Mittwoch, 14. September 2011, 10:33 Uhr

Björk: "Touchscreens sind das Instrument, auf das ich gewartet habe"

München. Die isländische Sängerin Björk ist bekannt für ihren eigenwilligen Musikstil – auf ihrem neuen Album „Biophilia“ verarbeitet sie jetzt unter anderem ihre Kindheitserfahrungen mit traditioneller Musikpädagogik:

„Als ich zur Musikschule ging, war die wie eine Fabrik, in der auftrittsreife Musiker hergestellt wurden“, erinnert sich Björk im Interview mit der aktuellen Ausgabe der ‘VOGUE’. „Schon mit fünf Jahren wurde man der Gehirnwäsche unterzogen, dass man fleißig üben müsse und dann vielleicht in 20 Jahren in einem Symphonieorchester spielen könne. Eine seltsame Art, einem Kind Musik nahezubringen.“

Schon früh habe sie sich deshalb für einen alternativen Weg entschieden, so Björk, die sich begeistert von der neuen Tablet-Technologie zeigt: „Ich habe mir vorgenommen, wenn ich groß bin, mache ich das auf meine Art. Ich habe den Pop für mich entdeckt. Auf der letzten Tour habe ich zum ersten Mal Touchscreens kennengelernt. Das ist genau das Instrument, auf das ich gewartet habe: Grafik, spielerische Elemente und Musik werden miteinander verbunden.“

Tabletcomputer, so die 45-Jährige, würden das Musikbusiness künftig verändern: „Elektronische Musik wurde immer als zu wenig spontan wahrgenommen. Der Grund für die Seelenlosigkeit dieser Musik war jedoch, dass niemand ihr eine Seele eingehaucht hat – man war durch die Möglichkeiten der Technik eingeschränkt. Mit dem iPad, ist diese Einschränkung aufgehoben.“

Das Themenspektrum von Björks multimedialem Album „Biophilia“, das voraussichtlich Ende September erscheint und auch einige Apps beinhaltet, umfasst wissenschaftliche Themen ebenso wie emotionale – zwei Bereiche, die zunächst schwer vereinbar scheinen. „Diese Trennung ist nach meiner Beobachtung vor allem ein Problem von Städtern“, entgegnet die Sängerin. „In meiner Heimat sind Wissenschaft und Gefühl eins. In Island ist man ständig mit Vulkanausbrüchen und Erdbeben konfrontiert. Hinzu kommt, dass in Island die alte heidnische Religion nicht vom Christentum ausgelöscht wurde. Daher ist die Nähe zur Natur und ihren animistischen Elementen nach wie vor sehr stark. Auch vermeintlich Unbelebtes wird wie ein Lebewesen angesehen.“

Fotos: Inez van Lamsweerde and Vinoodh Matadin, Joel Chester Fildes