Dienstag, 15. März 2011, 10:56 Uhr

Karl Lagerfeld: "Ich tauge nicht zum Vorbild“

München. Karl Lagerfeld gilt als einer der bedeutendsten Modeschöpfer der Welt und wird zu den kreativsten Köpfen des Jahrhunderts gezählt. Der 77-Jährige sieht das jedoch anders. Auf die Frage, ob er sich selbst als Vorbild bezeichnen würde, antwortet er im Interview mit dem Modemagazin ‘Glamour’ abwehrend: „Nein, nein, da wird man ja zu einer Statue, nein, das ist entsetzlich! Statuen sind langweilig, aber ich bin nicht langweilig. Ich frage nicht nach der ersten Reihe, man platziert mich da. Ich selbst bin nie mit mir zufrieden, das ist ein guter Motor, aber ich tauge nicht zum Vorbild.“

Vielmehr betont der „Mode-Zar“, dass es auch für ihn Menschen gebe, die er bewundere – ja sogar beneide: „Musiker, die könnte ich geradezu umbringen. Ich liebe Musik. In jedem meiner Häuser steht ein Flügel für meine Gäste, damit sie spielen.“

Seit Jahrzehnten ist Lagerfeld eine feste Größe im Mode-Business – die Erwartungen an seine Kollektionen sind dementsprechend hoch. Nervosität vor Schauen kennt der Modeschöpfer trotzdem nicht: „Ich bin im Grunde eine sehr gleichgültige Natur, mir gegenüber. Ich schließe mit meinem Tag ab, bevor ich schlafe. Sonst bin ich am nächsten Tag nicht angriffslustig.“ Lagerfelds jüngste Kollaboration, eine Kollektion für das italienische Sportswear-Label Hogan, ist auch in der aktuellen April-Ausgabe von ‘Glamour’ zu sehen: „Die Arbeit war für mich wie ein Ausflug in eine andere Welt. Das war sehr spontan, sehr spannend. Außerdem kenne ich Diego della Valle, den Chef, schon sehr lange, er ist witzig und easy, und wir wollten schon immer mal etwas zusammen machen.“

Trotz seiner regelmäßigen Engagements für andere Labels bleibt Chanel stets Lagerfelds Hauptwirkungsstätte. Nach Inès de la Fressange in den 80er Jahren und Claudia Schiffer in den 90ern repräsentiert aktuell das dänische Model Freja Beha Erichsen am besten das Frauenbild seiner Kollektionen: „Das Mädchen hat die moderne Attitude. Nicht zuletzt, weil sie lesbisch ist. Freja ist kein Playgirl, eher wie ein strammer Junge. Freja ist sexy, aber dezent, und lässt sich nicht auf eine Rolle festlegen.“ Auch wenn er derzeit Haider Ackermann als einen möglichen Nachfolger betitelt, bekräftigt Lagerfeld, dass er noch lange nicht ans Aufhören denkt: „Ich beobachte ihn, aber vielleicht geht der auch zu sehr in eine Direktion? Und so lange mache ich das, bis ich auf dem Friedhof liege. Oder ich habe plötzlich keine Lust mehr …aber das würde mich wundern.“

Foto: wenn.com