Mittwoch, 26. Oktober 2011, 13:32 Uhr

Roger Cicero plaudert über sein neues Album "In diesem Moment"

Berlin. Zweieinhalb Jahre nach ‘Artgerecht’ legt Roger Cicero am Freitag Album Nummer vier vor. Mehr als nur ein Song auf ‘In diesem Moment’ hätte es verdient, das Album zu betiteln. So viel Roger Cicero war noch nie – nicht in den Kompositionen, vor allem nicht in den Texten. klatsch-tratsch.de Star-Talkerin Tari traf sich mit dem Meister auf eine Tasse Kaffee.

Am 28.10. erscheint dein neues Album ‚In diesem Moment’, bist du vor solchen großen Terminen überhaupt noch aufgeregt, schließlich ist das dein viertes Studioalbum?
Gerade bei diesem Album bin ich total aufgeregt. Es ist diesmal eine ganz besondere Situation, ich bin mindestens genauso aufgeregt wie vor meinem ersten Album, weil sich bei diesem soviel verändert hat. Ich hab mit komplett neuen Leuten gearbeitet, neuen Produzenten, neuen Arrangeuren, neuen Schreibern, es war echt alles anders, das einzige was gleich geblieben ist, war meine Band.

Können deine Fans etwas außergewöhnlich Neues erwarten, oder gibt es den gewohnt einzigartigen jazzigen Roger Cicero?
Nein, eigentlich sind die selben Zutaten wie immer dabei, nämlich Jazz, Swing, Pop, aber es ist in der Produktion etwas kompromissloser. Es ist genauer ausgearbeitet, wenn wir z.B. eine Funknummer aufgenommen haben, klingt es noch viel mehr nach Funk. Big Band klingt nicht mehr automatisch wie eine große Big Band, sondern eben wie das was sie wirklich sind, eine sehr große Bläsersection. Textlich habe ich mir im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht, was ich alles thematisieren möchte, natürlich sich viele Texte noch immer mit einem humoristischen Augenzwinkern, aber es sind auch nachdenkliche Titel dabei.

Es heißt, dass du dich vom Swing und Jazz abwendest und mehr in die Pop-Richtung gehst.
Diese Aussage betrifft ein Stück auf dem Album, damit ist die erste Single gemeint. Das stimmt, das ist eine Pop-Ballade, aber das ist natürlich kein Album voller Pop-Balladen. Es ist halt von allem etwas dabei, ich habe auch zwei Swingstücke drauf. Also ich habe mich von dem Jazz und Swing nicht komplett abgewendet, ich habe nur noch andere Sachen hinzugefügt.

Welcher Song auf deinem Album ist dein Lieblingssong und warum?
Es sind alles meine Babys, ich habe bei fast jedem Song mitgeschrieben, mitkomponiert oder mit getextet. Ich finde es ist ein sehr stimmiges Album geworden, obwohl es so viele verschiedene Musikstile ausarbeitet.

Anfang nächsten Jahres wirst du auch auf Tour gehen, mit Familie daheim, fällt es einem nicht schwer so lange von zu Hause fern zu bleiben?
Ich freue mich wahnsinnig auf die Tour, dennoch fällt es mir schwer so lange von zu Hause weg zu bleiben. Da schlagen beide Herzen in der Brust. Auf Tour zu sein ist sehr anstrengend, aber ich schätze es sehr, es ist das warum ich Musik mache. Es ist der Teil meines Jobs den ich am liebsten mag.

Welche Musik hörst du privat gerne? Hast du irgendwelche musikalischen Geheimnisse in deiner Sammlung zu Hause, was keiner von dir erwarten würde?
Ich bin ein großer James-Taylor-Fan und mag Leute wie Jeff Buckley, das sind bestimmt welche, wo man denken könnte, das passt nicht wirklich zu mir. Klassik mag ich in Maßen auch ganz gern, ansonsten würde ich sagen, sind meine musikalischen Vorlieben doch sehr nachvollziehbar, eben Soul, Jazz und Pop.

Gibt es auch jemanden mit dem du mal gerne zusammen arbeiten möchtest, der aus einer komplett anderen Richtung kommt?
Ja, da bin ich ganz Jazzmusiker und kann mir Kollaborationen mit allen möglichen vorstellen. Es müsste halt nur etwas interessantes sein, wo beide Parteien aus ihrer Komfortzone herauskommen. Am liebsten wären mir da Prince und Stevie Wonder. (lacht)

Was hältst du von Talentsuchen im Fernsehen?
Ich war selbst mal Juror bei ‘Ich Tarzan, Du Jane’, da wurden Musicaldarsteller gesucht, das fand ich einigermaßen seriös. Das waren Leute, die kamen schon von der Bühne, die haben durch diese Sendung einfach nur eine große Chance bekommen. Das ist auch was nachhaltiges, wenn du schon mal eine Hauptrolle gespielt hast. Das fand ich damals sinnvoll, die anderen Castingshows sind eben nicht so meins.

Wärst du vor 20 Jahren als unbekannter Roger Cicero vielleicht auch zu einer dieser Shows gegangen, in der Hoffnung entdeckt zu werden?
Ich fürchte ja. Ich fürchte ich hätte genau denselben Fehler gemacht, wie viele andere Jugendliche heutzutage. Die Erfahrung zeigt, dass es die wenigsten nur durch diese Formate schaffen.

2009 hast du das erste Mal in einem Film mitgewirkt, wäre das auch eine Option für die nächsten Jahre und sind weitere Filmprojekte geplant?
Ich bin kein Schauspieler, wenn es eine Rolle gibt die ich mir zutrauen würde, dann würde ich es überlegen. Die Schauspielerei ist jedoch nichts, wo ich viel Zeit und Energie reinstecken würde, um da voran zu kommen.

Fotos: klatsch-tratsch.de/Patrick Hoffmann