Mittwoch, 23. März 2011, 14:48 Uhr

Marco Weiss: "Ich habe immer noch Albträume"

München. Fünf Millionen Zuschauer sahen gestern Abend seine erschütternde Geschichte Dienstag auf Sat.1 mit dem großartigen Vladimir Burlakov (siehe Filmbilder): Marco Weiss hat die dramatischen Erlebnisse seiner 247 Tage Haft in einem türkischen Gefängnis auch nach mehr als drei Jahren nicht überwunden. “Es gibt immer wieder Momente, wo die Angst und der Schrecken plötzlich wieder da sind oder ich Albträume habe. Nach wie vor bin ich auch in therapeutischer Behandlung”, sagt der heute 21-Jährige im Gespräch mit “auf einen Blick”.

Marco, damals gerade 17 Jahre alt, hatte 2007 im Türkei-Urlaub einer jungen Engländerin angebändelt – und kam kurz darauf ins Gefängnis. Ihm wurde sexueller Missbrauch vorgeworfen. Der anschließende Prozess hatte international Schlagzeilen gemacht und das deutsch-türkische Verhältnis zeitweise massiv belastet.

“Ich habe den Film mit gemischten Gefühlen angesehen”, so der junge Mann aus Uelzen (Niedersachsen) zu auf einen Blick. “Es war nicht so leicht, manche Situation noch einmal vor sich zu sehen, da kommen viele schlimme Erinnerungen wieder hoch.”

Heute absolviert Marco Weiss eine Ausbildung zum Rettungsassistenten. “Mein altes Leben konnte ich nicht einfach so wieder aufnehmen, wenn ich das auch gern getan hätte. Dafür hat die Haft zu viel verändert”, sagt er. Und weiter: “Ich möchte anderen Menschen helfen.” Denn er habe am eigenen Leib erfahren, wie wichtig Hilfe von anderen sein kann: “Ich bin allen, die mich unterstützt haben, unheimlich dankbar.”

Inzwischen schafft Marco es aber, wieder optimistisch in die Zukunft zu sehen: “Die Wunden heilen, aber vergessen kann ich das Erlebte nie.”

Ab dem 23. März ist der Film “Marco W. – 247 Tage im türkischen Gefängnis” auch auf DVD und BluRay erhältlich.

Auf dem Foto unten: Marco (links) mit seinem Vater Ralf Jahns, Mutter Martina Weiss und Bruder Sascha.