Freitag, 07. Oktober 2011, 11:39 Uhr

Loops und Samples: Naima Husseini präsentiert ihr Album-Debüt

Berlin. Als Naima Husseini (30) ihren ersten Plattenvertrag erhielt, lernte sie eines sehr schnell: Der Ton macht die Musik. Aber Ihr wurde auch klar: Was den Ton macht, steht nirgendwo in Stein gemeißelt. Und allmählich wuchs in ihr die Gewissheit, dass ein Pfad, der in die eine Richtung ausgetreten scheint, sich völlig anders darstellen kann, wenn man ihn in Gegenrichtung beschreitet.

Also hat sie ihre Musik total eingedampft, de- und rekonstruiert, bis diese sich auf der Bühne allein mittels ihrer Stimme und einer Loop Station reproduzieren ließ – einer Art Sampler, der live mit Stimmen und Klängen gefüttert wird und dadurch vielfach geschichtete Sounds und Chöre erzeugt. So könnte man das prosaisch umschreiben.

Eine ereignisreiche Reise von der experimentellen Bedroom-Produzentin zum Pop und fast wieder zurück. Naima Husseini hat zwar eine 180°-Wende hingelegt, um in die Gegenrichtung aufzubrechen, sich dabei aber keinesfalls auf den Rückweg begeben, denn sie hat ihre ganz eigene Interpretation von Pop mitgenommen. Loop für Loop. Bis ins Studio. Wo die Soundschleifen aus der Loop Station zur Basis ihres Albums wurden.

Gemeinsam mit Produzent Olaf Opal verwebte Naima sie zu einem Netz aus Songs, die klingen, als wären die Instrumente durch ein Kaleidoskop aufgenommen worden. Songs, die insbesondere dann, wenn bei „Oben Unten“, „Wiedersehen“, „Ein Schritt vor“ oder „Du willst mehr“ der Pop am hellsten aufblitzt, in ihrem unentwegten Vexierspiel zwischen maschineller Kälte und analoger Wärme, schon mal entfernte Erinnerungen an die exentrische Klangarchitektur der frühen Depeche Mode wecken.

Obwohl ihre Musik jederzeit viel zu sehr im Hier und Jetzt, vor allem aber bei sich selbst ist, um derartige Vergleiche zu bemühen, kultiviert Naima Husseini mit diesem Album etwas, das zuletzt Anfang der 1980er Jahre ähnlich bezaubernde Blüten trieb: die Spinnerei. Ein Instrument, mit dessen Hilfe es damals Künstlerinnen wie Kate Bush gelang, die Popmusik aus ihrem steifen Normenkorsett zu befreien, ohne sich der rohen Selbstlimitierung des Punkrock zu bedienen.

Das Album ist seit letzter Woche zu haben.

Fotos: Torben Höke