Freitag, 23. Dezember 2011, 12:13 Uhr

Bizarrer Rechtsstreit: Schweizer kämpft um über 42 Millionen Euro

Innsbruck. Da hat man wahrscheinlich das größte Glück seines bisherigen Lebens und dann so was…. Erst jetzt geht Behar Merlaku an die Öffentlichkeit, denn der Schweizer aus Dietikon in der Nähe von Zürich kämpft um 42.949.672 Euro! Der 26-Jährige spielte am 26. März dieses Jahres in einem Spielcasino in Bregenz (Schweiz) an einen Automaten.

Plötzlich zeigte der eine unfassbare hohe Gewinnsumme von 42.949.672 Euro und 86 Cent an. Das alles hat er auch mit seiner Handykamera dokumentiert.

“Meine Frau stand neben mir, wir jubelten”, sagte er laut ‘Financial Times Deutschland’. Doch die Freude war schnell wieder verflogen. Die Spielbank weigerte sich nämlich das Geld auszuzahlen. Die Reaktion der Casino Austria AG:”Sie haben nichts gewonnen….Software-Fehler” und ein Casino-Verbot, weil er sich gegen die Vorgangsweise beschwert hat.

Merlaku hat bis heute den angezeigten Gewinnbetrag nicht erhalten und relativ schnell wurde klar, dass die Casino Austria AG offenbar gar kein Interesse daran hatte, den Vorfall ordnungsgemäß untersuchen zu lassen. Von diesem Zeitpunkt aus, ging wohl einer der kuriosesten, österreichischen Streitfälle des Jahres’ los.

Jetzt zieht der Kosovo-Albaner auch vor Gericht. “Ein Casino-Mitarbeiter hat einen Code in den Automaten eingetippt, die Anzeige gelöscht und ist mit der Chipkarte meines Mandanten verschwunden”, fasst Merlakus Anwalt Thomas Kerle den unmittelbar Verlauf jenes denkwürdigen Augenblickes zusammen. Auch der Direktor der Spielbank hätte sich geäußert und sagte angeblich, dass der Jackpot durch einen angeblichen Fehler ausgelöst worden sei und der Automat außerdem nur ein Auszahlungslimit von 4.500 Euro hätte.

Das lässt sich Behar Merlaku, der sein Geld als Handwerker verdient, aber nicht gefallen und ist wütend über das Verhalten der Spielbank. “Das Casino will mich übers Ohr hauen. Das können sie mit mir nicht machen.” Für Behars Anwälte ist klar, dass durch das Spielen am Automaten ein Vertrag zwischen dem spielenden Gast und den Spielbankenbetreibern, in diesem Fall der Casinos Austria AG, entsteht. Die Betreiber sind also dazu verpflichtet, die Automaten zu kontrollieren und dafür zu sorgen, dass sie ordnungsgemäß funktionieren.

Anwalt Dr. Kerle ist der Meinung, dass hier sowohl der österreichische Staat und die Justiz als auch das Finanzsystem versagt haben. In einer Pressemitteilung hieß es dazu: “In der Schweiz oder auch zahlreichen anderen Rechtsordnungen wäre ein derartiges Vorgehen einer Spielbank beispielsweise undenkbar, in Österreich ist es leider Realität. Im September wurde daher beim Landesgericht Feldkirch eine Klage gegen die Casinos Austria AG eingereicht. Die Casinos Austria AG hat mittlerweile durch ihre Anwälte eine Klagebeantwortung erstattet und darin dem Automaten-Hersteller den Streit verkündet.”

Und auch die Polizei hätte nicht sorgfältig gearbeitet, denn das Gerät wurde nach dem ungheuerlichen nicht sicher gestellt, genauso wenig die Bilder der Überwachungskameras. Dagegen wehrt sich nun wieder die AG und sagt: “Der Automat ist bei uns verwahrt und wird dem Gericht zur Verfügung stehen.”

Die erste Gerichtsverhandlung wurde vom Landesgericht Feldkirch für den 10. Januar 2012 anberaumt und dann beginnt für Behar Merlaku ein harter Kampf um sein Geld und vor allem um sein Recht. “Ich will Gerechtigkeit”, erklärte er.

In ähnlichen Fällen jatten die Zocker Glück: Spieler in Südafrika auf einem ähnlichen Gerät umgerechnet 43 Millionen Euro gewonnen hätte. “Die Summe wurde ausgezahlt.” Und in Las Vegas gab es einen ähnlichen Fall, bei dem ein Spieler sogar 163 Millionen erhielt.

Man darf gespannt sein, was aus dem spannenden, aber doch recht kuriosen Fall noch wird. Das einzige was ihm geblieben ist, ist die Aufnahme der Gewinn-Szene auf seinem Handy. Das ist vielleicht der einzige Beweis, der noch existiert….

Foto: Mariusz Blach – Fotolia.com