Montag, 23. Januar 2012, 13:33 Uhr

DSDS war nie zuvor so belanglos: Bohlen laufen die Zuschauer weg

Köln. “Deutschland sucht den Superstar” befindet sich im steten Sinkflug. Die Quote der einst so beliebten Castingshow sinkt immer weiter. Die fünfte Castingausgabe des RTL-Senders holte die schwächsten Quoten seit langem.

Am Samstagabend schalteten nur noch 5,10 Millionen Zuschauer ein. 740.000 weniger als noch eine Woche zuvor. Gegen die Show setzte sich sogar der Krimi “Ein starkes Team” im Altherren-Programm des ZDF mit 6,61 Millionen Zuschauern durch. Wann gab es das je zuvor?

Und selbst der zu Biederkeit tendierende Kai Pflaume hängte am Samstag in der ARD den selbstgefälligen Bohlen ab. Eine Sensation ohnegleichen!

Der Branchendienst ‘kress’ bilanziert: “Weniger jüngere Fans gab’s in der Castingphase seit der ersten Staffel nicht mehr“.

Aber ist das wirklich verwunderlich? Man hat zunehmend das Gefühl, das DSDS-Format ist eine reine Zirkusshow ohne jegliche Ernsthaftigkeit und vor allem ohne das Ziel, wirklich gute Talente zu finden und zu fördern. In dem Paket ist nicht mehr das drin, was auf der Verpackung steht: Deutschland sucht den Superstar!.

Die Castings wirken teilweise inszeniert, die Kandidaten stellen sich übertrieben blöd an und nun fängt auch noch die Jury mit Dieter Bohlen, Natalie Horler und Bruce Darnell an, gescriptetes Affentheater zu veranstalten. Warum eigentlich?

In all den Vorjahren fand man diese talentfreien, durchgeknallten Sänger noch witzig und auch die Fremdschäm-Statisten, mit der die Sendung aufgepeppt wurden, machte noch Spaß.

Aber in diesem Jahr stellt man sich eher die Frage: Wenn sich angeblich 35.401 Kandidaten beim “größten Gesangscasting aller Zeiten in 35 Städten in ganz Deutschland, der Schweiz und Österreich” beworben haben, haben sich dann eigentlich fast 35.000 Idioten beworben? Für wie dämlich hält man uns Zuschauer eigentlich?

Die aktuelle Staffel demonstriert deutlich wie nie zuvor den krassen Mangel an Talenten, und sind sie auch noch so schusselig und dusselig. Wenn diese Staffel das Spiegelbild des “größten Gesangscastings aller Zeiten” dann gute Nacht Deutschland. Auch der Umstand, dass man die Talentsuche seit der letzten Staffel auf Österreich und die Schweiz ausgedehnt hat, belegt die Talente-Misere. Irgendwann ist halt auch mal Schluß.

Neben den unzähligen, sinnlosen und ganz sicher absichtlich inszenierten Streitereien und Beschimpfungen zwischen Bewerbern und Jury tauchen auch immer mehr altbekannte, aber belanglose Gesichter aus anderen Shows, wie das ‘Supertalent’, auf. Menderes und Cosimo, die jedes Jahr aufs Neue ihre Präsenz unter Beweis stellen müssen, sollten jahrelang als Runnig Gag funktionieren, haben sich aber totgelaufen.

Auch den zusammengeschnittenen Castingszenen ist nur noch schwer zu folgen. Da werden ständig Bewegungen und nervige Töne wiederholt, die Juroren müssen Grimassen machen von denen man sieht, dass sie nachträglich aufgenommen wurden. Zudem werden völlig in die Länge gezogene, belanglose Gespräche der Juroren mit den Kandidaten gezeigt.

Die Sendung verkommt zur Comedyshow, bei der mutige Bewerber verschaukelt und talentlose Deppen vorgeführt werden, die auch nicht mal mehr originell sind. Tolle Stimmen spielen offenbar auch keine herausragenden Rollen mehr.

Die Jury versucht die Show nunmehr mit immer lahmeren und unlustigen Sprüchen in Gang zu halten, aber so richtig viel Spaß hat man an den gemeinen Witzen schon lange nicht mehr. Hier schwächeln nicht nur die Kandidaten, sondern die Redaktion gleich mit. Auch RTL kann aus Scheiße nicht fortwährend Gold machen. Denn wo nichts ist, kann man auch nichts holen.

Nachdem vor kurzem bekannt wurde, dass mittlerweile auch der Erfolg des letzten DSDS-Gewinners Pietro Lombardi zu wünschen übrig lässt, wird für viele Zuschauer immer deutlicher, dass sich kaum ein Gewinner länger erfolgreich über Wasser hält. Schließlich hat der doch immer einen Riesenstempel auf der Stirn, Sieger einer Trashshow zu sein.

Insgesamt wirkt die einst so beispielgebende Castingshow “Deutschland sucht den Superstar” vollends vorhersehbar und völlig aufgesetzt. Es spielt keine Rolle mhr, ob man eine Sendung verpaßt hat oder nicht. Man darf berechtigte Zweifel haben, dass die Zuschauer in diesem Jahr noch mit künstlerischen Leistungen der Extraklasse überrascht werden.

Auch wenn RTL sich gern auf die immer noch überdurchschnittlich hohen Quoten im Vergleich mit anderen Castingshows berufen wird und als Argument gern die “5 Minuten Ruhm” für jeden der ausgestrahlten Kandidaten herbeizitiert werden: Mit dieser schwachen Staffel ist das Ende von DSDS definitiv eingeläutet.

Fotos: RTL/Stefan Gegorowius

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