Dienstag, 20. Dezember 2011, 22:27 Uhr

Udo Lindenberg: "Die 90er waren für mich hauptberuflich Trinkerei"

Berlin. Udo Lindenberg drückt sich am liebsten auf Deutsch aus. Der Sänger verrät im Doppelinterview mit seinem Kollegen Clueso, mit dem er auf seinem Album ‘MTV Unplugged – Live aus dem Hotel Atlantic‘ den Klassiker ‘Cello’ zum Besten gibt, dass er lieber auf Deutsch als auf Englisch singt. “Ich wollte viel ausdrücken, und mein Englisch war dazu nicht gut genug. Mehr so holterdipolter.”

Trotzdem erschien sein Debütalbum noch auf Englisch, was der Musiker wie folgt begründet: “Wahrscheinlich wollte ich damals gleich ein Weltstar werden, ein so leckeres Kerlchen wie ich war. Everybody sings english, ich also auch”, erinnert sich der Panikrocker im Gespräch mit der ‘Berliner Morgenpost’. Seine Idole waren jedoch alle international. “Bis ich mir sagte: Englisch macht jeder, mach ich lieber Deutsch. […] Meine Idole waren David Bowie, großer King, oder Typen wie Miles Davis, dann kamen Led Zeppelin und die Rolling Stones um die Ecke, in der Zeit der Erfinder.”

Auch sein junger Kollege Clueso hat sich ganz bewusst dafür entschieden, auf Deutsch zu singen. “1995, im Hip-Hop, gab es wieder den Kampf zwischen Englisch und Deutsch. Aber auch mein Englisch war zu schlecht. Ich habe es probiert, wollte mich aber nicht lächerlich machen”, gesteht er.

Während er früher mit seiner Musik immer erfolgreicher wurde, gesteht Lindenberg, dass er in den 90er Jahren “Phasen einer Krise” hatte. “Die Neunziger waren für mich hauptberuflich Trinkerei unterm Säufermond”, erinnert er sich. “Ich war allerdings mehr der Erleuchtungstrinker wie viele andere Kollegen früher auch. Wie Beethoven, Mozart und Goethe, immer hoch die Tassen und bisschen gegurgelt. Nicht um sich zuzuziehen, sondern für neue Kicks.” Mit den Jahren habe sich jedoch alles zum Guten gewendet. “Jetzt habe ich wieder eine große Familie, mit Clueso, Jan Delay, Helge Schneider. Wir rufen uns an, sagen Hallöchen und besuchen uns auf der Bühne”, freut sich der Rocker, der seit einigen Jahren wieder so gefragt ist wie nie.

Fotos: Tine Acke