Dienstag, 14. Februar 2012, 20:40 Uhr

"Die Eiserne Lady": Meryl Streep verzaubert die Berlinale

Berlin. Niemand wurde so oft für einen Oscar nominiert wie sie: Meryl Streep bekam bisher 17 Nominierungen. Die Welt liebt sie und heute war es ihr Tag in Berlin! Die 62-Jährige wird zur Stunde mit dem Ehrenpreis der Berlinale für ihr Lebenswerk geehrt und außerhalb des Wettbewerbs läuft ihr aktueller Film ‘Die Eiserne Lady’ heute Abend bei einer Gala-Vorstellung.

Bei der Pressekonferenz heute Nachmittag mit Filmkollegen Jim Broadbent und Regisseurin Phylida Lloyd gestand Streep: “Ich mag schwierige Frauen”. Womöglich auch das ein Grund, warum sie nach jedem Drehtag als Iron Lady Margret Thatcher einen Gin Tonic runterkippte?

Der Film startet am 1. März in den deutschen Kinos. Paul Hille hat den Film schon gesehen.

‘Die Eiserne Lady’, wie Margret Thatcher von Radio Moskau zuerst getauft wurde, wird von Streep so feingliedrig seziert gezeigt, dass es nach Standing Ovations verlangt.

Die Grande Dame westlicher Politik, Premierministerin von 1979 bis 1990 und von 1975 bis 1990 Vorsitzende der Conservative Party machte stets von sich reden und dies nicht unbedingt in der Liga der beliebten Politiker.

Als die Eiserne Lady legte sie sich nicht nur mit den Gewerkschaften an, sondern verscherzte sie es sich beim „Volk“ auch durch die Besteuerung aller Bürger, egal ob reich oder mittellos. Sie löste mehr als Unruhen aus, provozierte mit ihrer Politik der starken Auseinandersetzungen bis hin zur Krise.

Dass man Thatchers damaligen harten Kurs gern kritisierte, sie als herzlos betrachtete, wird heute gerade in Deutschland genausogern vergessen, da unsere Schiffe schon längst denselben Kurs eingeschlagen haben. Nur der Tüchtige zählt! Somit ist dieser Film nicht nur ein Porträt sondern eben auch ein Spiegel.

Diesen kleinen Diskurs vorweggenommen behaupte ich aber auch, dass er nicht unbedingt nötig ist, um diesen Film zu verstehen. Im Grunde gibt es nichts zu verstehen. Kennt man aber die Eckpunkte ihres Wirkens, so wird Thatcher trotz der herausstechenden Leistung Maryl Streeps keine sympathischere Frau, denn eher eine ganz normale Frau, innerhalb ihrer selbst auferlegten und streng gelebten Prinzipien.

Eingangs des Filmes sehen wir eine alte Frau, etwas altersschwach schon, im Supermarkt, die Preise, und vor allem die der Milch prüfend. Man ahnt bereits, dass es sich um Margaret Thatcher handelt und erst beim zweiten, dritten Blick entdeckt man Maryl Streep in ihrer grandiosen Rolle. Wir sehen das Leben einer Politikerin, und auch das Leben einer Frau. Der Film unterscheidet und verbindet beides, pendelt zwischen politischer Geschichte und privaten Erinnerungen, zwischen der nun einsamen Alten und auch der an Alzheimer erkrankten, halluzinierenden Frau. Dagegen laufen schon manche Briten Sturm.

Hier macht es sich bezahlt, einen Weltstar und eine ganz Große ihres Faches besetzt zu haben. Den gleichen Effekt erzielte auch vor kurzem erst Leonardo DiCaprio in J. Edgar.

Ganz klar wird hier, wie sehr die Lebendigkeit der gezeigten Figur von der Intensität und dem Können des gewählten Schauspielers abhängt.

Figuren, über die sich nur eine bestimmte Gruppe von Interessenten einen Dokumentarfilm ansehen würden, bekommen durch diese beachtliche Besetzung und der erzählerischen Wahl des Spielfilmes eine andere Aufmerksamkeit, eine breitere. Wer sich nicht für Politiker interessiert und trotzdem in diesen Film geht, wird in zweifacher Form belohnt: mit einer unglaublich überzeugenden Maryl Streep und mit neuem Wissen. Wissen über eine große Politikerin, die schon fast in Vergessenheit geraten ist. Hierzulande jedenfalls.
Und da wäre noch eine ziemlich große Lanze zu brechen, eine für die faszinierende Leistung der Maskenbildner vorweg und im Anhang für die Ausstattung.

So wie die technischen Mittel immere feiner getunt werden, so verfeinern offensichtlich die Menschen im Hintergrund dieser Filme ihr Können unfassbar. Einen Extraapplaus für all jene, und insbesondere in diesem Film, welche die künstlerische Illusion möglich machen, uns entführen in einen andere Zeit, an andere Orte, in andere Menschen.

Vergessen wir auch mal dies nicht: ein Star ist nur durch das Umfeld, dass ihn leben lässt, möglich.
Dieser Film ist ein kinoeskes Vergnügen und auch eine Huldigung an alle Filmschaffenden. Ihr Paul Hille

Fotos: Concorde