Montag, 28. März 2011, 10:59 Uhr

Herbert Grönemeyer lebt unerkannt in London

Berlin/London. Herbert Grönemeyer (54) verließ sein Heimatland, um in London Ruhe für seine Familie zu finden. “Es gab mehrere Gründe [für den Umzug nach London]. Wir zogen hin, als meine Frau schon sehr krank war und Angst hatte, dass die deutsche Presse das rauskriegt. Zudem wollten wir, dass unsere Kinder groß werden können ohne die Last des Namens. Für mich selbst war es auch gut. Man vergisst zuweilen, wer man ist. Im Ausland muss man sich ohne jedwede Vorteile behaupten. Das ist für den Charakter ganz gut”, sagte der Musiker (‘Schiffsverkehr’) im Interview mit ‘DiePresse.com’.

Und es gefällt dem Deutschen gut auf der Insel, denn er schätzt die britische Mentalität: “Die Briten haben einen viel höheren Grad an Selbstironie. Außerdem haben sie höhere Leidensfähigkeit, bevor sie unruhig werden. Wenn der Engländer sagt ‘It was a rough day’, dann hätten sich die Deutschen längst kollektiv aufgehängt. Nichts funktioniert in England, und es geht doch. So viel ist auf ein Minimum reduziert. In Deutschland ist es umgekehrt. Wir machen aus Angst alles perfekt. Es gibt eine vergleichende Untersuchung über die Bahn. Deutsche Züge sind so durchstrukturiert, dass jeder mögliche Ernstfall einkalkuliert ist. Trotzdem gibt es wesentlich mehr Todesfälle bei deutschen Zugunglücken. Wenn man eine richtige Alternative zu deutschem Denken haben will, dann ist man in England richtig”, bestätigte der Künstler.

Auf Tournee geht der Star natürlich nach wie vor in Deutschland, wo viele seiner Lieder Kultstatus haben. Da kostet es schon etwas Mühe, Langeweile auf der Bühne zu vermeiden, doch Grönemeyer gibt sein Bestes: “Indem ich davor neue Songs schreibe. Das ist die große Motivation, neue Alben zu machen. Manche Lieder verwandeln sich. ‘Männer’ ist heute so was wie Realsatire von einem selbst. Wir versuchen, alten Songs musikalisch neuen Drall zu geben. Aber das Wichtigste sind die neuen Lieder. Ich denke, ich werde auf der nächsten Tour das Album komplett spielen”, erzählt der Bochumer, für den Musik lebenswichtig ist.

Außerdem: Richtig langweilig wird dem Star bei Musik wohl nie werden. “Der Akt des Singens hatte immer etwas immens Befreiendes. Musik kann helfen, die Kraft aufzuspüren, die in allem steckt. Das Singen hilft einem durchs Leben. Manchmal wird man ein wenig zu bombastisch, manchmal pathetisch, aber es macht einfach Laune. Ohne Gesang, ohne Musik wäre ich sicher unausstehlich”, lachte Herbert Grönemeyer. (Cover)

Foto: Ben Vogt/wenn.com