Sonntag, 12. Februar 2012, 18:05 Uhr

Shah Rukh Khan verzaubert Berlin - aber nicht mit seinem neuen Film

Berlin. Shah Rukh Khan, Bollywoods größter Filmstar, ist anläßlich der Berlinale zur Premiere seines Achtion-Film ‘Don – The King is Back’ in Berlin eingetroffen. Von hunderten Fans wurde der 46-Jährige gestern Nacht auf dem roten Teppich des Friedrichstadt-Palastes gefeiert und gab dort knapp eine Stunde lang bei Eiseskälte Autogramme.

Sein neuer Film, der zum Teil auch in Berlin gedreht wurde, wurde außerhalb des Wettbewerbes gezeigt. Zu mehr hätte es auch nicht gereicht.

Lange nach Mitternacht wurde Khan dann im sogenannten Pop-Up-Restaurant ‘Pret a Diner’. gesichtet, wo extra für eine Party eine Etage gesperrt worden war.

Unser Filmkritiker Paul Hille hat den Film gesehen.

Der romantische Held kommerzieller Hindi-Filme hat also wieder zugeschlagen, und zwar mitten auf die Zwölf.
Shah Rukh Khan gibt diesmal seinen Einstand als Bösewicht. Das zumindest soll man glauben.

Temporeich und actiongeladen beginnt der Film und die Figur des Don, gespielt von Shah Rukh Khan eben. Er will uns eigentlich gar nicht mehr so schmierig erscheinen, wie wir es sonst aus seinen Tralala-Filmen gewohnt sind. Unrasiert und mit rastaähnlicher Mähne kommt er ganz tough daher, wirkt irgendwie schon cool, aber es wirkt alles zu sehr gestylt. Man wartet in jeder Minute darauf, dass der Film anhält und aus der gegenwärtigen Szene ein Werbespot wird.

Hier eins in die Fresse und da ein Tritt in den Hintern verteilend will der Film uns einen guten Thriller versprechen, was er aber nicht halten kann. Leider!

Wo Don gerade noch mit viel Prügelei und einiger List aus dem Knast ausbricht, da beginnt er in der nächsten Szene auch schon nach althergebrachter Bollywoodmanier zu tanzen und zu singen. Was für eine Grütze!

Zwar handelt es sich hier nur eine einzige Szene, aber es ist genau diese eine zu viel. Wenn das auf dem indischen Markt funktioniert – bitte, und, der Erfolg sei ihm auch gegönnt.

Der Film kommt ziemlich geleckt daher, wirkt völlig durchdesignt, wie aus einem Hochglanzkatalog. Keine Ecken, abgesehen von den kleinen Stolperern, machen den Streifen auch nur annähernd charmant. Fans des Bollywood Kitsches werden dies sicher anders sehen, auch gut.

Schade aber trotzdem, denn der Streifen hätte international sein Ding machen können, wenn… ja, wenn der liebe Shah Rukh Khan mal das Singen und Tanzen gelassen hätte und man nicht bei jedem Take das Gefühl hat, als hätte er immer wieder die eine Frage gestellt: “sehe ich so auch gut aus?” Aber nein, das Hüpfen und Trällern musste wohl wieder sein und als wäre dies an schlechten Zugaben nicht genug, wird auch noch eine eingeflochtene Liebesgeschichte bemüht, die dermaßen gestelzt und unglaubhaft einfach nur auf den Nerv geht und am Ende Fremdschämen auslöst.

Schade, schade, schade. Solch einen selbstverliebten Protagonisten hat man schon lange nicht mehr gesehen. Als Untertitel hätte während der ganzen Vorstellung auch im Bild stehen können: „ich finde mich schön, toll und cool und das ist auch gut so.“ Bei dieser Story hat man das Gefühl, der Film wurde nur für Khan gedreht, aber niemals für einen Zuschauer.

Auf alle gängigen Erfolgsrezepte wurde peinlich genau geachtet, so sehr, dass auf langer Strecke keine Charaktere zu finden sind, stattdessen aber ein liebestriefender Wasweißich-Verbrecher.

Und hier noch die Krönung: das Ganze dauert zwei Stunden und zwanzig Minuten und im Abspann fängt dieses weichgespülte möchtegern Ganövchen noch einmal an sinnbetäubend zu tanzen… Ihr Paul Hille

Foto: wenn.com, Rapid Eye