Freitag, 02. September 2011, 18:22 Uhr

Cooles Debüt: Rasmus-Sänger Lauri Ylönen mit Soloalbum "New World"

Köln. Herbst des Jahres 2009: Lauri Ylönen (32), der Sänger von The Rasmus, ist soeben in Singapur gelandet, um seinen Gitarristen Pauli Rantasalmi zu treffen. Die beiden planen, neue Songs für das nächste Rasmus-Album zu schreiben. Aber irgendetwas läuft glücklicherweise falsch: Die Stücke aus den Sessions in Singapur sind nämlich ziemlich anders, sprich elektronisch und tanzbar.

Man kann Technoeinflüsse deutlich heraushören, das Ganze hat nichts mehr zu tun mit den Poprock-Songs, die Rasmus bekannt gemacht und von denen sie weltweit viele Millionen verkauft haben. Was nun? Die beste Lösung für alle Beteiligten liegt auf der Hand: Ein Soloalbum muss her. „Wir fingen an, den Demos Gitarrenspuren hinzuzufügen, aber es fühlte sich nicht gut an“, beschreibt Lauri den Entscheidungsprozess näher.

„Die ganze Zeit über hatte ich das Gefühl, dass man dieser Musik eine Chance geben müsse, sich in eine andere Richtung zu entwickeln, egal ob es sich nun mit dem Rasmus-Sound verträgt, oder nicht.“

Und weiter: „Ich hatte von Beginn an eine klare Vorstellung von meinem Soloalbum. Zum Glück gab es keine Probleme mit dem Rest der Band, ich konnte sofort loslegen. Meine Solokarriere sehe ich als zweite Chance. Ich kann endlich meine kühnsten Träume wahr werden lassen. Das Album hat mich allerdings ziemlich beschäftigt in den letzten Monaten und wird es auch weiterhin tun.“ Was logisch ist, denn „die Arbeitsbedingungen sind anders“, erklärt Lauri.

„Bei The Rasmus geht es präziser, geduldiger und langsamer zu. Meine Soloscheibe ist mehr wie eine Garagen-Produktion entstanden – spontan und zwanglos. Ich habe zum Beispiel bei den meisten Songs die Gesangsspuren der Demos benutzt! Das Album erscheint übrigens auch auf meinem eigenen Label Dynasty Helsinki. Jetzt wo ich die absolute Kontrolle habe, kann ich endlich arbeiten, ohne kontrolliert zu werden, das ist fantastisch! Neben dem Schreiben der Songs und der Texte habe ich selbst produziert, außerdem war ich am Videoscript beteiligt, bei der Covergestaltung sowie der Auswahl der Fotos. Ich hatte so ziemlich überall meine Hände drin, das habe ich ganz schön vermisst“, lacht Lauri.

Wir haben es geahnt: Das Material von „New World“ ist komplett anders als das, was wir von The Rasmus kennen. Aber genau das ist die Idee. Warum muss sich ein Soloalbum genauso anhören wie die Stammband? „Man hört keine Gitarren, genau. Manche Songs ‚rocken‘ aber trotzdem mehr als alles, was ich bis jetzt gemacht habe. Die Musik ist sehr visuell, es gibt Stimmungen, wie man sie bei Vangelis‘ ‚Blade Runner‘ findet, überhaupt ist das Ganze ein Kessel Buntes aus allen elektronischen Spielarten. Das Album ist sehr dramatisch aufgebaut, mit vielen langen Instrumentalpassagen, aber dennoch für das Pop-Radio geeignet.“

Übrigens: Rasmus-Fans müssen sich keine Sorgen machen: „Wir werden in diesem Sommer anfangen, neue Songs zu schreiben und so schnell wie möglich ins Studio gehen. Nach der ganzen Arbeit mit Synthesizern beginne ich langsam meine Gitarre zu vermissen. Ich glaube fest daran, dass der Sommer und der Herbst fantastisch werden.“ Aber vorher wird Lauri seine neuen ‚Babys‘ live auf der Bühne vorstellen. „Die Inspiration dazu kam ganz klar von Kraftwerk, Jean Michel Jarre, Prodigy und anderen. Wir haben vor, einen großartigen Set zu präsentieren, egal, ob in einem kleinen verschwitzten Club oder auf einer riesigen Open Air-Bühne.“

Fotos: EMI Finnland