Samstag, 16. Juli 2011, 11:50 Uhr

Daan: Der belgische Indie-Rocker will jetzt Deutschland erobern

Berlin. ‘Manhay’ heißt das Album des belgischen Indie-Rockers DAAN und erscheint am 22. Juli nun auch in Deutschland. Seitdem dEUS in den frühen 90ern mit ihrem Debüt „Suds & Soda“ durchstarteten, dieser vor mutiger Entschlossenheit, Eigenständigkeit und Leidenschaft überbordenden Initialzündung einer höchst kreativen belgischen Indie-Szene, kam so manche – leider oftmals sträflich versteckte – Überraschungsperle zwischen Indie, Noise, Elektronik und Pop aus Belgien.

Von Anbeginn gehörte auch Daan Stuyven dazu, von Haus aus ein Grafik-Designer mit einem Faible für schräg hängenden Pop und einer charismatischen, tiefen Stimme, die The Thes Matt Johnson ebenso zur Ehre gereicht wie dem Johnny Cash aus der „Folsom Prison“-Ära.

„’Manhay’ ist das typische Beispiel für ein Album, mit dem ich dem Rat all meiner Freunde zufolge in die komplett falsche Richtung gehe“, schmunzelt Daan. „Aber gerade das weckt meine Ambitionen“ – und führt dazu, dass er wieder mal ein Album vorlegt, das in seiner strahlenden Grandezza ebenso vollkommen natürlich, ja zwingend klingt, wie es in seiner voluminös-dichten Klangästhetik überrascht. Man höre dazu nur „Icon“, die erste Single des Albums, die in Belgien wieder einmal zu einem veritablen Hit mit dreifacher Platin- Auszeichnung avancierte: Ein vermeintlich melancholisch kompakter Country-Song, der seine Größe aus einer berührenden Melodie, einer höchst natürlichen Instrumentierung und Daans ausdrucksstarker Stimme schöpft. Und damit zu einem Statement großer Songwritingkunst wird.

„Ehrlich gesagt fühle ich mich auch nach 20 Jahren Musikmachen noch wie am Anfang. Da ist noch so viel zu entdecken. Schau dir nur ‚Manhay’ an: Ein Album wie dieses, das die gelungene Komposition in seiner klassischsten Bandinstrumentierung ehrt, habe ich noch nie gemacht. Dabei ist es eine der natürlichsten Formen von Musik. Ich nähere mich also erst langsam dessen, was andere Musiker vermutlich ‚die Basis’ nennen würden.“

Dies zeigt im übrigen auch „Simple“, das in Belgien bereits erschienene, hierzulande erst später zur Veröffentlichung anstehende sechste Daan-Werk: Darauf intoniert er 18 seiner eigenen Lieblingssongs aus den vergangenen zehn Jahren in maximal minimalistischer Weise: Nur er, eine Gitarre, ein Vibraphon, ein Cello und ein wenig Percussion. Wieder ein anderer Daan.

Wieder so intensiv, dass man selbst die Rückenschauer zu lieben lernt, die das Hören seiner Musik begleiten. Wieder neu, aufregend, einnehmend, anrührend, tiefgehend. Über wie viele Solokünstler lässt sich das auch 15 Jahre nach ihrem Debüt noch sagen?

Fotos: Geraldine Jacques