Mittwoch, 16. März 2011, 18:07 Uhr

a-ha: Das endgültige Abschieds-Konzert ab 1. April auf CD und DVD

Berlin. Es ging am 4. Dezember 2010 zu Ende, als in der norwegischen Hauptstadt das letzte Konzert von a-ha stattfand. Genau 9 Monate zuvor, am 4. März, startete die Abschieds-Tour von a-ha, mit dem Titel »Ending On A High Note« – das Gegenteil eines leisen Abgangs. Die Formation tourte durch Süd- und Nordamerika, durch Europa und Asien. Doch obwohl die Band so Ihren Abschied in die Länder ihrer Fans trug, waren auf dem Abschiedskonzert in der Spektrum-Arena in Oslo Fans aus England, Indien, Mexico, Südkorea, den USA, Spanien, Deutschland, Kanada und Italien – aus allen Orten kamen diejenigen, die von a-ha berührt wurden. Auch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt konnten die Fans nicht abschrecken.

„Wir wollen Teil dieses Abschieds sein“, sagt ein Fan aus Seattle. Drei deutsche Fans trugen T-Shirts mit der Aufschrift: „Ihr habt den Soundtrack unseres Lebens geschrieben“. „Es ist immer etwas Besonderes in seiner Heimatstadt aufzutreten … die Leute sind aus so vielen Ecken dieser Welt gekommen“, sagt Pal Waaktaar-Savoy.

Das letzte a-ha – Album „Live at Oslo Spektrum“  erscheint am 1. Aüril auf CD und DVD.

Das ist in der Tat etwas Besonderes. Und noch mehr – denn dies war das Abschiedskonzert der Band, die 1985 am Anfang ihres weltweiten Erfolgs stand. Fünfundzwanzig Jahre später entschieden sich a-ha zum Abschied. „Es war immer ein Abenteuer“, sagt Magne Furuholmen. „Es hätte nur 2 Jahre dauern können, es hat mehr als 25 Jahre angedauert. Niemand hätte mehr verlangen können“.

„Es macht die Musik nicht kaputt“, sagt Morten Harket. „Wir sind ja noch da. Es ist ein Ende, aber auch ein Anfang. Es o?ffnet Tu?ren. Aber keiner von uns weiss, wie die Zukunft aussehen wird“. Außerdem sagte Morten der norwegischen Zeitung Aftenposten: „Ich bin nicht traurig. Wir enden als Erfolg“.

Aber nicht alle haben es nach Oslo geschafft, es gab nur eine begrenzte Anzahl Eintrittskarten. Glücklicherweise liefen die Kameras als a-ha sich zum Ende 2010 mit einer Verbeugung verabschiedeten.

1982 kamen Magne und Pal nach London, um ihre Musik auch abseits der Heimat auszuprobieren. 1983 kamen sie zurück nach London, diesmal mit Morten, feilten an ihrer Musik und nahmen in einem kleinen Studio im Londoner Süden eine Demo nach der anderen auf. Am Ende des Jahres unterschrieben sie bei Warner Music. Aber der Erfolg kam nicht sofort. »Take On Me« wurde erst 1985 als Neueinspielung ein weltweiter Hit. „Wir gingen davon aus, den Sommerhit für 1983 geschrieben zu haben“, berichtet Morten, „wir waren uns nicht im Klaren daru?ber, dass so etwas Zeit braucht“.

In der Osloer Spektrum-Arena eröffnete a-ha die Show mit »The Sun Always Shines On TV«, der Single die den Status der Erfolgsband zementierte. Es folgte »Move To Memphis« aus dem Jahre 1991, als Verdeutlichung, dass bei diesem Konzert der Weg das Ziel ist. „Ich habe immer gewusst, dass mein Einsatz bei a-ha ein langfristiger sein würde“, bestätigt Magne.

„Für uns war es nie eine Frage, ob wir den Durchbruch schaffen“, sagt Pal. „Uns fiel einfach kein Grund ein, warum es nicht passieren sollte“. Im Verlauf des Osloer Abschiedskonzerts zelebrierte a-ha alles, wofür sie stehen, alle Zeitabschnitte ihrer Karriere. a-ha hatte zwei Phasen, vielleicht drei, wenn man die
Abschiedstournee mitzählt.

Nach »Take On Me« wurden fünf Alben veröffentlicht: 1985 »Hunting High And Low«, 1986 »Scoundrel Days«, 1988 »Stay On These Roads«,1990 »East Of The Sun, West Of The Moon« und 1993 »Memorial Beach«. Am Ende des Jahres 1994 trennten sich a-ha und gingen eigene Wege. Das schien das Ende von a-ha.

Als sie jedoch gefragt wurden, ob sie 1998 auf der Osloer Nobelpreisverleihung auftreten würden, entschieden sie sich, den Anlass mit einem neuen Song zu begehen, »Summer Moved On«. Pal erklärt, das Lied sei „eine Erklärung dessen, was mit der Band passiert ist“.

Wiedervereint, nahmen sie die Alben »Minor Earth Major Sky« 2000 und »Lifelines« 2002 auf, 2005 folgte »Analog«. »Foot Of The Mountain«, 2009 veröffentlicht, wurde zu a-has letztem Album. Die Abschiedstour wurde begleitet mit der Veröffentlichung der Anthologie »25«, die das gesamte Werk a-has wiederspiegelte, und der letzten Single »Butterfly, Butterfly (The Last Hurrah) «.

Auch wenn der letzte Auftritt ein Rückblick war, sagt Morten: „Ich habe nie Erinnerungen gesammelt, so denke ich nicht. Wenn etwas passiert, dann bin ich da, in dem Moment“.

Wenn man Morten nach seinem Lieblingslied fragt, entgegnet er: „Wäre es das selbe Lied jede Nacht? So was ist ständig in Bewegung, man entdeckt ein Lied immer wieder aufs Neue. Ich finde immer neue Herangehensweisen und habe dann das Gefühl, die Essenz eines Liedes zu erfassen. Es ist sehr wichtig diesen richtigen Fokus zu finden, bevor man auf die Bühne geht – es ist eine der Herausforderungen wenn man auf Tour ist“.

Für Magne ist „»Scoundrel Day« einer der Pop-Songs auf die ich sehr stolz bin“. Pal ist seiner Meinung und fügt hinzu: „»Scoundrel Days« oder »Manhattan Skyline« sind wahrscheinlich meine Lieblinge unter den Liedern, die wir zusammen geschrieben haben“.

»Manhattan Skyline« ist eines der Lieder die gezeigt haben, dass a-ha sich musikalisch weiter entwickelt haben. Es war eine mutige Wahl als Single, der gemischter Stil war nicht im klassischen Sinn radiofreundlich. „Wir waren immer auf der Suche“, sagt Pal. „Jedes Mal, wenn ein Song fertig war, wurden
wir in eine ganz neue Richtung gezogen“.

Manche Lieder bringen Erinnerungen zuru?ck aus den 80ern und 90ern. Pal erinnert sich an „200.000 Brasilianer, die »Hunting High and Low« zu einer Akustikgitarre gesungen haben. Es fühlte sich nicht nur großartig an, es hörte sich auch wunderschön an“.

Aktueller, erinnert er sich an „die erste Show in Hamburg, nach der siebenjährigen Konzert-Pause. Morten traf den langen Ton bei »Summer Moved On« so perfekt, dass mir eine Gänsehaut den Rücken runter lief“. »Summer Moved On“ ist „eine technische Herausforderung“, sagt Morten. „Wenn die Akustik in einer Halle nicht stimmt, kann es sein, dass der Song leidet“.

Manche Lieder erinnern an Orte, andere an Gemütszustande. Laut Magne stellt »Move To Memphis«, aus dem »Memorial Beach« Album, a-has tiefes Eintauchen in die ganze Bandbreite der amerikanischen Musikstile und die mythische Beschaffenheit der amerikanischen Musik dar. Die Idee war es, eine Platte zu machen, die mehr groove-orientiert ist als zuvor.

Ein anderes Lied – welches a-ha übernommen haben – ist vielleicht überraschender: ihre Version von »Crying In The Rain« von den Everly Brothers. Magne erklärt: „unser Manager war der Bassist der Everly Brothers in den 60ern und ist ein enger Freund von Phil Everly. Außerdem war er der Manager bei ihrem Comeback 1984 in der Royal Albert Hall, wo wir das erste Mal auf die Everlys trafen. Weihnachten darauf schenkten sie uns drei Everly Brothers Gitarren, die alle aus demselben Holz waren! Als große Beatles Fans war uns bewusst, welchen Einfluss die Everly Brothers auf den frühen Sound der Beatles hatten und wir dachten uns, als Anerkennung wa?re es scho?n, einen ihrer Songs zu covern“.

Dann gab es Projekte wie der James Bond Soundtrack »The Living Daylights«, ein Versuch neue Wege zu gehen, produziert und komponiert mit dem – leider kürzlich verstorbenen – Komponisten John Barry.

„Den James Bond Soundtrack zu machen war eine große Nummer“, sagt Pal. „Wir wussten, dass große Bands wie Queen Songs dafür einreichten, aber irgendwie wurden wir ausgewählt. Ich mochte den Titel von Anfang an und die Musik entstand kurz darauf in meinem Kopf. Ich erinnere mich, den Song Magne und Morten das erste Mal vorgespielt zu haben, Backstage bei »Top of the Pops«. John Barry fügte dann noch eine dunkele und dröhnende Streichpartitur mit schweren Blecheinsätzen hinzu, die einfach nur nach James Bond schrie. Danach haben wir das Stück in New York mit Jason Corsaro abgemischt, der noch exotische Percussion-Elemente hinzugefügt hat, was das Bond-Gefühl noch unterstrichen hat“.

Nach »The Living Daylights«, musste die Show im Spektrum mit »Take On Me« enden. „Es erfüllt mich mit so viel Freude“, sagt Pal, „ich wünschte ich könnte das Lied zweimal pro Konzert spielen. Ich träume immer noch davon und wache schweißgebadet auf“.

Im Spektrum jedoch, sagt Pal „fühlte sich alles ganz einfach an und wir konnten uns mit den Fans treiben lassen. Es war eine der ganz großen Nächte“.

Dennoch, a-ha verabschiedeten sich. So haben sie sich entschieden, so ist es passiert. „Es ist das erste Mal das wir uns an unseren Plan gehalten haben“, sagt Morten. „Es ist die eine Sache, den Abschied von allem, was wir zusammen hatten, zu zelebrieren. Das ist aber nur die Theorie. Dann stehst Du auf der Bühne und siehst diese seltsame emotionale Reaktion, die Leute wollen es nicht wahr haben. Aber es ist wahr und es braucht Zeit bis es ankommt“.

Nachdem man den Film über dieses ergreifende Konzert gesehen hat, kommt es an. a-ha haben aufgehört, aber die Musik wird weiterleben, und nicht nur die Musik. Die Erinnerungen, die Atmosphäre und die Freude dieses letzten Konzertes werden immer weiterleben. Manche Bands verschwinden, andere verblassen über die Zeit. Dann kommt die Erkenntnis, diese Bands gibt es nicht mehr! Nicht so a-ha. Wie Morten sagt, es gab einen Plan. a-ha hatte sich entschieden, es anders zu machen. Eine

neunmonatige Abschiedstour, die sowohl a-ha als auch den Fans in aller Welt die Möglichkeit geben sollte, sich mit Wu?rde zu verabschieden. Oslo war der letzte Abschied. Für die Glücklichen, die es geschafft haben dabei zu sein, wird diese DVD ein Muss sein. Genauso wie für alle anderen, die es nicht geschafft haben.

(Kieron Tyler)
Fotos: Stian Andersen