Donnerstag, 15. September 2011, 15:20 Uhr

Fler hat Buch am Start: "Als Rapper hast du eben ein gewisses Image"

Berlin. Heute erscheint die Autobiografie ‚Im Bus ganz hinten: Eine deutsche Geschichte’ und morgen das gleichnamige Album ‘Im Bus Ganz Hinten (Premium Edition)‘ des Berliner Rappers Fler.

In dem Buch schreibt er schonungslos von seiner schwierigen Kindheit und seinen Anfängen als Sprayer in Berlin. Im exklusiven Gespräch mit klatsch-tratsch.de erzählt der 29-jährige, warum er gerade jetzt eine Autobiografie veröffentlicht.

Du bist erst mit 29 noch sehr jung und bringst trotzdem deine Autobiografie ‚Im Bus ganz hinten’ heraus, wann hast du diesen Entschluss gefasst und wie lange arbeitest du bereits daran?
Es stimmt, eine Autobiografie mit Ende 20 ist ein bisschen früh, aber ich habe das gerade aus dem Grund gemacht, weil ich mit meinen 29 Jahren schon so viel erlebt habe. Es soll jetzt auch nicht nur so sein, das ich von meinem Leben und meinem Aufstieg als Rapper erzähle, mir war viel wichtiger, dass ich von meiner Jugend erzähle. Es soll den Leuten eigentlich erklären, warum man Rapmusik macht und wie ich das beste aus meiner Kindheit gemacht habe. Es ist für mich selber eigentlich so eine Art Therapie.

Normalerweise bist du als harter Rapper bekannt, lernen dich die Leute in deinem Buch auch von einer anderen Seite kennen?
Ja total. Darum geht es auch in dem Buch. Das ich eigentlich nicht so hart bin, wie die meisten denken. Man denkt es oft, als Rapper hast du eben ein gewisses Image. Aber eigentlich zeichnet es mich aus, dass ich in der Kindheit immer derjenige war, den die anderen gemobbt haben. Deswegen kenne ich mich sehr gut aus, wie man sich fühlt, wenn man einstecken muss. Aber egal wie oft man versucht hat, mich runter zu machen, ich stehe immer wieder auf. Ich find es traurig wenn die Leute denken, ich bin ein Arschloch! Aber ein gewisses kontroverses Image ist für einen Künstler in meiner Lage auch wichtig.

Wie genau spiegelt das Buch dein Leben wieder? Hast du schonungslos die ganze Wahrheit ausgepackt?
Ich musste sogar einige Sachen rausnehmen! Bevor ich meine Freundin kennengelernt habe, gab es ein wilde Zeit bei mir. Ich hätte natürlich auch Namen nennen können, aber da hat der Verlag erst mal gesagt, dass das so nicht geht.

Wie sehr hat dich deine schwere Kindheit für dein jetziges Leben geprägt?
Auf vieles hätte ich auch verzichten können. Die Schläge, die schlechten Erfahrungen mit meiner Mutter, solche Sachen trage ich auch bis heute noch mit mir rum. Sowas hinterlässt wirklich tiefe Narben, ich merke einfach in gewissen Situationen habe ich ein Defizit. Die Straßenzeit, die Heimzeit, die Zeit mit Bushido haben mich auf jeden Fall im Leben weiter gebracht und ich denke mir, gut das ich das durchlebt habe.

Das Buch und dein neues Album tragen den Namen ‚Im Bus ganz hinten’. Was bedeutet der Titel?
Bei mir beginnt halt alles im Bus ganz hinten. Ich wuchs in einer Siedlung in Lichterfelde auf. Ich fing dann zum ersten mal an, mit Hip Hop in Berührung zu kommen und das im Bus ganzen hinten, weil da die Sprüher immer Tags machen. Und hinten saßen halt immer die Älteren und die Krasseren, die Typen, die halt was zu melden hatten, auf der Straße. Und wenn du dich im Bus ganz hinten behaupten konntest, dann kannst du es auch im Leben.

Melden sich viele junge Leute bei dir, die vielleicht ein ähnliches Schicksal haben und welchen Rat würdest du ihnen mit auf den Weg geben?
Das kommt sogar sehr oft vor. Auf Facebook können mir die Leute direkt schreiben, natürlich schreibe ich auch zurück, ich liebe das. Ich bin da jeden Tag am Machen! Da bekomme ich oft solche Nachrichten. Für die ist auch das Buch, die sollen das lesen und sich das positive daraus mitnehmen.

Mit welchem Künstler würdest du gerne mal zusammenarbeiten?
Das ist schwer, aber Unheilig finde ich ganz cool. Von der Musik ist das was komplett anderes, aber von der Art und was er erzählt, könnte man das sehr einfach vereinbaren. Das nachdenkliche und das traurige, Unheilig wäre ein super Kandidat dafür.

Fotos: Ondro Ovesny