Freitag, 11. März 2011, 11:03 Uhr

Thomas D nimmt Raubkopierer in Schutz

München. Hip Hop-Pionier Thomas Dürr alias „Thomas D“ nimmt Raubkopierer in Schutz: „Das dümmste, was die Musikindustrie tun kann, ist die Musikfans zu verklagen. Ich sehe nicht ein, wieso ein Teenager, der halt mal ein Lied von uns zieht, 500 Euro Strafe zahlen soll“, sagt der zweifache Vater verständnislos im Interview mit der aktuellen Ausgabe der “GQ” und fragt: „Wie sollen uns die Fans da noch lieben und respektieren?“

Thomas D hält die Plattenindustrie selbst für den Nährboden der boomenden Tauschbörsen im Netz. Die Einführung der CD in den 80er Jahren war der Grundstein der Digitalisierung, die der Branche heute so zu schaffen macht. „Die haben sich die Hände gerieben, weil sie sich wahnsinnig die Taschen gefüllt haben. Und so eine CD musste dann auch 30 Mark kosten, statt wie vorher eine LP 16 Mark.“

Über die Anfangszeit seiner Band, Die Fantastischen Vier, sagt Dürr selbstkritisch: „Wir konnten kein Instrument spielen und wir konnten nicht singen, dadurch mussten wir uns immer ein bisschen mehr aus dem Fenster lehnen, um etwas zu erreichen. Wir mussten mehr Fantasie entwickeln, als eine Band, die halt einfach in den Proberaum geht.“ Nach zahlreichen Goldenen Schallplatten, mit denen das Quartett in den vergangenen 20 Jahren augezeichnet worden ist, sieht Thomas D dem finanziellen Erfolg seines neuen Albums „Lektionen in Demut 11.0“ gelassen entgegen: „Ich muss nicht unbedingt mit einem Soloalbum in die Gewinnzone kommen. Mein Geld verdien ich dann halt mit Konzerten und Sponsoren-Deals mit Industriepartnern.“

Zehn Jahre sind vergangenen, seit Thomas D mit dem Album „Lektionen in Demut“ die Geschichte seines Alter Egos Reflektor Falke schuf. Sein zweites Solo-Album brachte dem Mitglied der Fantastischen Vier nicht nur eine eingeschworene Schar an Fans ein, die die Ideen und die Welt des fiktiven Protagonisten nachhaltig faszinierte, sondern bescherte ihm mit Platz drei auch die höchste (Solo-)Position in den deutschen Albumcharts. Im April 2011 erscheint nun mit „Lektionen in Demut 11.0“ ein Album, das die Story erneut erzählt. Mit den exakt gleichen Worten, doch begleitet von einem vollkommen neuen Musikerlebnis. „Remake“ nennt Thomas D das Verfahren, das in dieser Form in der (Pop-) Musikgeschichte beispiellos ist.

Foto: Boris Breuer