Dienstag, 14. Februar 2012, 13:13 Uhr

Meryl Streep: "Frauen meines Alters haben einen größeren Lebenshunger“

München. Heute wird Hollywoodstar Meryl Streep in Berlin erwartet. Erst am Sonntagabend war sie in London als beste Schauspielerin mit einem BAFTA-Award geehrt worden. Die 62-Jährige ist für ihre Margaret-Thatcher-Darstellung in „Die Eiserne Lady“ für den Oscar nominiert – auf der Berlinale wird ihr nunmehr der Goldene Ehrenbär für ihr Lebenswerk überreicht.

Auszeichnungen bedeuten der hoch dekorierten Schauspielerin jedoch wenig: „Ich denke nie an die Preise, die ein Film, in dem ich dabei war, gewonnen hat oder wie viel Geld er einspielte. Mein Blickwinkel auf meine Karriere ist rein persönlich“, so Streep im Interview mit VOGUE. Auch ein Resümee ihrer Laufbahn möchte sie nicht ziehen: „Ich schaue immer nach vorn und denke an mein nächstes Projekt.“

„Die Eiserne Lady“ (Kinostart: 1. März) ist auch ein Film über das Altern – ein Thema, mit dem sich die 62-Jährige selbst immer häufiger auseinandersetzt: „Ich gebe zu, ich bedaure, dass die Zeit verstreicht, und ich bin nicht glücklich, wenn meine Knie nicht mehr mitspielen oder ich schneller müde werde als früher. Gleichzeitig weiß ich, dass ich enorme Energiereserven besitze“, so Streep und ergänzt: „Was übrigens für viele Frauen meines Alters gilt. Wir verstehen mehr, wir lieben mehr, unser Lebenshunger ist größer, und deshalb haben wir auch mehr zu geben. Denn wir wissen, dass unsere Zeit begrenzt ist. In jungen Jahren hältst du dich für unsterblich.“

Mit ihrer sehr menschlichen Darstellung von Margaret Thatcher in ihrem neuen Film weckt Meryl Streep gleichermaßen Begeisterung wie Protest. Ihre persönliche Haltung zu der umstrittenen Politikerin ist jedoch distanziert: „Ich stand ihr während ihrer Regierungszeit eher kritisch gegenüber – wie meine Freunde. Wir verhielten uns so, wie sich alle Menschen gegenüber Personen in öffentlicher Funktion verhalten. Wir reduzierten sie darauf: Mag ich sie, oder mag ich sie nicht? Ist sie gut oder schlecht?“

Für ihre Rollenwahl seien solche Gefühle aber irrelevant: „Wenn du eine Person darstellst, dann ist es gleichgültig, ob du sie magst oder nicht. Dieses Urteil obliegt dem Publikum. Meine ganzen Vorurteile, die ich gegenüber Margaret Thatcher in meinen jüngeren Jahren hatte, beeinflussen nicht meine Herangehensweise an diese Figur. Ich will nur so nah an die Wahrheit herankommen wie möglich.“

Foto: wenn.com, Concorde