Mittwoch, 01. Februar 2012, 20:35 Uhr

Der schüchterne Julian auf dem Weg zum deutschen Bruce Lee?

Köln. Meditation, Training und Disziplin – die üblichen Interessen eines jungen Mannes sehen meistens anders aus. Julian Jacobi verfolgte dagegen schon früh und mit viel Ehrgeiz die Erfüllung seines großen Traums: Shaolin-Mönch werden und das Leben dem Kung Fu widmen. Fünf Jahre lang begleitete Spiegel TV den heute 23-Jährigen aus Solingen bei seinem “Ausstieg aus der Zivilsation”.

Mehrere Dokumentation waren über die bewegende Geschichte des Jungen bereits zu sehen und begeisterten die deutschen Zuschauer.

Die zweistündige Samstags-Dokumentation “Der deutsche Bruce Lee – Julians Weg zum Shaolin-Mönch” (am Samstagabend um 22:05 Uhr bei VOX) zeigt die wirklich spannendsten Momente auf Julians steinigem Weg: Vom Beginn seiner Ausbildung bis hin zur größten Herausforderung seines Lebens – der Suche nach einem neuen Meister in China.

Bereits im Alter von neun Jahren entdeckte der Solinger Julian Jacobi seine Begeisterung für Kampfsport. Mit 16 Jahren entschließt er sich zu einer Ausbildung in einem Shaolin-Kloster in Kaiserslautern. Hier übersteht kaum jemand die erste Probewoche, doch Julian setzt sich gegen die harte Konkurrenz durch. Über Jahre wird Julian, der mittlerweile Shi Xiao Feng genannt wird, in klassischem Kraft- und Ausdauertraining, Boxen, Treten und Springen trainiert.

Doch auch die geistige Lehre des Shaolin Kung Fu kommt nicht zu kurz: “Der Zusammenhang von Geist und Körper ist sehr wichtig. Wenn man nur kämpfen könnte, wäre man einfach nur ein Schläger. Das Kung Fu soll den Geist mitentwickeln. Genau das ist es, was ich mein Leben lang machen möchte”, ist sich Julian sicher. Doch der Weg zum Shaolin-Mönch ist alles andere als leicht. Uneingeschränkte Disziplin und Entsagung zählen zu den täglichen Herausforderungen für Julian – immer wieder stößt er dabei an seine physischen und psychischen Grenzen.

Doch der ehemals schüchterne Jugendliche beißt sich durch, erlangt die offizielle Ordination zum Novizen und gewinnt Tag für Tag an körperlicher und mentaler Stärke. Er ist nun in der Lage, Holzstäbe auf seinem Bauch oder Bein zertrümmern zu lassen und – wie nur wenige seiner chinesischen Vorbilder – eine Nadel durch eine Glasscheibe zu werfen. Kung-Fu-Meister Shi Heng Cheng ist stolz auf Julians Leistung – dennoch muss sein Zögling immer besser werden: “Um das Mögliche zu erreichen, muss das Unmögliche verlangt werden.”

Im Frühjahr 2010 entschließt sich Julian, den Tempel in Kaiserslautern zu verlassen. Obwohl er viel lernen konnte, fühlt er sich von den strengen Kloster-Regeln, wie zum Beispiel dem Zölibat, zu stark eingeengt. Auf eigene Faust will er nun nach China, dem Heimatland des Shaolin Kung Fu, um in Dengfeng, der berühmten “Kung Fu City”, weiter an seinem Traum zu arbeiten. Doch die kommerzialisierte Kung-Fu-Industrie hat wenig mit dem zu tun, was sich Julian vorgestellt hat.

Die Suche nach einem geeigneten Meister, der Julian auch mental ausbilden soll, gestaltet sich schwierig, der Besuch des Shaolin-Tempels wird zur Enttäuschung und dann beginnt auch noch Julians Körper zu streiken. “Jedes Training ist ein Kampf gegen sich selbst. Gegen den eigenen Körper. Manchmal ist der eigene Körper der größte Feind”, muss das Kung-Fu-Talent feststellen. Die Zeit in China wird für Julian zu einer Grenzerfahrung. Wird Julian nach einem harten Jahr im Reich der Mitte und vielen Herausforderungen seinem großen Traum ein Stück näher kommen? Unbedingt ansehen!

Fotos: VOX/Spiegel TV