Donnerstag, 07. April 2011, 13:26 Uhr

Gigantische Materialschlacht beim Eurovision Song Contest

Hamburg. Bevor am 10., 12. und 14. Mai Teilnehmer aus insgesamt 43 Nationen in den drei Shows des Eurovision Song Contests gegeneinander antreten, wird die riesige Arena in Düsseldorf derzeit für den Umbau in ein gigantisches Fernsehstudio umgebaut. Damit wird die Show auch in technischer Hinsicht das größte Fernsehereignis des Jahres.

Zur Zeit gibt es in der Wagenhalle in Lokstedt die intensiven Vorbereitungen der Beleuchtung mit Lichtdesigner Jerry P. Appelt (siehe Fotos).

Während der Show sind 25 Kameras im Einsatz, inklusive vier Kamerakräne, zwei Steadycams und zwei drahtlosen, tragbaren Kameras. Für eine Übersicht über die komplette Arena sorgen unter der Decke auch eine sogenannte “Spidercam”, die an jede beliebige Position in der Halle gezogen werden kann, und auch eine Schienenkamera, die sich zwölf Meter absenken lässt. Die Bühne wird von einer Kamera komplett auf Schienen umrundet, dazu kommt eine “Highspeed Rail- and Towercam” vor der Bühne.

Die Show wird völlig unabhängig vom “normalen” Stromnetz produziert: 35 Kilometer Starkstromkabel und acht mit Diesel betriebene Stromgeneratoren mit einer Leistung von insgesamt 6 Megawatt versorgen die Arena und den dazugehörigen Fernseh-Bereich.

Die Bühne des Eurovision Song Contests 2011 hat der Design Florian Wieder entworfen. In Deutschland stammen z. B. die Studiodesigns für viele ARD-Shows (“Echo”, “Anne Will”), für “Wetten, dass …?” oder “Unser Song für Deutschland” von ihm. International hat er z. B. das Erscheinungsbild von Shows wie “The X Factor” oder “MTV Europe Music Award” geprägt. 2009 bekam er den britischen Royal Television Society Judges Award, 2006 den Deutschen Fernsehpreis in der Rubrik Beste Ausstattung.

Um das Bühnenmaterial für den Contest anzuliefern, sind mindestens Lastwagen zu je 38 Tonnen notwendig.

Die Bühne auf dem Fußballfeld der Arena wird einen Durchmesser 13 Metern haben. Hinter der Bühne für die beiden Halbfinale und das Finale wird eine 60 Meter breite und 18 Meter hohe LED-Wand mit 520 Licht-Elementen stehen, die die passende Atmosphäre für die Künstler schafft. Publikum kann in der Halle fast überall um die Bühne herum sitzen.

Insgesamt werden in den ESC-Shows rund 90 Mikrofone eingesetzt, Handmikros und Kopfbügel-Mikros. Die Verstärkerleistung wird bei insgesamt 350.000 Watt liegen.

Eine besondere Herausforderung für die Tontechniker ist die lange Nachhallzeit , die die Düsseldorf Arena wegen ihrer Größe hat. Um den Hall zu verringern, werden in der ganzen Halle Stoffbahnen aufgehängt.

Bevor die Fernsehzuschauerinnen und -zuschauer in 43 Ländern den Live-Gesang auf der Bühne hören, wurde er bereits in vier Containern, die neben der Halle stehen, abgemischt – zwei für die Vor-, zwei für die Endmischung.

Um den Künstlerinnen und Künstlern optimale Bedingungen für die Proben und Shows zu schaffen, gibt es einen speziellen “In-Ear-Probenraum”. Hier können die Künstler den für sie besten Monitormix bestimmen und nach jeder Probe weiter verbessern – also dafür sorgen, dass sie sich selber und das Halbplayback während des Auftritts über Knöpfe im Ohr so gut wie möglich hören. Die Einstellungen werden für alle 43 Acts auf persönlichen Speicherkarten gesichert, die dann in das Monitorpult der Hauptbühne eingelesen werden.

Für den Transport des Hallenlichts, der LED-Technik, die Riesenanlage zur Aufhängung für Licht, Ton etc. – und der Aggregate für die Stromversorgung werden rund 120 Lkw à 38 Tonnen gebraucht.

Das sogenannte Lichtrigg, an dem vorrangig die Scheinwerfer befestigt werden, ist mit mehr als 2200 Einheiten bestückt. Da gehören über 1100 bewegliche, automatisierte Lichtquellen und 1000 sonstige Multifunktionsscheinwerfer, z. B. LED-Leuchten, die an Traversen von mehr als sieben Kilometern Länge montiert sind.

Das Licht im Publikumsraum wird ebenfalls zum Teil der Inszenierung. So werden Farbigkeiten und Lichtstimmungen der Bühne auch im Saal-Licht aufgenommen, LED-Bänder reichen weit in den Publikumsbereich hinein.

Damit aus der Arena Düsseldorf ein riesiges Fernsehstudio mit Platz für ca. 35.000 Menschen werden kann, muss der komplette Fußball-Rasen abgetragen werden – eine Erdschicht von 40 Zentimetern Dicke. Diese Fläche wird mit Sand aufgefüllt, dann verdichtet, danach werden auf den Boden Schwerlastplatten gelegt, damit der Stadion-Innenraum für Lkws und Kräne befahrbar ist.

Ca. 80 Container neben der Arena beherbergen u. a. die technische Leitung, die Regie, die Bildmischer, den Schaltraum, Ton-Regien sowie das Team der European Broadcasting Union und das der Firma Digame, die für das internationale Televoting zuständig ist.

Für die rund 2500 Journalisten aus allen 43 Teilnehmerländern wird die 7000 Quadratmeter große Leichtathletikhalle neben der Arena in ein Pressezentrum umgebaut. An der Umsetzung der Shows sind rund 100 Dienstleister aus dem In- und Ausland beteiligt.

Das erste Halbfinale des internationalen Wettbewerbs zeigen ProSieben und EinsFestival am Dienstag, 10. Mai, um 21.00 Uhr. Das zweite Halbfinale wird am Donnerstag, 12. Mai, um 21.00 Uhr live im Ersten übertragen. Dort ist am 14. Mai ab 21.00 Uhr auch das Finale zu sehen.

Fotos: NDR/Gita Mundry, Willi Weber