Mittwoch, 06. Juli 2011, 1:20 Uhr

Casper: Freitag kommt das langersehnteste Album des Jahres

München. Vom Bielefelder Deutschrapper Casper (28, eigentlich Benjamin Griffey) gibt es ein neues Album! Das zweite Werk der HipHop-Ikone kommt am Freitag und ist wohl langersehnteste Album des Jahres. Es dürfte eine Messlatte setzen, an der sich der deutsche HipHop in Zukunft messen müssen wird.

Casper, der sich immer nur von seiner inneren Stimme hat leiten lassen, der Stimme, vor der sämtliche Stimmen von außen nur kleinlaut ausfallen konnten, wollte mit dem neuen Werk XOXO’ nicht weniger als sein frühes Opus Magnum aufnehmen und – dafür ist ihm mehr als zu allem anderen schon mal zu gratulieren — es ist ihm gelungen.

Dieses Album ist das Selbstportrait eines Künstlers, der tatsächlich etwas zu sagen hat und das Manifest einer Generation, die irgendwo zwischen Reizüberflutung, Scheinfreiheit und Selbstverwirklichungsdruck nach Halt sucht.

Man muss froh sein, wenn unter den gegenwärtigen deutschen Künstlern jemand eine dieser beiden Übungen meistert. Casper muss man zu seiner sich selbst und seine Lebensrealität spiegelnden Sprache einfach nur noch gratulieren.

Es gibt wohl kaum ein anderes Album, das seine Sprache so kongenial im Sound weiter fuührt. Das, was sich hier abspielt, sind schon lange keine Beats mehr, es sind Kompositionen, mitunter sogar orchestrale Arrangements und fein gezeichnete Soundfresken. Es steckt hörbar viel Studioarbeit in diesen Aufnahmen.

Man könnte dagegen wetten, dass es möglich sein wird, auch nach dem hundertsten Hören noch neue Details aus diesen Texturen herauszuhören. Aber man sollte es besser lassen, denn am Ende gewinnt immer dieses Album. Hier materialisiert sich auf spektakuläre Weise, was Casper eigentlich immer ausgemacht hat: die Genre- Überschreitung, die stilistische Ausdehnung, ohne dabei überambitioniertes Muckertum zu riskieren.

Und auch der Bandbetrieb, der in den letzten Monaten bereits auf der Bühne zum Laufen kam. Hier wird durch Postrock hindurch gecuttet, hier wird an einer Stelle Zeitgeist gesamplet und an der nächsten neuer Zeitgeist definiert, hier wird in Harmonien geschwelgt und in Piano-Arrangements ein junges, brennendes und niemals peinlich berührendes Pathos eingerahmt. Besser geht’s nicht.

Fotos: Four Music