Montag, 20. Februar 2012, 13:09 Uhr

Robert Pattinson ist in "Bel Ami" großartig fehlbesetzt

Berlin. Am 26. April 2012 ist Kinostart von ‘Bel Ami’ – des neuen Films mit Teenie-Idol Robert Pattinson. Der 25-Jährige stellte den Streifen – wie berichtet – letzte Woche in Berlin anläßlich der Filmfestspiele vor und hinterließ zumindest bei den Kritikern reichlich Fragezeichen.

“Bel Ami” und Robert Pattinson, das hätte gut gehen können… Hätte es das? Wer das Buch von Guy de Maupassant gelesen hat, weiß, was nicht stimmt.

Georges Duroy, von allen Bel Ami genannt und von Robert Pattinson gemimt, wäre eine interessante Figur, mit einem großen Fundus an darstellerischen Möglichkeiten, wenn sie nicht durch diese Fehlbesetzung vergeigt worden wäre. Schade also, dass die Regisseure Declan Donellan und Nick Ormerod keine dieser Facetten und das, was man Charakter nennt, aus Robert Pattinson herauslocken konnten.

Oder setzten sie schlicht und einfach nur auf das Kreischpotenzial und dem damit einhergehenden Ansturm eines nicht zu bremsenden Teenie-Tsunamis? Stellt sich gleich mal die Frage: Was sind das für Teenies? Mein Tochter ist 14 und weiß noch immer nicht, was an dem Jungen eigentlich zu finden ist. Nun gut, da unterscheiden wir zwischen Idolkapital und schauspielerischem Können. Das Erste möge ihm lange erhalten bleiben, geht aber bald flöten, wenn er Zweites weder beherrscht noch bedient.

Zur Sache: Georges Duroy ist ein Emporkömmling im wirtschaftlich, ökonomisch, politisch und frivol verfilzten Paris des späten 19. Jahrhunderts. Amüsement ist die Losung der Zeit und nur jenen vergönnt, die es sich finanziell auch leisten können. Zwei Jahre diente Georges Duroy als Feldwebel im nördlichen Afrika, ist nun zurück und will den Geruch seiner Mittellosigkeit und seines ärmlichen Vorstadtlebens um jeden, wirklich jeden Preis los werden. Dazu benutzt er alles, was ihm über den Weg läuft, vor allem Menschen, wie aber auch Gelegenheiten.

Ohne je eine Zeile geschrieben zu haben, zum Beispiel, wird er Leiter der Abteilung Klatschpresse. Wie? Er nutzt die Bekanntschaft eines, bei der Zeitung einflussnehmen Könnenden Kriegskamraden, lernt über diesen die bessere Gesellschaft kennen und deren verheiratete Frauen, mit denen er sich allesamt nach oben schläft. So, dass war’s dem Film nach auch schon.

Dass es aber besser geht, beweisen Verfilmungen etwas älteren Datums, nämlich unter anderen die von Louis Daquin 1955 und Helmut Käutner 1968, mit einem charismatischen Helmut Griem. Ja, doch, Manches war früher besser! Natürlich schreien beide Jahreszahlen geradezu nach einer Neuverfilmung mit neuen Gesichtern.

Christina Ricci, Uma Thurman und Kristin Thomas Scott beginnen den zu beschlafenden Reigen wunderschön, aber irgendwie matt.

Trotz der pompösen Kostüme wirken die Figuren fade, aber nicht schlecht. Vielleicht treffen hier einfach nur zu verschiedene Riegen aufeinander und der nun noch blasser als in seinen Twilight-Filmen wirkende Pattinson “färbt” auf seine ansonsten so bravorösen Kollegen ab. Manchmal gelingt die Mischung von Stars und Sternchen und das Sternchen lernt langsam von selbst, ohne mediale Vorarbeit und Höchstleistungen im Sektor Merchandising zu leuchten. Aber nee, in diesem Streifen nicht.

Man kauft Pattinson alles in diesem Film ab; einen liebevollen Gärtner, einen charmanten Botenjungen villeicht, aber niemals einen Bel Ami, dem die großen, schönen und vor allem einflussreichen Frauen ihr Herz und ihren Busen reichen.

Als ich das Kino verließ, weinte ich nicht um die verschwendete Zeit, aber ich fragte mich: “Na und? Und weiter?”

Mit der Twilight Saga, und dies hätten alle Beteiligten wissen müssen, wurde und hat sich Patterson einstweilen festgelegt. Das farblose Gesicht schleppt er auch durch “Bel Ami” und nimmt der Geschichte eben seinen “Biss”. Ihr Paul Hille

 

Fotos: Studiocanal