Dienstag, 13. Dezember 2011, 9:07 Uhr

Daniel Craig: Weltpremiere von "Verblendung" in London

London. Gestern hatte “Verblendung” (The Girl With The Dragon Tattoo), die US-Adption der schwedischen ‘Millenium’-Trilogie, in London seine Weltpremiere. Natürlich zeigte sich die Hauptdarsteller Daniel Craig (43,als Mikael Blomkvist) und Rooney Mara (26, als Lisbeth Salander) auf dem Roten Teppich am Odeon Leicester Square.

Von der epischen Thrillerreihe wurden in 46 Ländern 65 Millionen Exemplare verkauft. Der erste Teil der Serie wurde 2005 veröffentlicht, kurz nach dem Tod des Autors. Darin machten Leser auf der ganzen Welt erstmals Bekanntschaft mit dem unbestechlichen Wirtschaftsjournalisten Mikael Blomkvist und der radikalen Hackerin Lisbeth Salander.

Regie führte der Oscar-nominierte Regisseur David Fincher (The Social Network). Deutscher Kinostart ist der 12. Januar.

Regisseur Fincher und Drehbuchautor Steven Zaillian hatten kein Interesse, die bisweilen schwer zu ertragende Härte mancher Szenen des Buches, in denen es um Brutalität und Rache geht, abzuschwächen. “Wir verschrieben uns der Aufgabe, dass dies ein Film über Gewalt gegen Frauen sein sollte, über besondere Arten der Erniedrigung, und da darf man auch keine Scheu davor haben“, sagt Fincher. “Gleichzeitig muss man den rasiermesserscharfen Balanceakt hinkriegen, das Publikum einerseits geradezu körperlich das Bedürfnis nach Rache spüren zu lassen, es andererseits aber auch mit der außerordentlichen Kraft der Ideen zu konfrontieren, die wir rüberbringen wollen.“

Wie so viele Menschen hatte Craig ‘Verblendung’ bereits kurz nach seiner Veröffentlichung gelesen, als sich der Roman gerade zum Phänomen zu entwickeln begann. “Jemand drückte mir für den Urlaub eine Kopie in die Hand, und ich hatte sie nach zwei Tagen durchgelesen“, erinnert er sich. “Es ist eines dieser Bücher, das man nicht mehr weglegen kann. Man kann sich des untrüglichen Gefühls nicht erwehren, dass in jedem Moment gleich etwas Schreckliches passieren wird. Ich glaube, das ist einer der Gründe, warum die Bücher so erfolgreich sind.“

Steven Zaillian war höchst beeindruckt, wie mühelos Daniel Craig in die Rolle schlüpfte. “Blomkvist ist ein Typ, der nicht ganz so hart ist, wie er es gerne wäre. Aber er ist ein guter, aufrechter Kerl. Daniel drückte das perfekt aus“, beobachtet er. “Seine Rolle ist mindestens so schwierig wie die Salanders.“

Als mit der Vorbereitung der Produktion begonnen wurde, richtete sich die Energie der Filmemacher darauf, die richtige Lisbeth Salander zu finden. Die Gefahr war, dass jeder, der das Buch gelesen hat, bereits eine klare Vorstellung besitzt, wie sie auszusehen hat.

Am Anfang stand eine erschöpfende Suche nach der richtigen Schauspielerin. Zur zunächst relativ großen Gruppe von Darstellerinnen gehörte von Anfang an Mara, die eine kleine, aber denkwürdige Rolle in Finchers The Social Network (The Social Network, 2010) als Mark Zuckerbergs Freundin Erica Albright gehabt hatte. Fincher unterzog sie einer scheinbar endlosen Reihe von Vorsprechterminen, in denen sie unter Beweis stellen musste, dass sie für die Rolle bereit war. Darin verlangte der Regisseur alle möglichen Dinge von ihr, vom Rezitieren schwedischer Poesie hin zum Posieren vor Motorrädern.

David Fincher sagte dazu: “Sie hatte vom Start weg so vieles von dem, wonach wir suchten, was wir unbedingt brauchten. Sie ist auch im wahren Leben jemand, der sich eher am Rand des Gesellschaft aufhält. Aber was noch wichtiger war: Sie war bereit, all die Arbeit reinzustecken, um diese Figur wirklich zu verstehen. Ich sagte: ,Ich weiß nicht, ob sie es draufhat, aber ich weiß, dass sie alles daran setzen wird, wenn wir in der Lage sind, sie zu inspirieren und zu unterstützen und sie dann loszulassen.‘ Und genau so war es. Sie schnitt sich die Haare ab, lernte, mit dem Motorrad zu fahren, sie reiste auf eigene Faust nach Schweden und tauchte einfach unter. Wenn man jemanden hat, der bereit ist, all das zu tun, dann kann man sich nicht mehr wünschen. Piercings sind Piercings, aber das kann wirklich jeder bringen.“

Fotos: wenn.com, SonyPictures