Donnerstag, 17. März 2011, 20:37 Uhr

Neues von "Hotel Lux": Tragikomödie mit Bully Herbig und Jürgen Vogel

München. Am 27. Oktober startet der neue Film ‘Hotel Lux’ von Leander Haußmann mit Michael “Bully” Herbig und Jürgen Vogel in den Hauptrollen im Kino. Am 12. Oktober 2010 begann Regisseur Leander Haußmann („Sonnenallee“, „Herr Lehmann“, „Dinosaurier – Gegen uns sehr ihr alt aus!“) in Berlin mit den Dreharbeiten zu dieser tragikomischen Abenteuergeschichte eines naiven, respektlosen Helden im Herzen der Finsternis.

Nach zehn aufregenden Wochen war dann kurz vor Weihnachten 2010 alles im Kasten und die aufwändige Postproduktion läuft schon auf vollen Touren. Jetzt gibt es neue Bilder aus dem Film!

Und darum geht’s: Der Komiker und Parodist Hans Zeisig (Michael Bully Herbig) muss 1938 mit falschen Papieren aus Nazi-Berlin fliehen. Eigentlich träumt er von Hollywood, doch dann landet er in Moskau und gerät in das berüchtigte Exilantenhotel LUX. Es ist der Zufluchtsort kommunistischer Funktionäre aus aller Welt und insbesondere aus Deutschland. Der sowjetische Geheimdienst verwechselt Zeisig mit dem abtrünnigen Leibastrologen Adolf Hitlers. So gerät der unpolitische Entertainer zwischen die Fronten blutiger Intrigen in Stalins Machtapparat. Zu seiner Überraschung trifft Zeisig im LUX auch seinen früheren Bühnenpartner Siggi Meyer (Jürgen Vogel) und die niederländische Untergrundkämpferin Frida (Thekla Reuten) wieder, die beide fest an das Gute im Kommunismus glauben. Für die drei Freunde beginnt ein Abenteuer auf Leben und Tod.

Regisseur Leander Haußmann hat nach einer Idee von Helmut Dietl und Vorlagen von Uwe Timm und Volker Einrauch auch das Drehbuch zu HOTEL LUX geschrieben. Die Kamera führt Hagen Bogdanski, für das Szenenbild ist Uli Hanisch verantwortlich.

Das Hotel Lux war ein Hort der Konspiration. Wer dort wohnen oder andere Gäste treffen wollte, brauchte einen Passierschein. Besuchszeiten wurden genau protokolliert, Pässe wurden hinterlegt, obgleich die meisten Pässe in dieser Zeit eh gefälscht waren. Ruth von Mayenburg, die Frau des österreichischen Kommunisten Ernst Fischer, schrieb 1978 die Erinnerungen an ihre sieben Jahre im berühmten Hotel nieder: „Das Lux war ein konspiratives Hotel, konspirativ nach innen und nach außen – ein Geheimnisträger. Keine Gästeliste, keine Totenliste gibt darüber Auskunft, wer jemals darin gewohnt hat. Bei den Anreisenden stimmte in den meisten Fällen der Passname nicht mit dem Personennamen überein, nicht der Personenname mit dem Parteinamen, mit den wechselnden Deck- und Rufnamen.“

Seit 1921, vier Jahre nach der Oktoberrevolution, diente das Hotel Franzija mit seinen vier Etagen als Gästehaus der Kommunistischen Internationale, der Komintern. Aus Sicht des Westens galt Moskau damals als kaltgraue Welthauptstadt des Kommunismus, als Meuchelmetropole stalinistischer Säuberungen mit vielen Millionen Opfern.

1933 wurde das Haus, das inzwischen in Hotel Lux umbenannt worden war, um zwei zusätzliche Etagen erhöht. Nun bot es 300 Zimmer für 600 Gäste.
Im Hotel Lux zu nächtigen war ein Privileg, aber bei weitem kein Luxus. „Unser erhabenes Gebäude beherbergte in wanzenbelebten Mehrbettzimmern in den unteren Etagen künftige Staatsmänner von welthistorischer Bedeutung wie Tschou En-lai und Ho Tschi Minh“, schrieb Ruth von Mayenburg. Die Ratten, angelockt von Gemeinschaftsküchen und der Bäckerei, die im Erdgeschoss all die Jahre weiter arbeitete, finden in fast allen Berichten der Hotelbewohner besondere Erwähnung. Auch über den Lärm der Kinder auf den langen Fluren wurde oft geklagt. Denn nach 1933 war das Lux vom „Ausländerhotel“ zum „Emigrantenhotel“ für ganze Familien geworden.

Doch der vermeintliche Zufluchtsort erwies sich für viele als Falle. Im Rahmen des Großen Terrors zwischen 1936 und 1938 wurden zahlreiche Funktionäre als angebliche Gegner Stalins festgenommen, verhört, in den Gulag deportiert oder hingerichtet. Bei diesen „Säuberungen“ starben unter Stalin mehr deutsche kommunistische Spitzenfunktionäre als unter Hitler. Entsprechend herrschte im Hotel Lux eine Atmosphäre der Angst und der gegenseitigen Denunziation.

Kein anderes Hotel der Weltgeschichte hat je solch bizarre Widersprüche unter einem Dach beherbergt wie das Hotel Lux: ein Leben zwischen Wollen und Wirklichkeit, Erhabenem und Lächerlichem, intellektuellem Irrsinn und erbärmlichem Spießertum, Zukunftsglauben und Todesangst.

Fotos: Constantin