Sonntag, 13. März 2011, 13:49 Uhr

Enie van de Meiklokjes erklärt uns jetzt Architektur

Berlin/Köln. Seit 10. März geht Fernsehmoderatorin Enie van de Meiklokjes (36) im Fernsehen auf”Architektour”. Wir sprachen mit der sympathischen Berlinerin über ihren ungewöhnlichen Ausflug in „Nie wieder keine Ahnung! Architektur“.

Was ist das Besondere an der neuen Sendung vom SWR “Nie wieder keine Ahnung! Architektur”?

In der Sendung „Nie wieder keine Ahnung! Architektur“ erklären wir Dinge, die jedem täglich begegnen können. Wir erklären nicht langweilig, sondern sehr unterhaltsam und das mit Experten. Das heißt, ich bin mit zwei Experten zu sehen, denen ich Fragen zu allem was zu sehen ist stelle. Ich lasse keine Fremdworte zu. Die Dinge werden so erklärt, dass jeder die Experten versteht.

Auf was darf sich der Zuschauer bei den drei Folgen freuen?

Bei der vergangenen Staffel „Nie wieder keine Ahnung! Malerei“ wurde alles zum Thema Malerei erklärt. Bei der aktuellen Staffel „Nie wieder keine Ahnung! Architektur“ wird alles zum Thema Architektur erklärt. Hier erklären wir: Wie ist Architektur entstanden?, Warum gibt es Architektur?, Wer bestimmt eigentlich Architektur? und Wer macht sie? Das haben wir in der Sendung verpackt. Zum Beispiel bin ich mit dem Experten Andreas Hild in New York und er erklärt mir das Gebäude von Guggenheim. Wir haben einen Blickwinkel von oben. Das ist spannend. Das gibt es in keiner anderen Sendung so.

In der 1. Folge wurde die komplette Architekturgeschichte an zehn Gebäuden erklärt. Ist das in 30 Minuten Sendezeit nicht etwas sehr gerafft?

Wir versuchen uns nicht in den Details zu verlieren, was ein bisschen schwierig ist. Wir versuchen in jeder Epoche ein Objekt zu finden, das sehr typisch für diesen Zeitraum ist. Wir erklären die Entwicklung: Erst haben die Menschen in Höhlen gewohnt, dann gab es Pfahlbauten aus Holz. Wir haben versucht, an den Gebäuden Merkmale zu zeigen, die für die Epoche stehen und bei denen man sagen kann: Das taucht immer wieder in Gebäuden dieser Zeit auf. Es geht darum, ein komplexes Thema kurz gefasst zu erklären.

Wie war die Arbeit an den verschiedenen Drehorten?

Ich selbst war hauptsächlich im Studio. Hier haben wir den Grundstock für die Sendung gedreht: Meine Fragen und die Antworten der Experten. Um schöne Bilder zu bekommen, waren wir auch in einem Barockschloss und in einem Lustgarten. Wir wandeln durch den Garten und erklären das Prinzip. Wir sehen Säulen und erklären diese. Gott sei Dank mussten wir dafür nicht durch die ganze Welt reisen. Es gibt genug Architektur vor Ort. In München zum Beispiel. Wir haben auch in der Greenbox gearbeitet, um Schauplätze zu zeigen die es nicht mehr gibt wie Pompeji oder den Crystal Palace. Das war teilweise sehr lustig. Für den Zuschauer ist es toll, denn er hat die Möglichkeit Gebäude zu sehen, die es eigentlich nicht mehr gibt.

Wie war die Zusammenarbeit mit den Experten Prof. Wünsche und Andreas Hild?

Professor Wünsche kannte ich ja schon durch „Nie wieder keine Ahnung! Malerei“. Er kennt sich sozusagen mit allen Sachen aus die alt sind. Er ist wirklich ein unterhaltsamer Erzähler. Auch zwischen den Dreharbeiten erzählt er so lustig, dass man sich daran erinnern muss, dass man eigentlich bei der Arbeit ist. Den Architekten, Andreas Hild, habe ich erst während der Dreharbeiten kennengelernt. Er ist ein spannender Mensch, der toll erzählen kann und der einem Architektur nicht so fremd vorkommen lässt. Manchmal hat man ja das Gefühl, Architekten leben auf einem anderen Stern, tragen schwarze Rollkragenpullover und schwarze Anzüge. Bei Herrn Hild ist das nicht so. Er hat mich fasziniert. Wir haben in der Sendung auch ein Projekt von ihm dabei: Eine Bushaltestelle in Landshut. Ich frage ihn gnadenlos aus, wie ein Architekt dazu kommt eine Bushaltestelle zu entwerfen. Von Architekten erwartet man hohe Häuser. Diese Bushaltestelle sieht ganz toll aus. Es lohnt sich schon allein deshalb die Sendung anzuschauen.

Was war bei der Produktion dieser Sendung die Herausforderung für dich? Was war deine Rolle?

Ich bin wie jeder, der in einer Stadt lebt, Architektur konsumiert und sich nicht weiter damit beschäftigt. Ich bin eigentlich der Zuschauer, der einfach mal nachfragt wieso, weshalb, warum und sich die Dinge allgemein verständlich erklären lässt. Bestimmte Sachen weiß ich natürlich, was zum Beispiel Beton ist. Aber mir war neu, dass den die alten Römer benutzt haben. Das sind dann die Kleinigkeiten, die merkwürdiger Weise im Kopf haften bleiben.

Bildung hat noch keinem geschadet. Hat Bildung Unterhaltungswert? Kommen Inhalte im Fernsehen zu kurz?

Ich finde es gibt sehr viele bildende Inhalte im Fernsehen. Nur manchmal sind sie so angesiedelt, dass sie zu Uhrzeiten kommen, zu denen man noch nicht oder nicht mehr fernsehen schaut. Das ist schade. Ich bin ein großer Fan der History-Sendungen oder Dokumentationen wie „Die Deutschen“. Es gibt tolle Bildungsformate. Man muss sie nur finden.

Du kommst ja aus Potsdam. Da findet man viele Barockbauten. Du lebst in Berlin. Hier ist auch viel interessante Architektur zu finden. Was interessiert dich an Architektur?

Architektur umgibt einen täglich ohne dass man sich wirklich damit beschäftigt. Klar ist man schnell dabei, wenn man sieht da wird ein neuer Klotz hingebaut, der ist aber hässlich. Aber warum der Klotz so aussieht und dorthin gebaut wird, das fragen sich ja die wenigsten Leute. Das ist etwas Spannendes. Ich glaube, wenn man die Sendung gesehen hat, fängt man an Gebäude anders zu betrachten. Das ist etwas, was keinem schaden kann. Es macht Spaß sich mit seiner Umwelt auseinander zu setzen. Wenn man mit Freunden unterwegs ist, kann man dann sagen: Du schau mal die Säule und so weiter. So etwas finde ich ganz spannend.

Welche Baustile oder Bauwerke magst du?

Ich selber bin großer Fan der 50er und 60erJahre Architektur. Dazu muss ich sagen, nicht die Bauten mit den Fliesen an den Außenwänden, sondern die luftigen Bauten mit weiten runden Treppen. Ich selber lebe in diesen Stalinbauten und ich finde, das ist eine tolle Architektur. Man hat das Gefühl es ist alles groß und weit, da kommt Licht rein. Sowas mag ich. Ich bin auch ein großer Fan von Speerbauten, denn es ist riesig und trotzdem toll.

Kannst du als Gestalterin von Innenräumen der Gestaltung von Fassaden etwas abgewinnen?

Fassaden finde ich wichtig. In Potsdam hat man vielen Fassaden Böses getan. Ich mag es, wenn Fassaden ihren Charme behalten. Man kann sie auch zu Tode rekonstruieren. Aber Gebäude in Berlin wie das Haus des Lehrers oder das Haus des Reisens weisen Reliefs aus Metall auf, das finde ich toll.

Betrachtest du Architektur, Bautechniken und Materialien durch die Sendung nun auch privat genauer?

Ich glaube nicht, dass die Sendung meinen gesamten Blick auf Architektur total verändert hat, denn ich bin auch vorher mit offenen Augen durch die Welt gegangen. Ich mag immer noch Klinkerbauten und Reeddachhäuser oder alte Fachwerkhäuser. Ich bin ein Mensch, der diese gern anfasst oder reingeht, um sie von innen zu sehen. Manchmal gehe ich an irgendetwas vorbei und muss lustigerweise an die Sendung denken: Darüber haben wir gesprochen.

Ist das Leben hinter der Fassade nicht interessanter als der Baukörper selbst?

Manchmal bin ich froh, dass ich nur die Fassade sehe und gar nicht rein muss. Manchmal gehe ich gerne rein und schaue, was machen die da drin, denn ich finde so ein Bau passt sich ja auch dem an der da drin ist bzw. darin arbeitet. Das kann spannend sein.

Enie, du bist unglaublich vielseitig. Woran arbeitest du gerade? Oder: Was ist demnächst geplant?

Im Moment arbeite ich an einem Buch. Das kommt im Sommer raus. Da geht es gar nicht um Architektur, dekorative Elemente kommen allerdings vor. In dem Buch geht es um Aquarien. Damit beschäftige ich mich schon eine Weile. (Interview: Eva Magdon)

17. März 2011, 22.30, SWR Fernsehen, Folge 2: Die Bautechnik anhand von fünf Materialien

24. März 2011, 22.30, SWR Fernsehen, Folge 3: Die drei wichtigsten Menschen im System „Architektur“