Mittwoch, 07. September 2011, 14:40 Uhr

"Kraftklub": Die wilden Kerle aus dem Osten kommen

Berlin. Im letzten Jahr gewannen sie den New Music Award und seitdem wird das Gemunkel auf der Straße immer lauter. ‘Kraftklub’ seien das nächste große Ding, heißt es da. Die Herren kommen aus Chemnitz. Oder wie Felix, Karl, Till, Steffen und Max noch immer sagen: aus Karl-Marx-Stadt. Sie sind Produkte der sich dahin schleppenden Vergangenheitsbewältigung, eher schlecht als recht vom Soli-Zuschlag aufgepäppelt und wegen mangelnder Zukunftsperspektive in die Rockstarkarriere getrieben.

Die Hip-Hop-Kapelle Kraftklub sehen sich als das Sprachrohr einer ganzen Generation. Denn man muss sich nur mal umgucken. Nicht nur der Osten, nein, das ganze Land ist voll von Verlierern, die Sinnsuche, Mittellosigkeit und hedonistische Entgleisung in Lebensentwürfe übersetzen.

Alle Drogen wurden bereits genommen, alle Fernseher bereits aus den Hotelfenstern geschmissen. Die heutigen riesigen Flatscreens passen ja nicht mal mehr durch ein handelsübliches Fenster. Hat darüber schon mal jemand nachgedacht? Kraftklub konfrontieren sich tagtäglich mit den Kalamitäten unserer Zeit.

Kraftklub sind Meister der Verschleierung. Sämtliche biografische Eckdaten dieser Band bieten Grundlage für Spekulationen. Sicher scheint zu sein, dass die Bandgründung am 01. Januar 2010 erfolgte, so viel scheint sicher. Doch ungewiss ist, ob die spontane Gründung daran lag, um im Proberaum vor der Neujahrsansprache der Bundeskanzlerin sicher zu sein oder weil da einfach noch der Restalkohol von Silvester in den Köpfen spukte.

Die Band waren schon als Support Act für Casper, Fettes Brot und die Beatsteaks auf Tour.

Kraftklub sehen verdammt gut aus. Sie wirken in ihren Collegejacken ein bisschen wie zwangsvermehrte The Hives, die bei Public Enemy die Codes of Cool studierten. Auf ihren Style angesprochen, kontern sie, lässig die Asche einer Kippe abklopfend, sie wollen einfach nur besser aussehen als ihre Fans. Ohne eine Prise Arroganz ist man bekanntermaßen im Game nicht überlebensfähig.

Der Oasis-Effekt. Rapper Felix und Bassist Till sind Brüder. Auch wenn sie bislang nach außen hin einen recht harmonischen Eindruck machen, sind kreative Reibereien, Streit wegen Mädchen und Prügeleien mit Paparazzi bei den beiden bereits vorprogrammiert. Wir sehen schon jetzt die Schlagzeilen der Boulevardpresse vor uns.

Kraftklub sind unermüdliche Arbeitstiere. Kaum eine andere Band hat sich innerhalb des letzten Jahres dermaßen brutal den Arsch abgetourt, um aber bei jedem einzelnen der absolvierten Konzerte die Frische einer gerade erblühten Krokus-Familie zu versprühen. Sie haben es im Jahr 2011 geschafft, mehr Festivals zu spielen als man auf ein Bassdrumfell schreiben kann. Daher im Übrigen auch die Redensart „Das geht auf keine Kuhhaut.“

Das beste Argument, wieso diese Band das “nächste heiße Ding” ist, ist das Album, welches Anfang nächsten Jahres erscheint.

Doch zunächst erscheint ihre Single „Ich will nicht nach Berlin“ am 23. September und am 29. September werden sie die BundesVisionSongContest Bühne rocken und natürlich möchten sie für Sachsen gewinnen.