Donnerstag, 29. September 2011, 13:56 Uhr

Franka Potente über ihre große TV-Rolle als Beate Uhse

München. Franka Potente bewundert den Unternehmergeist von Beate Uhse. Die 37-jährige Schauspielerin hat in einem ZDF-Fernsehfilm die Rolle der deutschen Unternehmerin Beate Uhse übernommen. Im Interview mit ‘TV Spielfilm’ verrät Potente, was sie an der Frau, die nach dem Zweiten Weltkrieg den ersten Sexshop der Welt eröffnet hat, so fasziniert.

“Die hatte einfach Unternehmergeist”, erkennt Potente an und weiß, dass Uhse nicht nur mit einem Sexartikelhandel so erfolgreich geworden wäre. Sie ist sich sicher: “Die Beate hätte alles Mögliche verkaufen können.”

Warum die Frau sich gerade das Geschäft mit dem Sexspielzeug ausgesucht habe, findet Potente besonders interessant zu ergründen. So sei diese doch selbst eher nicht sexy gewesen und habe “mütterlich, konservativ und häuslich” gewirkt. Potente erläutert: “In den alten Filmaufnahmen trägt die Beate gern gehäkelte Westchen und wirkt ziemlich zugeknöpft.”

Es habe somit keinen besonderen Grund gegeben, warum Uhse gerade zur “Chefin eines Sexspielzeugimperiums” wurde. Zu dem Geschäft mit dem Sexspielzeug sei die frühere Stunt-Pilotin Uhse gekommen, “wie die Jungfrau zum Kinde”, glaubt Potente.

So hat die erfolgreiche Unternehmerin einen Handel mit Erotikartikel aufgebaut und auch Erotikfilme vertrieben. Die Frage, ob sie selbst schon Pornofilme gesehen habe, bejaht Potente und gibt zu: “Ich weiß, dass es sehr bizarre Filme gibt.”

Der biografische Film ‘Beate Uhse – Das Recht auf Liebe’ wird am  9. Oktober im ZDF zu sehen sein.

Der Film erzählt die Geschichte der Beate Uhse von 1945 bis 1972. In den letzten Kriegstagen landet eine junge Frau mit ihrem zweijährigen Sohn Klaus auf dem englisch besetzten Flughafen Leck in Schleswig-Holstein.

Die Freude über die gelungene Landung auf vermeintlich sicherem Gebiet währt nicht lange. Beate, geborene Köstlin, verwitwete Uhse, wird als deutsche Pilotin in britische Kriegsgefangenschaft genommen, ihr Sohn dem deutschen Roten Kreuz überführt. Nach einem Unfall des Gefangenentransports wacht Beate Uhse schwer verletzt in einem britischen Lazarett auf. Ihr Bettnachbar, der Anwalt Georg Tauber, lässt seine Beziehungen spielen und bringt Klaus zurück zu seiner Mutter. Dieses Wiedersehen gibt der Verletzten die Kraft, sich über die ärztliche Diagnose “nie wieder laufen zu können” hinweg zu setzen.

Beate Uhse kämpft, trainiert, trotzt den Schmerzen. Und schließlich kommt der Moment, da sie das Lazarett mit Klaus verlassen darf. Heimat- und wohnungslos trifft sie auf Ewe Rotermund. Die beiden sind sich auf Anhieb sympathisch. Ewe nimmt Mutter und Sohn mit in seine Flüchtlingsunterkunft. Ausgerechnet hier im Pastorat berät Beate die anderen Frauen in Sachen Verhütung. Angesichts der aussichtslosen wirtschaftlichen Lage möchte keine von ihnen ungewollt schwanger werden. Dafür landet Beate Uhse samt Ewe und Klaus wieder auf der Straße.

Schon 1946 beginnen sie und Ewe die legendäre “Schrift X” über die Knaus-Ogino-Verhütungsmethode zu vertreiben. Die “Schrift X” wird ein Renner. Bis 1949 verkauft sie sich zirka 32 000 Mal, das Stück für ein bis zwei Mark, und sichert damit Beate Uhse das Startkapital für eine eigene Firma. Der Aufklärungsbedarf im prüden Nachkriegsdeutschland ist enorm. Und zu den Ratgebern, Katalogen und Schriften kommen bald Kondome und andere Artikel. Dann wird ausgerechnet die Verhütungsexpertin ungewollt schwanger. Beate Uhse und Ewe Rotermund heiraten; seinen Nachnamen nimmt sie für ihr familiäres und bürgerliches Leben an. Privat und beruflich sind die Rotermunds ein Dream Team.

Mit steigendem Umsatz wird der Beate-Uhse-Versand mehr und mehr zum gesellschaftlichen, moralischen Problem. Aufgrund des “Unzuchtsparagraphen” § 184 wird Beate Rotermund mit ihrem Versand immer wieder vor Gericht zitiert. Staatsanwalt Martin Volke, angestachelt vom Volkswartbund, schreibt sich auf die Fahnen, der Uhse das Handwerk zu legen. Eine Klagewelle bricht über die Firma herein.

Georg Tauber, ihr ehemaliger Bettnachbar im Lazarett, kämpft als Anwalt an ihrer Seite und hat ebenso einfallreiche Ideen, der Staatsanwaltschaft immer wieder zu entkommen, wie Beate Uhse selbst. All das wächst Ewe Rotermund über den Kopf. Er möchte mit dem erwirtschafteten Vermögen aussteigen, ein ruhigeres Leben führen und nicht länger dem Spott und den Vorurteilen von Beates Gegnern ausgesetzt sein. Beate jedoch will der Prüderie und der sexuellen Unwissenheit in Deutschland ein Ende setzen.

Nach zig Verhaftungen, Hunderten von Anzeigen und entgegen aller Anfeindungen eröffnet sie 1962 ihren ersten Laden für “Ehehygiene”. Die gesellschaftliche Ausgrenzung und die unterschiedlichen Lebensziele treiben die Eheleute weiter auseinander. Als Ewes Affäre mit der Haushälterin Helga eine ernstere Beziehung wird, bricht für Beate Uhse eine Welt zusammen. Ewes Auszug aus dem gemeinsamen Heim zerstört ihre Hoffnung auf ihren ganz großen Traum von der glücklichen Familie. (K-t, Bang)

Fotos: ZDF/Christiane Pausch