Samstag, 07. Januar 2012, 12:39 Uhr

DSDS-Juror Dieter Bohlen: "Ich bin 0815 und stehe auch dazu"

Köln. Heute Abend startet um 20.15 Uhr “Deutschland sucht den Superstar” in die neunte und wohl vorletzte Runde mit neuen Talenten, wieder mal einer neuen Jury (mit Bruce Darnell und Natalie Horler) und dem traditionellen Recall auf der paradiesischen Insel Sun Island im Ari Atoll auf den Malediven.

Im Interview sprach Dieter Bohlen über die anstehende Staffel, sein Ego und die Rückkehr von Menderes Bagci!

Wie gefällt dir die neue Jury?
Dieter Bohlen: Die neue Jury ist sehr gut. Damit werden wir ein neues Kapitel bei DSDS aufschlagen, weil es unterhaltsamer wird als jemals zuvor. Bruce und ich haben schon beim Supertalent super zusammengearbeitet und das wird sich jetzt bei DSDS fortsetzen. Ich denke, dass Bruce eine Bereicherung für DSDS ist. Wir haben wirklich Tränen gelacht. Wir mussten manche Drehs abbrechen, weil wir vor Lachen nicht mehr konnten. Dann haben wir mit Natalie jemand dazu bekommen, die weiß was im Musikbusiness abgeht. Ich glaube, das ist mit Abstand die beste und unterhaltsamste Jury die wir je hatten.

Und wie sind die Kandidaten dieses Jahr?
Wir haben tolle Stimmen, sehr lustige Charakter dabei und vor allem sehr unterschiedliche Persönlichkeiten

Was muss der Superstar 2012 mitbringen?
Er muss auf jeden Fall was Besonders haben. Man sieht das ja heute immer mehr. Wer ist der erfolgreichste Star der Welt momentan? Lady Gaga. Warum? Weil sie interessant ist, weil sie anders ist als alle anderen, ausgefallen, außergewöhnlich. Du musst momentan eine außergewöhnliche Ausstrahlung haben, interessant sein. Das gilt auch für die Stimme. Es reicht nicht, dass jemand gut singt, er muss auch eine ausgefallene Stimme mit hohem Wiedererkennungswert haben – alles gedeckelt von einer starken Persönlichkeit. Für weichgespülte Warmlutscher ist momentan nicht so die Zeit.

Wird auch Menderes in dieser Staffel wieder dabei sein?
Ja. Den habe ich jetzt in mein Herz geschlossen, weil er der einzige ist, der mit mir bei DSDS angefangen hat und es höchstwahrscheinlich mit mir zu Ende macht.

Deine Sprüche werden von vielen geliebt und sind für viele Stein des Anstoßes – was sagst du dazu?
Das sind keine Sprüche, ich sage nur die Wahrheit, dass was ich denke und fühle. Ich kann nur aus meiner Erfahrung sprechen. Ich bin Texter, Produzent, ich bin seit 30 Jahren sehr erfolgreich im Geschäft, es gibt niemand der mehr Singles, Alben in den Charts hatte. Ich weiß, wie das ist in der Branche und ich will den Leuten keinen Scheiß vormachen, das Musikgeschäft ist knallhart. Ok da gibt’s Leute mit Krawatte, die total nett sind. Doch was nützt mir ein netter Mensch, der mich von vorne bis hinten bescheißt. Was nützen mir Juroren die mir vormachen, dass alle nur nette liebe Leute sind, die nur was nettes sagen. Ich kann nur sagen, ich saß jahrelang bei der Plattenfirma Warner Chappel als Angestellter und da sind die nicht nett, wenn sich dort jemand vorstellt. Wenn jemand die Wahrheit nicht verträgt, dann ist DSDS das falsche Format, dann soll er in andere Castingshows gehen. DSDS ist eher wie ein Abbild der Musikbranche. Es ist so hart wie bei mir, als ich meine Anfänge in der Musikbranche hatte. Doch ich wurde verarscht und betrogen. Wir betrügen niemand, wir verarschen niemand – aber wir sind tough. Ich bin tough. Bruce ist nett.

Manche Kandidaten schlagen ja zurück und beleidigen die Jury, was sagst du dazu?
Das ist ihr gutes Recht. Sie haben ihren Traum und wir sind die Traumkiller. Die sind traurig und wenn sie sich dadurch abreagieren, dass sie uns beleidigen ist das okay. Das kann ich ab.

Neuerdings bekommt der Sieger 500.000 Euro. Wie weit kommt man als Superstar damit im Musikbusiness?
Denjenigen möchte ich mal sehen im Musikbusiness, der 500.000 Euro verdient. Und überhaupt, dafür müssen manche Menschen ihr Leben lang arbeiten. Und das bekommt man ja nicht geschenkt – das muss man sich erarbeiten in drei Monaten. Und verantwortlich dafür ist der Zuschauer, der seinen Superstar wählt. Wenn man schon ein Preisgeld von 500 000 bekommt, daraus kann man auch viele Millionen machen. Oft gibt es ja die Kritk, dass DSDS Karrieren nicht so langlebig sind. Doch wenn ich mir andere Formate angucke, selbst American Idol, wo der Gewinner der letzten Staffel nur 1 Woche auf Platz 11 war oder die ganzen anderen Formate, dann hat DSDS schon einige Karrieren hervorgebracht. Wir sind Trittbretthelfer am Anfang einer Karriere. Was derjenige langfristig daraus macht, ist sein Ding. Wir sind keine Kindergärtner, die die Kandidaten bis zu ihrer Einsargung begleiten. Die müssen auch an sich arbeiten und sich weiterentwickeln, wenn sie das nicht tun, fallen sie auf die Fresse. Wenn die sich die 500.000 Euro einstecken und glauben, sie brauchen nichts mehr zu machen, dann ist das ihr Problem. Wir sind dafür da, Talente zu suchen und zu finden.

Dieter Bohlen trifft immer die Meinung der breiten Masse – wie schafft er das?
Ich glaube nicht, dass ich das immer schaffe, weil ich kritischer bin als die meisten Leute. In unserem Beruf als Musiker ist die Ablehnung eigentlich das normale. Das jemand sagt – deine Stimme ist toll – ist die absolute Ausnahme! Vielleicht kommt das manchmal am Schirm krass rüber, dass ich hart bin, aber das Showgeschäft ist hart. Warum es sich manchmal doch deckt liegt daran, dass ich ja nicht isoliert lebe und mit Menschen zu tun habe. Ich mach ja nicht umsonst in Cala Ratjada Urlaub – das ist ja nicht beschaulich dort – da sind viele normale Menschen. Ich gehe an den Strand zwischen all den Leuten und höre was sie denken, was sie sagen. Ich bin auch wie jeder. Ich bin 0815 und stehe dazu und bin völlig normal und das ist das Geheimnis meines Erfolges.

Macht dir DSDS immer noch Spaß, wie lange machst du das noch?
Auf jeden Fall macht mir das noch Spaß und ich mache weiter solange das der Fall ist und ich die Hoffnung habe, da kommt die nächste Lady Gaga oder der nächste Robbie Williams durch die Tür.

Interview: RTL, Fotos: RTL/Stefan Gregorowius

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