Mittwoch, 06. April 2011, 18:33 Uhr

Kosho - der Sohn Mannheims veröffentlicht neues Album

Berlin. Michael Koschorreck ist unterwegs. Manchmal ein Flaneur, manchmal ein Hobo. Die Autos, die U-Bahn, die Menschen rasen im Zeitraffer und sind kurz davor, sich selbst zu überholen. Und Koschorreck? Als Kosho durchschreitet er die Großstadt ohne Hast, fast in Zeitlupe. Und nimmt sich die Zeit, genau zu beobachten, was passiert. Mit einem Auge für Schönheit der Details dieser Welt. Und für die Abgründe, die sich unter ihrer oft brüchigen Oberfläche auftun. Genau das ist es, was ein Künstler haben muss und was sonst häufig fehlt: eine andere Wahrnehmung.

Kosho ist unterwegs – und weiß dabei genau, wo seine Ursprünge liegen. Die Mutter ist Bossa, der Vater ist Blues. Bei dem Mannheimer ist dies nicht einfach daher gesagt: Schon als Kind erlag er der Faszination brasilianischer Musik; als Jugendlicher lernte er bei US-amerikanischen Soul- und Jazz-Musikern. Doch weder ist er bloßer Erbverwalter, noch ließe sich ihm das Etikett „Weltmusik“ aufkleben. Von Künstlern wie Joao Bosco und Bobby McFerrin lernte der heute 48jährige, wie wichtig eine unverkennbare Handschrift ist. Die Musik spricht eine deutliche Sprache; jemand weiß hier ganz genau, was er will und wie er sich ausdrücken muss. Gewählt und pointiert nämlich.

Das neue album “All Sides Love” lädt ein, die Welt durch die Augen eines Wanderers zu sehen, der die musikalischen Pfade dieser Welt kennt und überall immer noch etwas entdeckt. Seine Perspektive zu teilen, bedeutet die Teilhabe an einem weiten Horizont, der nicht eitel, sondern elegant dargeboten wird. Der Titel kommt nicht von ungefähr: Kosho liebt, was er tut – und das merkt man. Auch die Lieder handeln von der Liebe in ihrer unerschöpflichen Vielfalt an Schattierungen. Wo andere daran scheitern, dieses unfassbare Geschenk zu beschreiben, lässt Kosho die Liebe aus sich sprechen. Selig, zweifelnd oder sorgenschwer. Die Musik uübernimmt die Regie, wo Worte nicht mehr ausreichen. Hierzu gehört auch die tief empfundene Liebe zu jemandem, der gehen muss. Koschorreck widmet All Sides Love seiner Schwester, die er vor drei Jahren verloren hat. Für sie singt er Lieder wie „Good To Be Alive“ und „Sleep“.

Aus dem Album spricht eine unendliche, universale Liebe. Zu den Menschen. Zum Leben. Der notwendige Gegensatz von Scho?nheit und Bitterkeit, von Flüchtigkeit und Ewigkeit, findet leitmotivisch Niederschlag in Komposition, Arrangements und dem kongenialen Artwork. Die Liebe als Schmetterling, zerbrechlich und eigenwillig, bald zutraulich, bald wieder im Aufbruch.

Etwas, das jeder kennt und das trotzdem immer wieder neu ist. So auch die Musik: Kosho scho?pft auf seinem dritten Album aus ihrem reichen stilistischen Reservoir. Neben Bossa und Blues steht sogar Bach. Der Vollblutmusiker ist aber Soulman genug, als dass ihm nichts ferner läge als verkopfte, selbstgenügsame Kunst: „Es geht immer um den Song und die Gefühle, die in ihm stecken.“ Die Musik ist Koschorrecks zweite Natur – und das Album das präziseste Ausdrucksmittel der großen Geschichte von der Liebe.

Auf seiner Reise hat er ein beeindruckendes musikalisches Weltwissen angeha?uft; auf franzo?sischen Straßen und auf den riesigen Bühnen, die er als Gitarrist der Söhne Mannheims bespielt. In großen Studios mit Nena, Wallis Bird oder Andre Heller. Auf Tour mit Legenden wie Les McCann. Und überall dazwischen. Wenn Koschorreck einfach Kosho ist, bevorzugt er Publikumsnähe; die Atmosphäre ist für ihn zentraler Bestandteil des musikalischen Schaffens. So verzichtet All Sides Love auf künstliche Klangräume, so dass die Musik von dem Ort geformt wird, an dem man sie hört. Es verwundert daher wohl kaum, dass der Kern des Albums an nur neun Tagen im ständig anwesenden Kreis befreundeter Musiker in einem kleinen Studio entstand. Bei dem Song „Sleep“ wurden Gitarre und Gesang mit nur einem Mikrophon aufgenommen, um die Atmosphäre der Vertrautheit für den Hörer zu konservieren.

Als Gast und Freund lässt Kosho im Zimmer des Hörers den angehäuften Lebensschatz aus sich sprechen. Die Musik ist vertraut und entsteht doch immer wieder neu. Wie die Liebe. Und wie bei dieser geht es bei den Songs um den Augenblick, der vielleicht am meisten bedeutet, wenn er zwischen den Ereignissen liegt. Kosho hat den Mut zur Stille. Wenn in „Loveboat“ kurz nichts zu hören ist, steht die Welt für einen fragilen, aber kostbaren Moment halt einfach mal still.

Tourtermine:

07.4. Hamburg – Bernsteinbar
08.4. Berlin – A-Trane
10.4. Worms – Chateau Schembs
14.4. Celle – CD-Kaserne
19.4. Ko?ln – Stadtgarten
21.4. Bad – Hersfeld Buchcafe?
28.4. Stuttgart – BIX
01.5. Halle – Opernhaus (als special guest von Friend ?n ?Fellow)
20.5. Pforzheim – Kulturhaus Osterfeld