Dienstag, 13. September 2011, 14:59 Uhr

Sibel Kekilli: "Ich will kein Vorbild sein"

Hamburg. Mit “Gegen die Wand” gelang ihr der Durchbruch. Doch auf Rollen mit türkischer Herkunft will Schauspielerin Sibel Kekilli nicht abonniert sein. “Ich bin in Deutschland geboren, meine Muttersprache ist deutsch. Ich will einfach nicht als ‘die Türkin’ besetzt werden. Ich möchte kein Vorbild sein. Da wird man in eine Schublade gesteckt und muss etwas repräsentieren”, sagt die 31-Jährige im Interview mit dem Frauenmagazin ‘Emotion’.

“Aber natürlich freut es mich, wenn junge Frauen mit türkischer Herkunft auf mich zukommen und sagen, dass ich sie mit meiner modernen Lebensweise inspiriere.” Zu ihrer Herkunft befragt zu werden, nervt die Tochter türkischer Einwanderer jedoch: “Ich bin keine Islamwissenschaftlerin, keine Politikerin. Ich habe nur meine Meinung”

Eine Meinung hat die Wahl-Hamburgerin auch zu Geschlechterrollen: “Natürlich bin ich für Gleichberechtigung. Aber ich beobachte, dass Frauen heute immer die Starken sein wollen. Ich finde, eine Frau sollte auch mal Schwäche zeigen können. Ich habe das Gefühl, dass alle zu viel voneinander erwarten. Dass die Männer gar nicht mehr wissen, was wir wollen. Ganz ehrlich, ich finde es schön, wie eine Dame behandelt zu werden”, so Kekilli.

“Ich glaube, ich kann von mir behaupten, dass ich stark bin. Aber es tut gut, einen Mann zu haben, der auch mal sagt: Ich nehme dich jetzt an die Hand. Nicht immer, aber ab und zu. In dieser Hinsicht bin ich altmodisch”, sagt die Schauspielerin, die mit 22 Jahren beim Einkaufen fürs Kino entdeckt wurde. Schon als Kind wollte die gebürtige Heilbronnerin eine starke Heldin sein. “Die meisten Mädchen möchten Prinzessinnen sein, ich wollte immer sein wie Pippi, so selbständig, stark und furchtlos”, erzählt Sibel Kekilli, die an der Seite von Axel Milberg eine feste Rolle im Kieler “Tatort” besetzt. Aktuell ist die Schauspielerin in der Komödie “What a man” zu sehen. “Ich wollte schon lange in einer Komödie spielen. Es war toll, am Set nicht immer zu weinen.”

Das Älterwerden bereitet der ehemaligen Verwaltungsfachangestellten keine Sorgenfalten. “Ich möchte auf keinen Fall mehr 20 sein. Da ist man noch nicht mit sich zufrieden, ist abhängig von der Meinung anderer, sieht vieles zu verkrampft, es fehlen einem wichtige Erfahrungen. Mittlerweile weiß ich genau, was ich will und was nicht. Ich finde auch, dass erwachsene Frauen im Vergleich zu jungen Mädchen eine viel interessantere Ausstrahlung haben. Ich jedenfalls freue mich aufs Älterwerden.” Auf die Frage, ob Botox deshalb kein Thema für sie sei, antwortet die 31-Jährige: “Man sollte nie nie sagen, ich weiß wirklich nicht, was ich in zehn Jahren denke, aber heute finde ich es schade, wenn Menschen nicht so alt aussehen, wie sie sind.” (ots)

Foto: AEDT/wenn.com