Freitag, 06. Januar 2012, 11:38 Uhr

Bettina Schausten nimmt kein Übernachtungsgeld von Freunden

Berlin. Der heimliche Star des Interviews mit Christian Wulff am Mittwochabend war natürlich nicht der Bundespräsident selbst, sondern die bezaubernde Leiterin des ZDF-Haupstadtstudios, Bettina Schausten

Sie und ihr Co-Moderator Ulrich Deppendorf, Chef des ARD-Hauptstadtstudios, waren irgendwie versucht, dem Bundespräsidenten die Meinung aufzudrängen, als Staatsoberhaupt bitteschön nicht kostenlos bei Freunden zu übernachten. Hintergrund der Passage waren Wullfs Ferienübernachtungen bei Freunden.

Schausten gestand in dem Interview ein, dass die 46-Jährige Freunden für die Übernachtung schon mal 150 Euro zahle. Die Passage im Wortlaut: Wulff: “Da erhebe ich auch keine Rechnung, wenn mich die Freunde hier in Berlin besuchen.”

Bettina Schausten erwiderte daraufhin: “Hm, aber da hätten Sie natürlich auch sagen können: ‘Ich geb euch mal pro Nacht 150 Euro!’. Was spricht dagegen eigentlich?”
Wulff: “Machen Sie das bei Ihren Freunden so?” Schausten: “Ja!”
Wulff: “Dann unterscheidet Sie das von mir im Umgang mit Freunden.” Eindeutiger Punktsieg für den Präsidenten.

Was folgte war Häme, Hohn und Spott – für Schausten. Der Clip ist der Hit bei Youtube. Der Brüller sind Facebook-Gruppen wie ‘Übernachte bei Bettina Schausten’ oder ‘Fr. Schausten muss ihre bezahlten Übernachtungen bei Freunden offenlegen’ und ‘400 Fragen an Frau Schausten’.

Unterdessen entdeckten hämische Zeitgenossen im Internet einen Gasthof Schausten im Sauerland. Dort koste eine Übernachtung im “Fremdenzimmer” schließlich nur 26 Euro.

Nun fühlte sich Schausten, die seit Donnerstag plötzlich selber zum gefragten Interviewpartner avancierte, gezwungen, selber Stellung zu nehmen.

Im Interview mit der FAZ erklärte Schausten: “Der Präsident versuchte, das Thema durch seine Gegenfrage auf eine rein privat-menschliche Ebene zu verschieben, nach dem Motto ‘Freunde besuchen Freunde’. Mir hingegen ging es darum, deutlich zu machen, dass man bei Urlaubsaufenthalten selbstverständlich auch bei Freunden einen finanziellen Beitrag leisten kann, was ich in der Vergangenheit in der Tat auch selbst schon getan habe.”

Gegenüber dpa erklärte sie: “Nein, ich nehme kein Übernachtungsgeld von Freunden, die auf meiner Gästematratze übernachten. Darum ging es in dem Interview mit Wulff aber auch nicht.”

Darum geht es jetzt aber. Soviel Spaß muß schon sein.

Heftige Kritik hagelt es unter Medienleuten allerdings auch am Vorgehen der Bild-Zeitung, die die Sache mit Wulff bis zum Erbrechen aufbläst.

Hans Leyendecker (62), Journalist der ‘Süddeutschen Zeitung’ und einer der profiliertesten investigativen Journalisten Deutschlands, erklärte im ‘ARD-Morgenmagazin’: “Das ist eine riesige Inszenierung, die wir hier erleben. Die ‘Bild’ nutzt diese Geschichte auch sehr geschickt, um sich als seriöses Medium zu inszenieren.”

‘Bild’-Chefredakteur Kai Diekmann erklärte in seinem Blatt: “Wer den Fall und die Probleme des Bundespräsidenten jetzt zu einem ‘Machtkampf’ zwischen dem ersten Mann im Staat und der größten Zeitung im Land aufpumpt, der geht wahrhaft völlig in die Irre.”

Fotos: ZDF/ Alexander Babic, WDR/ Jesco Denzel/pool