Dienstag, 19. April 2011, 14:13 Uhr

Das neue Album von "Ja, Panik" wird schon als Meisterwerk gehandelt

Berlin. Selten wurde die Bedeutung eines Album-Titels schon im Vorfeld einer Plattenveröffentlichung so diskutiert, wie es bei DMD KIU LIDT der österreichischen Band “Ja, Panik” mit Exil in Berlon gerade der Fall ist. Aber spätestens wenn Sie das Titelstück gehört haben, in dem uns DMD KIU LIDT (ausgesprochen heißt das “Di-Em-Di-Quiu-Lit”) erscheint wie ein auf sich alles reimendes Schlumpfwort aus Himmel und Hölle, ja spätestens dann stellt sich garantiert nicht mehr die Frage nach der Bedeutung, sondern nur noch nach dem was bleibt. Kurz gesagt

Tja, und wenn Begriffe wie “Befindlichkeit” oder “Gefühl” oder “Trauer” nicht schon so schrecklich lang von Pop-Scharlatanen und esoterischen Halsabschneidern missbraucht würden, könnte man glatt sagen, dass tatsächlich so ein Wort am Ende bleibt, das bezeichnet, das Gefühlte begreifbar macht und sich dabei nicht vor Angst in die Hose scheißt! Aber vor allem: Keinem etwas narzistisch-gestört und Karriere-geil in die Tasche lügt für Rendite und noch mehr Remmidemmi.

Vielleicht ist es Andreas Spechtl und seiner Band “Ja, Panik” auch nur deshalb gelungen, sich aus der einst noch so verkopften Zitaten- und Referenzhölle zwischen Dylan (international) und Falco (national) zu befreien, weil man – Nomen Est Omen – einen Titel gewählt hat, den es so noch nie gegeben hat und auch wohl nie wieder geben wird: Ein unbewohntes Fleckchen Erde, ein undefinierter Raum.

Man mag hierin zwar Spuren der Zivilisation von Walter Benjamin, Billy Wilder, Mick Jagger, Bryan Ferry, Chris Korda, John Cale oder Billy Bragg finden, aber wenn Sie mich fragen: DMD KIU LIDT ist das eigenständigste, poetischste, ja modernste Rock&Roll-Album, an dem sich die deutsche Sprache jemals beteiligen durfte. Und es ist bereits das vierte der Band!

Zu der verrückten anglizistisch-germanistischen Poesie Spechtls, eingetunkt in Wiener Schmäh – die man zuletzt so von Falco gehört hat – mäandert nun eine Band auf eigenen Pfaden, die aus ihrem Burgenländischen Indierock binnen weniger Jahre einen extrem eigenständigen, urbanen wie glamourösen Kammerrock entwickelt hat.

Produzent Moses Schneider hat dieses Album an nur zehn Tagen live aufgenommen. Es ist dabei das erste Album, das die Band Ja, Panik nach ihrem Umzug in die Bundeshauptstadt hier vollständig geschrieben und aufgenommen hat.

Mir kommt es beim immer-und-immer-wieder-hören dieses Albums so vor, als sei die Band in Berlin in nur einem Jahr um mindestens zehn Jahre gereift…Dabei ist die Band im Schnitt gerade mal Mitte Zwanzig…

Fotos: Christoph Voy