Sonntag, 12. Februar 2012, 13:10 Uhr

"Iron Sky": Die mit Spannung erwartete Naziparodie enttäuscht

Berlin. Die Nazi-Sci-Fi-Komödie ‘Iron Sky’ hat schon im Vorfeld u.a. auf Youtube und anderswo gute Werbearbeit geleistet und für einen immensen Hype und grenzenlose Erwartungen gesorgt. Ist ja auch richtig so, wenn etwas wie gewünscht funktionieren soll.

Funktionierte am Ende aber nicht. Was viele im voraus sehen, kann von vielen mit Vorschusslorbeeren überschüttet werden. Von mir aus. Und wen überkommt bei in diversen vorab lancierten Trailern nicht manchmal die Befürchtung: “Waren das schon die besten Ausschnitte?”

Mit ‘Iron Sky’ soll die Geschichte auf ironische Weise neu geschrieben werden: Ein übrig gebliebener Haufen von Restnazis verdrückt sich 1945 mittels Raumschiffen von einer Geheim-Basis in der Antarktis Richtung Mond. Dort, auf der Rückseite des Mondes gelandet, erschaffen sie eine Militärbasis, das Hauptquartier “Schwarze Sonne” und verlieren den Endsieg nicht aus dem Blick.

2018 ist es dann so weit – Die Amis landen in Gestalt eines schwarzen Männermodells auf dem Mond, werden entdeckt und mit ihm die Technologie eines Smartphones. Diese kann nun endlich genutzt werden, um die Megawaffe Götterdämmerung anzuschmeißen. Die Invasion kann beginnen und unzählige Reichsflugscheiben und Weltallzeppeline werden in Stellung gebracht.

Bis hierhin klingt das alles aufregend und spannend und bietet eigentlich einen tollen Stoff für einen tollen Film. Die Nazis auf dem Mond, und welch dunkelsinnige Gedanken auf der dunklen Seite des Mondes wieder zusammengesponnen werden, das hat doch Potenzial!

Aber leider wird es in der finnisch-deutschen Retro-Sci-Fi-Komödie des finnischen Regisseurs Timo Vuorensola verschenkt. Udo Kier mimt den neuen “Altershitler” namens Kotzfleisch, Otto Götz sehen wir als Großnazi Klaus Adler, Julia Dietze als Lehrerin und Tilo Prückner als einzigen Wissenschaftler und Experten eines gigantischen Unternehmens. Hmmh.

Die Schauspieler schmecken alle wunderbar im Auge und versuchen ihr Bestes. Manchmal reicht das, um die Fadheit eines Stoffes aufzufangen. Manchmal.

Hin und wieder ist ein tatsächlich gelungener Lacher drin, hin und wieder auch eine gute Allegorie. Ständig wechselt die Geschichte aber zwischen Posse, Klamotte, Satire, Comedy und Science Fiction. Von allem ist es immer zu wenig, um die zwischenzeitig aufkommende Langeweile zu vertreiben. Man fragt sich immer wieder, wo die Figur bleibt, die dem Ganzen jetzt noch einen Kick in die richtige Richtung verpasst. Man wartet auf einen Yoda mit seinem Laserschwert, oder Helge Schneider mit Fußhupe, oder von mir aus auch einen Bully Herbig in Bestform.

Eine Szene zeigt uns ein paar Wehrmachtssoldaten beim Betrachten eines Hochglanz-Männermagazins mit aufklappbarem Mittelteil. Sie fragen sich, wo denn die ganze Behaarung geblieben sei, und das sie, wenn sie überhaupt vorhanden ist, so aussieht wie Hitlers Bärtchen. Hitler aber ist längst tot und so bleibt nur ein gedachtes “Heil Schamhaar Dir.”

Die Aufnahmen der Raumschiffe und des Mondszenarios sind grandios und George Lucas lässt grüßen. Die Mondbasis, die Flugscheiben, die Zeppeline – alles wirkt wunderbar trashig und stimmig. Dafür gibts vier von fünf Sternen.

Fazit: der Film unterrascht! Es ist aber dennoch kein rausgeschmissenes Geld, denn “Spaß” macht er irgendwie schon und wenn man sich nur von den Special Effects begeistern lassen möchte. Zum Kultstatus reicht es aber nicht und wenn, dann nur für die ganz deutschen Deppen.

Ihr Paul Hille