Mittwoch, 15. Februar 2012, 18:05 Uhr

Spielbergs "Gefährten": Das Pferdchen galoppiert zum Happy End

Berlin. Am Donnerstag startet Steven Spielbergs neuestes Märchen-Epos ‘Gefährten’. Ob das ein Film für Pferdefreunde wird? Nicht einmal dass kann man mit Sicherheit sagen, wenngleich der Hauptdarsteller ja ein Pferd ist.

Wo hat Steven Spielberg bei diesem Streifen hineingegriffen, in welche Kiste, welcher Idee ist er hier nachgerannt? Einfacher: in welche Kiste hat er nicht gegriffen?

Den Film, und auch den Genrefilm neu zu erfinden, hatte Spielberg sicherlich nicht vor, aber das er sich so recht gar keine Mühe gegeben hat, will dem Zuschauer nicht nur nicht einleuchten, sondern fällt ihm obendrein auch noch auf.

Was zeigt der Film, beziehungsweise zeigt er nicht? Wir haben eine Handvoll bekannter als auch neuer Gesichter und ihnen allen ist etwas gemeinsam: die Erzählweise lässt überhaupt keine Zeit, sich auf eines dieser so einzulassen, dass man eine Seelenverwandtschaft spüren könnte. Und wenn dies doch im Ansatz vielleicht geschieht, wird einem der Wunsch, sich aus einem inneren bekanntem Moment zu dem einen oder anderen Darsteller hinziehen zu lassen genommen.

Gerade, wenn das Gefühl aufkommt “Das kenne ich auch so”, ist es auch schon wieder vorbei. Schade! Oder soll es vielleicht so sein?

Das Pferd, wie auch das Episodenhafte galoppieren über die Acker und Pfade der Sinne, wollen sich unbedingt einen Platz im Emotionsstall des Zuschauers erobern und treten, so kurz sie auch sein mögen, entsprechend kraftvoll vor uns auf. Nur eben zu kraftvoll manchmal und so überaus deutlich, mit den in den Dialogen erhobenen Zeigefingern. Der Film galoppiert vorausschaubar von einer Szene zur nächsten.

Als geübter Cineast erwartet man geradezu das nächste, im Herzen logische Ereignis und es wird prompt bedient. Nicht ein Klischee wird ausgelassen, nicht einmal der Kitsch bleibt verschont. Dabei kennt man das Zeitnehmen für ein Bild, das Aushalten einer Szene, das sich Hinein- und Wohlfühlen mit dem Protagonisten gerade aus Spielberg Filmen.

Technisch stolpert auch manches. So wird der Fotograf David Hamilton bemüht und eine kurze Szene wird im Weichzeichner abgeliefert. Die Frage kommt auf: “Warum das denn jetzt?” Denn es taucht ja als Stilmittel nie wieder auf. Gegen das Bemühen ist nichts einzuwenden, wenn es dem Zuschauer hilft. Tut es aber nicht.

Die Kriegsszenerie wird farblich durchgehalten, bis zu einem Moment im Graben, da wird alles plötzlich ganz in Sepia eingefärbt und man befindet sich in einer original Kriegsschauplatz-Postkarte. Warum? An anderer Stelle wird sichtbar, dass nicht auf die entsprechende Tageszeit oder Stimmung gewartet wurde, sondern, ganz schnöde, einfach mit sichtbaren Filtern gearbeitet wurde. Nochmal: Schade!

Es bleiben aber ein paar gute Haare. Wer den flinken Erzählstil mag, die schnelle Aneinanderreihung von poesiealbumfarbenen, knackigen Stimmungen und einem, von Anfang an gefühltem Happy End, der darf sich Willkommen und Zuhause fühlen. Ein harmonisches Gesamtpaket, vor allem für Kinder. Die unglaublichen 140 Minuten wehen davon und hinterlassen den Wunsch mehr von jedem Einzelnen erfahren zu wollen.

Ein guter Pilotfilm für eine Serie. Ihr Paul Hille

Fotos: Konrad Wolff, Walt Disney Studios Motion Pictures Germany