne Konflikt kein Drama. Und Konflikt bedeutet Schmerz, das weiß jeder, der nicht auf dem Mond lebt“, so Bardem.

Positive Emotionen wie Glück und Freude würden dagegen überbewertet – vor allem im Film: „Erst Schmerz lässt dich reagieren, sei es physisch oder emotional. Glück hingegen lässt dich nicht reagieren – es lässt dich stillstehen. Das Glück will festgehalten werden. Wir erstarren, sobald wir glücklich sind. Leute, die klebrig glücklich sind, die kann ich nicht ausstehen, denen will ich nicht zugucken. Im wahren Leben mag das schön sein, aber für die Kunst wirkt das wie Gift.“

Ob als kaltblütiger Killer in „No Country for Old Men” oder wie jetzt in „Biutiful“, als todkranker Kleinkrimineller – Bardem berührt mit seinen Rollen das Publikum: „Es ist das größte Geschenk in meinem Leben, Emotionen erzeugen zu können. Denn Gefühle sind gut, für uns alle, sogar dann, wenn sie Tränen, Schmerzen und Leid mit sich bringen“, so der 42-Jährige. „Jeder von uns – gerade Männer – zieht eine Mauer um sich herum. Zu Recht, denn die Welt, sie ist hartnäckig und zäh, und sie wirft mit Dreck und Schmutz nach uns. Wenn wir unsere Gefühle also zumindest mal zwei Stunden im Dunkel des Kinosaals ausleben, dann ist das doch eine gute Sache“, ist Bardem überzeugt.

In „Biutiful“ befindet sich Uxbal auf einer Mission: Er versucht, einst aufgeladene Schuld noch vor seinem Ableben zu sühnen. Nach Bardems Auffassung ist so ein Verhalten Zeitverschwendung: „Wissen Sie, ich bin jetzt 42 Jahre alt, doch noch kein einziges Mal in meinem Leben hat mich der Begriff der Schuld weitergebracht. Ich erkenne seinen Wert nicht. Verantwortung – natürlich. Ich bin verantwortlich dafür, was ich anrichte. Reue – natürlich. Ich bereue es, wenn ich Böses tue, und ich muss versuchen, es wieder geradezurücken. Aber Schuld – hat noch nichts Gutes hervorgebracht.“

Fotos: A.M.P.A.S.