Mittwoch, 07. September 2011, 10:48 Uhr

Neue Bilder von Roland Emmerichs "Anonymus"

München. Die Shakespeare-Autorenfrage ist eine Debatte, die schon seit mehr als 100 Jahren andauert. Hat der Mann aus Stratford-Upon-Avon tatsächlich all die Werke selbst geschrieben, für die er noch heute weltberühmt ist – oder nicht?

Tatsache ist, dass man über William Shakespeare nur sehr wenig weiß. Das macht es für einige Leute schwer zu glauben, dass der Sohn eines Analphabeten der Autor all dieser literarischen Meisterwerke gewesen sein kann. Der Besuch einer Dorfschule allein reichte sicher nicht aus, um Shakespeare mit dem weitreichenden Wortschatz auszustatten, dessen es bedurfte, um all seine berühmten Stücke zu schreiben.

Es gibt auch keinen Beweis, dass er je fremde Länder bereist oder die Feinheiten deren Sprache erlernt hat. Die einzigen existierenden schriftlichen Unterlagen, die Historiker Shakespeare zuordnen können, sind seine Unterschriften auf diversen offiziellen Dokumenten – abgefasst in mindestens sechs unterschiedlichen Schreibweisen (Shaksp, Shakspe, Shakesper, Shakespere, Shakspere and Shakspeare).

Abgesehen von den Stücken, die man ihm zuschreibt, gibt es keinerlei Manuskripte, Briefe, Notizen oder Gedichte von ihm. Was recht erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass dies sein Vermächtnis war. Anders als nach dem Tod vieler anderer, bekannter Autoren seiner Zeit, herrschte nach Shakespeares Ableben im Jahr 1616 allseits Schweigen. Seiner Frau und seinen Kindern vermachte er nur sein “zweitbestes Bett”, aber kein Geld. Und noch mehr verwunderlich: In seinem Testament erwähnte er irgendwelche Bücher oder Manuskripte mit keinem einzigen Wort.

Roland Emmerich wirft nun in seinem neuen Film ‘Anonymus’ einen überaus spannenden Blick auf die Epoche von William Shakespeare und bietet eine mögliche Antwort auf all die vielen, bis heute ungeklärten Fragen. Der Film startet am 3. November in den deutschen Kinos.

Angesiedelt in der politischen Schlangengrube des elisabethanischen Englands, spekuliert ANONYMUS über eine Frage, die schon seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Wissenschaftler und kluge Köpfe von Mark Twain und Charles Dickens bis hin zu Henry James und Sigmund Freud beschäftigt hat, nämlich: Wer war der Autor der Stücke, die William Shakespeare zugeschrieben werden?

Zahlreiche Experten haben darüber diskutiert, Bücher wurden geschrieben und Gelehrte haben ihr ganzes Leben der Aufgabe gewidmet, die Theorien, die die Autorenschaft der berühmtesten Werke der englischen Literatur umgeben, zu bewahren oder zu zerstreuen. Anonymus gibt eine mögliche Antwort und konzentriert sich dabei auf eine Zeit, als sich politische Intrigen, verbotene Romanzen am Königlichen Hof und die Machenschaften habgieriger Aristokraten, die die Macht des Throns an sich reißen wollten, an einem der ungewöhnlichsten Orte widerspiegelten: der Londoner Bühne.

In den Hauptrollen spielen Rhys Ifans, Vanessa Redgrave, Joely Richardson, David Thewlis, Xavier Samuel und Derek Jacobi. Regie führte Roland Emmerich. Als Produzenten fungieren Roland Emmerich, Robert Leger und Larry Franco. Das Drehbuch stammt von John Orloff.

Fotos: SonyPictures