Dienstag, 21. Februar 2012, 15:29 Uhr

Nick Nolte in seiner oscar-nominierten Rolle in "Warrior"

Berlin. Kaum einer verkörpert den tragischen Helden besser als Nick Nolte. In seinem neuen Film „Warrior“ (kommt am 24. Februar raus) zeigt er dies erneut in der Rolle des von seinen Söhnen abgelehnten Familienvaters. Sein authentisches Spiel als trockener Alkoholiker und ehemaliger Box-Trainer Paddy Conlon an der Seite von Sexgranate Tom Hardy verlangte Nolte vieles ab und brachte dem 70-Jährigen gerade eine Oscar-Nominierung ein. Am Sonntag geht die diesjährige Show ünber die Bühne! Doch was lässt diesen Kult-Schauspieler so glaubwürdig wirken und wie wurde er zu solch einem brillanten Charakter-Darsteller?

Nick Nolte gilt in der Kino-und Fernsehbranche als echter Spätzünder. Leidenschaftlich gern Football spielend, besuchte er dank diverser Sport-Stipendien in nur vier Jahren fünf Colleges. 1960 entdeckte der Amerikaner mit deutschen Wurzeln sein Talent zur Schauspielerei und machte die Theaterbühne zu seiner neuen Heimat. Anfang der 1970er folgte der Film – und dem damals 35-Jährigen gelang 1976 mit Rollen in der Kult-Serie „Arm und Reich“ und dem Kinofilm „Die Tiefe“ der Durchbruch.

Auf der Leinwand avancierte der athletische Schauspieler mit dem markant-zerfurchten Gesicht schnell zu einem gefragten Darsteller. Seine bekannteste Rolle war der raubeinige Jack Cates in Walter Hills Komödie “Nur 48 Stunden”. Doch auch als einfühlsamer Charakter-Darsteller überzeugte Nolte und wurde für die Rolle als traumatisierter Patient einer Psychiaterin in „Herr der Gezeiten“ (1991) und als Sheriff Wade Whitehouse in „Der Gejagte“ (1997) jeweils für den Oscar nominiert.

Für seine schauspielerische Arbeit scheut Nolte vor keiner Anstrengung zurück. Ob er zur Vorbereitung 50 Pfund zunimmt oder unter Obdachlosen lebt – der Hollywood-Star möchte seine Rollen nicht nur spielen, sondern mit ihnen verschmelzen. Auf der Leinwand bringt er alle Erfahrungen des Lebens ein, ohne sich der Realität zu verschließen. Wie die Erinnerung an seinen von Kriegserlebnissen geplagten Vater, den er erst mit vier Jahren traf. Dieses Erlebnis spiegelt sich bei Nick Nolte in „Warrior“ auch im trauernden Gesicht des gescheiterten Familienvaters wieder.

Nick Nolte selbst führte lange Zeit ein Leben, dass mit dem eines ausschweifend feiernden Rockstars verglichen werden kann. Ob er alkoholisiert am Steuer Schlangenlinien fuhr, wegen Drogen festgenommen wurde oder sich dreimal scheiden ließ – Nick Nolte lebte bis vor wenigen Jahren wild und fern aller Konventionen. Der brillante Schauspieler von einst war schließlich nur noch ein Schatten seiner selbst. Doch mit etlichen Entzugs-Kuren besiegte der Kämpfer Nick Nolte schließlich seine Sucht. Heute ist der kantige Draufgänger clean – seine Dämonen bekämpft er nun wieder mit ganz anderen Dingen: Mit der Liebe zu seinen Kindern und mit der Schauspielerei.

Die ungewöhnliche berufliche Laufbahn und sein teils ausschweifendes Privatleben mit Höhen und Tiefen prägten auch Noltes Entwicklung als Schauspieler und führte ihn schließlich zu seiner Rolle in „Warrior“, die wie für ihn gemacht scheint. Er überzeugt in dieser Rolle wie in kaum einer anderen zuvor und empfiehlt sich dadurch für eine Auszeichnung bei den diesjährigen Oscar-Verleihungen, die passenderweise zwei Tage nach dem deutschen Verkaufsstart von „Warrior“ (24. Februar) stattfinden.