Donnerstag, 27. Oktober 2011, 10:55 Uhr

"Hotel Lux": Bully Herbig hat zur Premiere nix zu sagen - Die Bilder

Berlin, Gestern Abend fand am Potsdamer Platz die Premiere des neuen Films mit Bully Herbig, Jürgen Vogel und Thekla Reuten in den Hauptrollen, statt. Herbig, der mit diesem Film erneut seinen Wechsel ins ernste Charakterfach unterstreichen will, ließ sich einen besonderen Marketing-Gag einfallen, bei dem sicher war, dass er die entsprechende Aufmerksamkeit der Medien bekommt.

Der 43-jährige sagte jedenfalls zu den Presseleuten kein Wort, hielt stattdessen einen Zettel in die Kameras, auf dem stand: “Sorry, Stimme kaputt! Hotel Lux startet am 27. Oktober in den Kinos.”

Sein Arzt habe ihm wegen Stimmbandproblemchen jegliche Plauderei verboten, hieß es.

Vielleicht war dieser Zettel auch nur ein versteckter Hinweis auf seinen nächsten Film “Zettl”, der am 2. Februar starten soll? Dieses Schlitzohr aber auch!

Regisseur dieser leider etwas lau daherkommenden Komödie ist der gefeierte Leander Haußmann.

Knapp 1500 Premierengäste kamen ins CineStar. Darunter Oliver Berben, Bettina Wulff, Michael Ballhaus, Thomas Heinze, Dieter Hallervorden, Michael Gwisdek, Ulrich Noethen, Annika Kuhl, Karoline Herfurth, Max Riemelt, Elyas M’Barek, Maxim Mehmet, Tom Schilling, Jennifer Ulrich, Peter Lohmeyer, Sarah Wiener, Horst Pinnow, Richy Müller, Jonas Hämmerle, Jörg Moukaddam, Nic Romm, Nina Kronjäger, Fabian Busch, Vincent Redetzki, Paula Riemann, Katja Eichinger, Fiona Erdmann, Tom Zickler, Wolfgang Becker, Hans-Christian Schmid, Dennis Gansel und Rosa von Praunheim.

Und darum geht’s: Der Komiker und Stalin-Parodist Hans Zeisig (MICHAEL BULLY HERBIG), der eigentlich von einer Hollywood-Kariere träumt, muss 1938 mit falschen Papieren aus Nazi-Berlin fliehen. Er landet in Moskau und gerät in das berüchtigte Exilanten-Hotel „Lux“, Zufluchtsort kommunistischer Funktionäre aus aller Welt und insbesondere der aus Deutschland. Der sowjetische Geheimdienst verwechselt Zeisig schließlich mit dem abtrünnigen Leibastrologen Adolf Hitlers. So gerät der unpolitische Entertainer zwischen die Fronten blutiger Intrigen in Josef Stalins Machtapparat und wird dessen Sterndeuter.

Wie kam Michael Bully Herbig eigentlich zu dieser Rolle? Während Leander Haußmann (Foto ganz unten mit Freundin und Schauspielerin Annika Kuhl) sich in die Drehbucharbeit stürzte, bemühte sich Produzent Günter Rohrbach um die Idealbesetzung der Hauptrolle. „Ich war von Anfang an der festen Überzeugung, dass man diesen Film nur mit Bully Herbig drehen kann“, sagt der Produzent. Er hatte mit dem Multitalent Michael Bully Herbig zwar noch nie einen Film gedreht, ihn aber gleich dreimal hintereinander für die Moderation des Deutschen Filmpreises gewinnen können. Diesem stand Günter Rohrbach von 2003 bis 2010 als Präsident der Deutschen Filmakademie vor.

Als Bully im Sommer 2008 seine Abenteuerkomödie WICKIE UND DIE STARKEN MÄNNER drehte, bekam er im nachgebauten Wikingerdorf am Walchensee Besuch von Günter Rohrbach. „Ich fand es unglaublich reizend, dass er mit dem Auto extra so weit rausfährt, um sich mit mir zu treffen“, sagt Bully. „Bei einem Abendessen hat er mir vom Hotel Lux erzählt. Das war wie Geschichtsunterricht für mich. Es fielen sehr viele Namen, mit den meisten konnte ich nichts anfangen. Ich kam mir völlig unwissend vor, bis dato kannte ich ja nur das Hotel California.“

Michael Bully Herbig erhielt das Drehbuch in einer frühen Fassung. „Meine Figur war wesentlich dramatischer angelegt als heute, und ich hielt es für keine so gute Idee, eine solche Rolle zu übernehmen.“, erinnert sich Bully. Also notierte er einige Argumente, um nicht ins Stottern zu geraten, wenn er dem renommierten Produzenten Günter Rohrbach absagen wollte. Den Wortlaut des anschließenden Telefonats hat Bully bis heute nicht vergessen.
Ich sagte: „Herr Rohrbach, auch auf die Gefahr hin, dass Sie enttäuscht sind und mich für feige halten: Das Drehbuch ist nichts für mich und dazu habe ich noch ein zeitliches Problem. Aus diesem Grund möchte ich lieber absagen.“

Daraufhin sagte Herr Rohrbach wie aus der Pistole geschossen: „Nein, Sie sagen nicht ab!“ – „Wie bitte?“ – „Sie sagen nicht ab.“ – „Doch.“ – „Nein, ich hätte Ihnen das Buch nicht schicken dürfen. Das ist eine alte Version. Da sitzt jetzt Leander Haußmann dran. Der muss nur wissen, wer die Rolle spielt, dann tut er sich leichter beim Schreiben. Sie dürfen das nicht absagen. Sie wollen doch mal den Oscar!“ – „Ja, schon, Herr Rohrbach. Aber ich kriege es nicht unter. Ich muss leider absagen.“ Woraufhin er den legendären Satz sagte: „Sie sagen nicht ab! Einigen wir uns darauf, dass Sie nicht zusagen.“

So viel Einsatz und Leidenschaft schmeichelte Bully. Es begann eine intensive Zeit des gemeinsamen Ringens um den Stoff und seine vielen Möglichkeiten der Dramatisierung“, erinnert sich Produzentin Corinna Eich. Dabei hatte Leander nun beim Schreiben des neuen Buches immer Michael Bully Herbig vor Augen. Er schrieb ihm die Figur regelrecht auf den Leib. „Es ist auf keinen Fall von Nachteil, wenn man beim Schreiben schon die Besetzung der Hauptrolle kennt“, sagt Leander Haußmann.

Fotos: Constantin