Donnerstag, 06. Oktober 2011, 11:27 Uhr

Jetzt kommt Aaron Roterfeld, der David Bowie aus Vorarlberg

Berlin. Man nennt ihn schon den Falco des Düster Rock, den Crocodile Dundee aus Vorarlberg oder einfach Forrest Punk. Alles richtig – und auch wieder nicht. Falsche Bescheidenheit war gestern, Aaron Roterfeld startet mit seinem ersten Album „Blood Diamond Romance“ da, wo andere sich am Ziel sehen.

„Für seine Songs ist dem Mann mit dem durchdringenden Blick und der Bowie-Attitüde das Beste gerade gut genug“, schreibt der Sonic Seducer.

Produziert von den Gold-, Platin- und Grammy verwöhnten Berman Brothers (Baha Men, Coldplay, Cher, OST Sopranos, Sex And The City), Finnlands Hit-Musikschmied Hiili Hiilesmaa (HIM, Lordi, Apocalyptica) und der 70/80er Artrock Legende Frank Bornemann (Eloy, Guano Apes, Helloween), wirft Roterfeld große Schatten, bevor die Scheinwerfer überhaupt warmgelaufen sind.

Statt in der Garage zu frieren und den Mief von Jugendzentren, Provinzbühnen und Kuhstall zu atmen, nimmt Aaron fix die Abkürzung. Auf seiner Entdeckungsreise durch den Dark Rock/ Alternativ Pop Genre-Dschungel findet Roterfeld sich dabei bestens zurecht.

Nur eins kann Herr Roterfeld definitiv nicht: Ruhe geben.

Das geht schon früh los. Als Kind stiehlt sich Aaron nachts allein in den Wald, wo andere noch zitternd die Decke bis zum Kinn ziehen. „Don’t Be Afraid Of The Dark“ skandiert Roterfeld im Opener Song. Weil er sie selber nicht hat, die Angst vorm Unbekannten? Aaron: „Klar habe ich Angst, mir ist nur irgendwann aufgefallen, dass die Angst nicht immer Recht hat.“

Als ihn die paar Bäume nicht mehr schrecken, fliegt er mit gerade 16 Jahren alleine nach Japan, um sich dort in Karate ausbilden zu lassen. Gestrandet in einer Tokioter Kampfschule, schläft Aaron zwischen Kisten auf dem Schulspeicher, während er tagsüber trainiert und als Gegenleistung den Boden schrubbt. Nach knapp zwei Monaten ist Roterfeld zurück, abgebrannt und geläutert – fürs Erste.

Trotzdem will Roterfeld raus, weit weg. Ein großes Buschmesser und eine LSF 50 Sonnencreme liegen versteckt im Eckschrank bereit, für den Tag, an dem er abhaut – nach Afrika! So dramatisch kommt es zum Glück nicht. Seine Eltern lassen ihn erneut ziehen, da ist er 17. „Ich wollte raus in die Wildnis. Lieber mit 18 Jahren vom Löwen gefressen, als irgendwann vom Kleinstadtbus überfahren werden.“ Sechs Monate schlägt er sich allein durch Botswana, Tansania, Namibia, Simbabwe, Mosambik, Malawi und Kenia – eine Riesenstrecke.

Was ihn umtreibt, nennt Aaron „seinen Dämon“. Seit frühester Kindheit macht er ihm zu schaffen und weckt diese zwingende Abenteuerlust: „Ich fühle das physisch! Ich konnte es nicht mehr ertragen in einem Konventions-Korsett zu leben“. Seinen Eltern erscheint vor allem Popularmusik eine Bedrohung für ihren Spross: „Mein Vater hielt ein Schlagzeug für die totale Verrohung der Menschheit“, erinnert Aaron sich. Alice In Chains, Guns N’ Roses oder Iron Maiden muss er daher heimlich hören, mit David Bowie vergleichen ihn die Freunde. Musik ist mittlerweile sein ständiger Begleiter. In der Schublade liegt das erste fünf Track Demo und ein Haufen Songideen, darunter bereits „Nothing Lasts But The Past“: „In diesem Song finde ich von Jahr zu Jahr mehr Wahrheit, obwohl ich ihn so früh geschrieben habe.“

Und spätestens seit Afrika gilt für Roterfeld endgültig: Geht nicht, gibt’s nicht. ORF-Moderator war-, Tonstudiobesitzer und Buchautor ist er schon. Über die wirklich wichtigen Dinge, die er im Leben noch tun muss, führt er eine Liste, auf der steht ganz oben – Album „Blood Diamond Romance“ rausbringen und in Klammern: „mit allem Drum und Dran“…

Fotos: Neil_Zlozower