Donnerstag, 07. Juli 2011, 16:19 Uhr

Jetzt kommt US-Star Colbie Caillat mit dem dritten Album

Berlin. „All Of You“, das dritte Album von US-Senkrechtstarterin Colbie Caillat, ist ein tolles Hörerlebnis: Es fühlt sich eher so an, als würde man das nächste Kapitel eines Romans aufschlagen, dessen ersten beiden Kapitel man regelrecht verschlungen hat; man blättert also hastig um – und stellt schon wieder positiv überrascht fest, was für grandiose Wendungen diese Geschichte doch nimmt.

Hier kann man in das Album, das am Freitag erscheint, reinhören.

„All Of You“ ist genau die Art von Pop-Meisterstück, wie sie nur die 25-Jährige komponieren kann. Diejenigen Attribute, die schon die ersten Stücke ihres Debütalbums „Coco“ im Jahr 2007 auszeichneten – diese ausgelassene Stimmung, diese auf wenige Minuten komprimierten Höhenflüge – und die auch „Breakthrough“ (2009) ausmachten, stehen auch dieses Mal durchweg im Vordergrund.

Der einzige Unterschied ist, dass ihre Songs nun sehr viel reifer klingen und quasi in der Art von Blüte stehen, die man als Künstler/in wohl nur erreicht, wenn man es geschafft hat, seine Ängste zu überwinden und sämtliche Lektionen, die einem das Leben gelehrt hat, in die Musik einfließen lässt.

Blicken wir mal für einen Moment zurück: „Coco“ stieg vor knapp vier Jahren in den USA gleich in der ersten Woche auf Platz 5 in die Charts ein (in Deutschland ebenfalls Top-15) – danach gab es binnen kürzester Zeit diverse Platinauszeichnungen. Ihre erste Single „Bubbly“ traf den Geschmack einer ganzen Generation und entpuppte sich als eine der erfolgreichsten Download-Singles aller Zeiten.

Im Billboard-Magazin wurde Colbie in dem Jahr mal eben zum „Breakthrough Artist of the Year“ gewählt. Und dann kam – wie passend – „Breakthrough“, ihr zweites Album: Auf Anhieb Platz 1 in den USA (Platz 9 in Deutschland), später dann zwei Grammy-Nominierungen dafür, wobei Colbie im selben Jahr auch zwei Grammys gewinnen sollte, allerdings für ihre Arbeit mit Jason Mraz und Taylor Swift.

Dann durfte sie die Nationalhymne beim Eröffnungsspiel der diesjährigen NFL-Saison singen und trat erst kurz vor dem Jahreswechsel beim Nobel-Friedenspreiskonzert in Oslo auf. Darüber hinaus waren sie und ihre Songs andauernd im Fernsehen zu sehen bzw. zu hören – mal war es eine Kampagne für Baumwolle, dann war es das US-Weihnachtsspecial „25 Days of Christmas“ (ABC), für das sie die Titelmelodie komponieren durfte.

Jetzt schon eine lange, lange Liste von Erfolgen, keine Frage. Und doch wurde all das von einer Künstlerin erreicht, die gerade erst dabei war, ihre Flügel auszubreiten. Einer Künstlerin noch dazu, die sich es nicht hat nehmen lassen, die Welt auch weiterhin zu erkunden, auch wenn ihre Musik plötzlich überall lief und ihr Name schlagartig in aller Munde war. Diese Erfahrungen, wobei die wichtigste wohl ein neues Liebesglück war, haben dazu beigetragen, dass „All Of You“ noch viel mehr Tiefgang hat als die ersten beiden Alben. Allein darum ist es ein gewaltiger Schritt, den die 25-Jährige mit dieser LP macht.

„Ich würde sagen, dass ‘All Of You’ für eine ganz neue Version meines Sounds steht“, meint Colbie. „Mir ist es wichtig, dass meine Lieder weiterhin akustisch sind. In ihnen soll Sonnenschein und gute Laune rauszuhören sein, und deshalb haben diese neuen Songs auch noch immer dieses lockere Kalifornien-Feeling, diesen Vibe, auf den ich so sehr stehe. Zugleich sind es aber persönliche Stücke, in denen ich meine eigenen Erfahrungen thematisiere und verarbeite.“

In der ersten Singleauskopplung „I Do“, ein Song, den Colbie mit Toby Gad geschrieben hat, flackert sie auf – wenn auch verpackt mit sehr viel mehr Witz: Während der Mitschnipp-Beat sofort in die Beine geht, dreht sich hier alles um das heilige Ehegelübde – bis dann die überraschende Pointe ganz am Schluss kommt. (Mehr wird nicht verraten.)

„Als die Vorschläge der unterschiedlichen Regisseure für das Video zu ‘I Do’ bei uns auf dem Tisch landeten, gab es da eine Konstante: Sie alle wollten eine Hochzeitsszene drehen“, berichtet Colbie. „Dabei geht es im Grunde genommen gar nicht ums Heiraten. Es geht einfach nur um die Worte ‘Ich liebe dich’. Es ist also noch so ein Song über Justin; darüber, wie man einem anderen Menschen diese drei Worte sagen will und sich vorstellt, mit ihm gemeinsam alt zu werden.“

Dass Colbie als Songschreiberin und Texterin in den letzten paar Jahren sehr viel dazugelernt hat und sie reifer geworden ist, bedeutet jedoch nicht, dass der Optimismus, den man von ihr kennt und der bei all ihren Stücken mitschwingt, ihr mit einem Mal abhanden gekommen wäre. Ihr Markenzeichen ist auf „All Of You“ sogar noch deutlicher präsent: vom ausgelassenen Rundumschlag namens „Favorite Song“, komponiert und präsentiert von Colbie, Ryan Tedder und dem Rapper Common, über den leichten Country-Einschlag von „In Stereo“ bis hin zum Flamenco-Feuerwerk von „Brighter Than The Sun“ – beste Party-Stimmung, wohin man auch schaut. „Brighter Than The Sun“ ist zugleich das Eröffnungsstück des neuen Longplayers: Hier wird man als Zuhörer direkt auf eine Beach-Party katapultiert, während Colbie mit dem Thema Liebe auf den ersten Blick loslegt.

Wohl kaum ein Track sagt so viel über ihr drittes Album aus wie das Titelstück: Der von Colbie und Jason Reeves komponierte Song handelt von einer Beziehung, die auf einer dermaßen intensiven Freundschaft basiert und auf einem so stabilen Fundament steht, dass selbst ein Fall von Untreue nicht daran rütteln kann. „Ich habe wirklich kein Blatt vor den Mund genommen und absolut gar nichts ausgelassen“, so Colbie. „Ich hab kein Thema ausgespart, weil ich der Überzeugung bin, dass wir alle ehrlicher und offener miteinander umgehen sollten, und zwar in jeder Hinsicht. Schluss mit den ganzen Geheimnissen, und weg mit den Masken, hinter denen man sein wahres Selbst versteckt. Das ist die Kernidee dieses neuen Albums.“

Indem sie fünf unterschiedliche Produzenten und eine Reihe von Musikergrößen im Studio um sich versammelt hat, ist „All Of You“ nach und nach zu einem vielschichtigen Selbstporträt von Colbie herangewachsen. Im Gegenteil zu vielen anderen ihrer Zeitgenossen (womit sowohl alte Hasen als auch Newcomer gemeint sind) beweist sie, dass man sehr wohl die richtige Balance finden kann, auch wenn man sich auf kreatives Neuland bewegt. Sie lässt ihre Fans mit der neuen LP sehr viel näher an sich heran als je zuvor; sie öffnet sich für einen Blick in die Vergangenheit und zeigt zugleich im Verlauf dieser 14 brandneuen Songs, was ihr für die Zukunft vorschwebt.

Fotos: Universal