Dienstag, 25. Oktober 2011, 13:06 Uhr

Darf ich meine Oma selbst verbrennen?

Berlin. Zahlreiche uns immer wiederkehrende bewegende Fragen zum Ableben unserer Lieben waren bis jetzt noch beantwortet geblieben. Kann man als Nichtschwimmer auf hoher See bestattet werden? Gibt es auch Second-Hand-Särge? Kann ich den Opa im Kombi selbst zum Friedhof fahren? Diese und andere nicht immer ganz ernst gemeinte Fragen rund ums Sterben begegnen Peter Willhelm täglich. Die skurrilsten versammelt er nun in seinem zweiten Buch. Und gibt die richtigen pietätvollen Antworten dazu.

klatsch-tratsch.de verlost drei Exemplare der bibliophilen Kostbarkeit Darf ich meine Oma selbst verbrennen?: … und andere skurrile Fragen an Deutschlands bekanntesten Bestatter

Interessenten schicken bis zum 10. November 2011 eine Mail mit dem Stichwort ‘Oma’ an [email protected]
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden benachrichtigt.

Hier ein paar exklusive Auszüge:

Wie verhalte ich mich, wenn ich im Treppenhaus auf eine Leiche treffe?

Ich bekomme jeden Tag Dutzende von Mails und Briefen, in denen mich die Menschen um Rat in Fragen rund um die Bestattung bitten. In diesem Fall ist eine Frau im Treppenhaus auf Bestattungshelfer mit einer Leichentrage gestoßen.

In so eine Situation kann man schnell geraten, und wenn man die einfachsten Anstandsregeln einhält, kann man eigentlich nichts falsch machen. Natürlich läuft man als Nachbar nicht neugierig aus der Wohnung, um den Bestattungshelfern zuzugucken. Das erleben die Bestatter aber immer wieder, und oft müssen sie sich mit der schweren Trage einen Weg durch die Gaffer bahnen.

Aber normalerweise haben die Leute ein Gespür für die Situation, und das Tabu und die Abscheu vor dem Tod lassen sie von selbst zurückweichen und in ihren Wohnungen bleiben.

Wenn man aber in einem Treppenhaus unvermittelt auf zwei Männer mit einer Leichentrage stößt, sollte man schauen, dass man nicht im Weg steht, und sich – das, meine ich, gebietet der Anstand – ruhig und zurückhaltend verhalten. Freudenbekundungen jeglicher Art sind zu unterlassen,
auch wenn man den betreffenden Nachbarn vielleicht nicht mochte. Es ist auch nicht angebracht, in dieser Situation den eventuell anwesenden Hausmeister zu fragen, ob jetzt eine Wohnung frei wird. Es versteht sich hoffentlich von selbst, dass man nicht in die Wohnung des Verstorbenen eindringt, um sich etwas von den Sachen auszusuchen, die “der ja jetzt nicht mehr braucht”.
Und Annäherungsversuche an die möglicherweise vorhandene Witwe sollte man ebenfalls auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.
Die Bestattungshelfer brauchen sicher keine Ratschläge, wie man den Leichentransport besser gestalten könnte, und die Frage “Is’ der schwer?” möchten sie auch nicht hören.

Wie verhindert man, dass bei einer Seebestattung der Sarg auf der Wasseroberfläche schwimmt?

Seebestattungen werden nur mit der Totenasche in einer auflösbaren Urne durchgeführt, nicht mit Särgen. Im Gegensatz zum Seemannsbegräbnis auf hoher See, bei dem man einen ganzen Leichnam der See übergibt, wird also nur die Asche beigesetzt. Würde man, was nicht üblich ist, Särge verwenden, könnte ich mir vorstellen, dass man einem Aufschwimmen des Sarges durch die Anbringung geeigneter Bohrlöcher im Sarg entgegenwirken könnte.

Mein Mann wünscht sich ein Seemannsgrab. Wie geht denn das vor sich? Und wie finde ich später die Stelle im Meer wieder, um zum Beispiel mal ein paar Blümchen auf sein Grab zu legen oder eine Kerze aufzustellen?

Bei einer Seebestattung erhalten Sie von der Seereederei einen Auszug aus dem Schiffslogbuch und eine Seekarte, auf der die Beisetzungsstelle markiert ist. Gegen eine Gebühr können Sie sich von der Reederei später wieder an diese Stelle im offenen Meer fahren lassen und dort Blumen über Bord werfen. Kerzen sind weniger zweckmäßig.

Meine Eltern haben das Grab meines Opas freigegeben, weil sie die Kosten nicht tragen wollten. Kann ich die Knochen meines Opas haben?

Wenn Gräber aufgegeben werden, verbleiben die sterblichen Überreste der früher dort bestatteten Personen zumeist an Ort und Stelle. Natürlich gibt es mancherorts auch Gebeinhäuser, in denen die übrig gebliebenen Knochen weiter aufbewahrt werden. In aller Regel sind solche Knochenhäuser aber aus der Mode gekommen, und man gibt keine neuen Knochen mehr hinein.

Wie Abfall werden aber auch die Verstorbenen nicht entsorgt, die nicht in ein Gebeinhaus kommen; sie verbleiben einfach an Ort und Stelle. Manchmal gibt es auch Sammelstätten in abgelegenen Friedhofsteilen, und die mit Knochen durchsetzte Erde von mehreren Gräbern wird gelegentlich in einer Art Grab gesammelt beigesetzt. Das wird ganz verschieden gehandhabt. Aber weggeworfen werden die sterblichen Überreste nicht.

Läuft ein Grab ab, kann man an manchen Orten innerhalb einer gewissen Frist die Umbettung in ein Wahl- bzw. Familiengrab beantragen. Das ist natürlich mit nicht unerheblichen Kosten verbunden. Hier kann nur die zuständige Friedhofsverwaltung Auskunft erteilen.

Man kann die Knochen seiner verstorbenen Ahnen nicht “einfordern”, um sie z. B. zu Hause aufzubewahren oder selbst irgendwo zu bestatten. Mit Ablauf der Ruhezeit gilt die Sache als erledigt, der Mensch als vergangen und die Grabstelle als frei.

Irgendwann muss ja auch mal Schluss sein.