Sonntag, 30. Oktober 2011, 23:29 Uhr

"Anonymus": Deutschlandpremiere mit Roland Emmerich

Berlin. Heute Abend fand im Berliner Sony-Center die Deutschland-Premiere von Roland Emmerichs neuen Film ‘Anonymus’ statt. Der deutsche Star-Regisseur, eigentlich Hollywoods-Spezialist für Weltuntergangs- Filme ,zeigte sich u.a. mit den Stars des Films Joely Richardson und Rhys Ifans, sowie Sebastian Armesto und Jamie Campbell Bower.

Unter den Gästen: Mariella Ahrens, Iris Berben und Boyfriend (Siehe Foto unten), Gedeon Burkhard, Gesine Cukrowski, Katja Eichinger, Martina Gedeck, Simone Hanselmann, Karoline Herfurth, Hannah Herzsprung, Susan Hoecke, Henry Hübchen, Cherno Jobatey, Sandra Maischberger, Maxim Mehmet, Michael Michalsky, Friedrich Mücke, Jana Pallaske, Bastian Pastewka, Franziska Petri, Ludger Pistor, Jochen Schropp, Kai Schumann, Tobey Wilson, Johanna Wokalek, Verena Wriedt, Anastasia Zampounidis, Michi Beck von den Fantastischen Vier mit Ehefrau (Foto) u.v.a.

Der Film startet am 10. November in den deutschen Kinos.

Angesiedelt in der politischen Schlangengrube des elisabethanischen Englands, spekuliert der Film über eine Frage, die schon seit vielen Jahrhunderten zahlreiche Wissenschaftler und kluge Köpfe von Mark Twain und Charles Dickens bis hin zu Henry James und Sigmund Freud beschäftigt hat, nämlich: Wer war der Autor der Stücke, die William Shakespeare zugeschrieben werden?

Emmerichs Faszination für die Frage nach Shakespeares Urheberschaft wurde nach einem Gespräch mit dem Drehbuchautor John Orloff geweckt, der sich bereits seit Jahren mit der Thematik befasst hatte und eine erste Fassung eines Drehbuchs geschrieben hatte, damals noch mit dem Titel Soul of the Age. Orloff sagt: „Wir trafen uns eigentlich, um über einen anderen Stoff zu sprechen. Als Roland mich fragte, woran ich aktuell arbeiten würde, gab ich mir einen Ruck und erzählte ihm von Soul of the Age.“

Orloff erzählt, dass ihn die Thematik fasziniert, seitdem er vor 20 Jahren als 25-jähriger Studienabgänger erstmals von der Kontroverse erfuhr. „Mein erster Gedanke war: „Warum hat mir das noch nie jemand erzählt?!‘“, sagt er. „Mein zweiter Gedanke war, dass diese Geschichte wie geschaffen sei für einen großartigen Filmstoff. Da war wirklich alles dabei: Mord, Sex, Lügen, Verrat – wirklich der Stoff für ein Drama wie von Shakespeare.“

Bei der Entwicklung der Geschichte konzentrierte sich Orloff auf die Idee, dass es zwei Autoren gab – Shakespeare, der Mann im Vordergrund, und der wahre Schriftsteller, versteckt hinter dem Vorhang. „Ben Jonson schrieb die Einleitung zur ersten gedruckten Sammlung, in der die ersten offiziell veröffentlichten Stücke von Shakespeare vereint sind. Er hat da ein wunder-, wunderschönes Gedicht verfasst, das er Shakespeare widmete, der zu diesem Zeitpunkt seit sieben Jahren tot war. Aber wenn man Jonsons andere Arbeiten liest, einige der kürzeren Gedichte oder ein paar seiner Stücke, dann ist er nicht so voll des Lobes für Shakespeare. In seinen Gedichten macht er sich sogar lustig über ihn oder er ist sauer auf ihn. Als ich darüber nachdachte, kam mir die Idee, dass Jonson womöglich über zwei verschiedene Menschen spricht – der eine ein wahrer Poet, der andere ein Betrüger.“

Emmerich fühlte sich von Orloffs Idee sofort angesprochen – und er hatte selbst ein paar große Ideen, die die Geschichte zusätzlich aufwerten würden, wie er fand. „In dem Drehbuch geht es im Grunde um die Beziehung zwischen Ben Jonson, William Shakespeare und Edward de Vere – das ist das Herz des Films. Aber ich fand, dass wir noch mehr brauchten. Ich fragte mich: ,Was war in dieser Ära am wichtigsten?‘ Und das war eindeutig Thronfolge.“ Oder genauer gesagt die Frage, wer der erbenlosen Elisabeth auf den Thron Englands folgen sollte.

„Ich hatte eine kleine Geschichte über Kunst und Eifersucht“, meint Orloff. „Aber mit seinen Vorschlägen katapultierte Roland das Drehbuch in eine ganz neue Dimension dramatischer Möglichkeiten.“

„Mich faszinierte nicht nur die Idee, ob Shakespeare die Stücke nun geschrieben hat oder nicht“, berichtet Emmerich. „Aber es war der entscheidende Funke, der jede Menge neue Möglichkeiten für die Geschichte eröffnete. Man konnte einen Blick werfen auf das kreative Feuer in den Menschen und der Frage nach der Beziehung zwischen Kunst und Politik vertiefen: Ist die Feder wirklich mächtiger als das Schwert?“

Fotos: Patrick Hoffmann/WENN.com (1), SonyPictures