Dienstag, 21. Februar 2012, 11:49 Uhr

Taylor Kitsch in "John Carter": "Schon die Affen sind das Eintrittsgeld wert"

Los Angeles. Hollywoodstar Taylor Kitsch (30) wusste schon vor den Dreharbeiten von ‘John Carter – Zwischen zwei Welten‘ (Kinostart: 8. März) ganz genau, was ihn bei seiner Hauptrolle in dem 3D-Abenteuer erwartet. Im ausführlichen Interview verrät Kitsch unter anderem auch, welche Figur aus Andrew Stantons Fantasy-Spektakel ihm seiner Meinung nach auf der Leinwand definitiv die Schau stehlen wird.

Ein Schauspieler bekommt nicht oft die Gelegenheit, einen Veteranen des amerikanischen Bürgerkriegs spielen zu können, der eine schöne, selbstbewusste Prinzessin kennenlernt und sie dann bei ihrem eigenen Bürgerkrieg unterstützt. Für Taylor Kitsch, der mit seiner Darstellung von Footballprofi Tim Riggins in der hochgelobten TV-Serie „Friday Night Lights“ („Friday Night Lights“) auf sich aufmerksam machte, war es unmöglich, die Gelegenheit an sich vorbeiziehen zu lassen, die Titelrolle in ‘John Carter’, inszeniert von Drehbuchautor und Oscar-Preisträger Andrew Stanton, zu spielen.

Ihre Figur hat eine erstaunliche Vorgeschichte. Wie hat Sie das als Schauspieler inspiriert?
„Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, wurde ich von der Geschichte angezogen, die von ihren Charakteren vorangetrieben wurde. Zudem reizte mich, dass diese Story als großer Studiofilm umgesetzt wird. Das ermöglichte es den Filmemachern, einen wirklich verblüffenden Film zu realisieren. Man wird in die Biografie von John Carter eingeführt, erfährt von seiner Familie, seinem Dienst im Bürgerkrieg und vieles mehr. Das ist schwer zu spielen, gibt mir aber ein wichtiges dramatisches Fundament, auf das ich mich den ganzen Film hindurch stützen kann. In einer Szene spielt John Carter beispielsweise mit seinen Ringen, und der Zuschauer wird verstehen können, was das wirklich für ihn bedeutet. Für einen Schauspieler ist das großartig, denn so kann er sich wirklich in etwas vertiefen.

Wie würden Sie John Carter beschreiben?
„Carter hat alles verloren, das ihm einmal wichtig war. Als er aus dem Bürgerkrieg zurückkommt, sind seine Frau und sein Kind tot. So sondert er sich ab, lebt wie ein Einsiedler, will nur noch Gold schürfen. Das Ganze ist eine Art Notlösung – er verbirgt und verdrängt, womit er sich nicht auseinandergesetzt hat, sein Schuldgefühl und den Verlust seiner Familie, für deren Schutz er in den Krieg gezogen ist.

Er fürchtet sich davor, noch einmal Verantwortung übernehmen zu müssen, und damit schlägt er sich den ganzen Film hindurch herum. Er wird in den Bürgerkrieg zwischen den Bewohnern von Helium und Zodanga hineingezogen. Er befindet sich zwar auf einem fremden Planeten, aber er erkennt bei diesem Konflikt unglaubliche Parallelen zu seinem Leben und will deshalb nichts damit zu tun haben. Sei es Dejah oder Tars, eigentlich erinnert oder spricht ihn jeder direkt darauf an, dass es hier wirklich um etwas geht und er sich engagieren muss, ob er nun will oder nicht. Vor dieser Entscheidung stand er schon einmal und hat dann seine Wahl getroffen. Weil ihm daraufhin alles genommen wurde, fürchtet er sich natürlich davor, sich noch einmal zu engagieren, versucht sich immer davon fernzuhalten.“

Die erzählerische Spannbreite dieses Films ist unglaublich und episch, reicht vom amerikanischen Bürgerkrieg über den amerikanischen Westen bis hin zu einem fremden Planeten. Wie empfanden Sie als Schauspieler dieses epische Abenteuer?
„Die Größe und Pracht, was Stanton hier geleistet hat, wie alles hier funktioniert und ineinandergreift, all das hat epische Ausmaße, und als Schauspieler konnte ich das spüren. Meine Figur erlebt wirklich ein episches Abenteuer. Wir befinden uns auf den Straßen von New York im 19. Jahrhundert, gehen dann in den Westen nach Arizona und schließlich zu den Ebenen auf Barsoom – und all das ereignet sich in ein und demselben Film. Als Schauspieler durchlebte ich meine Figur an unterschiedlichsten Schauplätzen mit speziellen Emotionen und Erfordernissen, die ich zum Ausdruck bringen musste.

Ich kann mich an keinen Film erinnern, der so realisiert wurde wie der unsere. Das Ende des Films schließt den Kreis dieses Abenteuers auf brillante Weise, aber man muss den Film sehen, um verstehen zu können, was ich damit meine.“

Was werden die Zuschauer an diesem Film lieben?
„Eine ganze Menge. Ich sage immer wieder, dass allein die Sequenz mit den weißen Riesenaffen das Eintrittsgeld für diesen Film wert ist. Visuell ist dieser Film unglaublich. Ich bin überzeugt davon, dass die Zuschauer diese Charaktere mögen werden, sie werden sich mit ihnen identifizieren können. Das ist kein Film, bei dem es nur um Spezialeffekte geht, bei dem Dinge in die Luft fliegen und ein Typ im Mittelpunkt steht, der einem eigentlich völlig egal ist. Bei John Carter ist das anders, man interessiert sich für ihn und seine Reise, ist emotional involviert. Man sieht einen unglaublichen erzählerischen Bogen bei dieser Figur, sieht, wer er wirklich ist, seinen Neuanfang und seine Wiedergeburt. Und obwohl es Spezialeffekte gibt, hat man auch diese brillanten Schauspieler. Ich empfand es als großes Glück, mit ihnen zusammenarbeiten zu können.“

Erzählen Sie bitte von der Beziehung zwischen ihrer Figur und Dejah Thoris, die von Lynn Collins verkörpert wird?
„In den Büchern ist es fast Liebe auf den ersten Blick; John würde alles für Dejah tun. Im Film aber folgt man einem erzählerischen Bogen. Dort entwickelt sich erst eine Beziehung zwischen John und Dejah. Ich liebe die Sticheleien, die hin und her gehen. Wir necken uns, fordern uns in verschiedenen Szenen heraus, bis schließlich die Wahrheit ans Licht kommt. Es ist eine Lovestory, eingebettet in all die anderen Ereignisse, aber sie hat eine so große Bedeutung für den Film. Sie ist im Grunde sein Rückgrat, das tragende Element.

Zunächst ist die Beziehung zwischen unseren Figuren dadurch charakterisiert, dass wir uns gegenseitig provozieren, dass wir die richtigen Knöpfe drücken, um herauszufinden, wie der andere darauf reagiert. Als sich die Beziehung weiterentwickelt, ändert sich das. Sie hört auf, ihn auf die Probe zu stellen, beginnt John so zu sehen, wie er wirklich ist, entdeckt eine Seite von ihm, die er selbst nicht einmal erkennen kann.

Im Verlauf dieser Beziehung von Dejah und John passiert so viel, dass diese Momente etwas ganz Besonderes werden, dass sie sich beide diese Momente auf gewisse Weise wirklich verdient haben. Es wäre unrealistisch, diese Beziehung nur auf den Moment bezogen zu spielen. Man muss verstehen, dass der Einsatz bei beiden immer enorm hoch ist, dass für beide viel auf dem Spiel steht, deshalb muss man diese kleinen verdienten Momente kreieren und nicht nur meine Figur sagen lassen ‚Oh, du siehst heute hübsch aus.’ Man muss sich diese Momente wirklich erarbeiten und sie sich verdienen, dadurch werden sie im Film zu etwas ganz Besonderem.“

Worauf geht die Geschichte von JOHN CARTER – ZWISCHEN ZWEI WELTEN zurück?
„Sie stammt von Edgar Rice Burroughs, er hat diese Figur vor exakt 100 Jahren erschaffen und eine ganze Reihe von Büchern mit Carter als Protagonisten geschrieben.

Meiner Ansicht nach war Burroughs seiner Zeit weit voraus, das trifft ganz besonders auf seinen ersten Science-Fiction-Roman zu. Hier kann man einen direkten Zusammenhang erkennen zu unserem heutigen Lebensstil, zu dem, was wir jetzt tun – die schwindenden Rohstoffe, die Energieprobleme, die fortwährenden Kriege, die von Rassismus bis hin zur Religion gespeist werden. Er hat all diese wunden Punkte bereits vor 100 Jahren angesprochen.

Und all das thematisieren wir auch im Film. Stanton hat bei der Figur John Carter die wesentlichen Züge von Edgar Rice Burroughs übernommen, ist dann aber viel stärker in die Tiefe gegangen, wer John Carter wirklich ist und wo er herkommt. Stanton hat mir viel mehr vorgegeben, was nicht in den Büchern stand, mir aber half, mich in diese Figur noch viel stärker hineinversetzen zu können. Es war großartig, ein solches Drehbuch als Fundament für die eigene Darstellung haben zu können.“

Wie gelangt John Carter eigentlich nach Barsoom?
„Das ist ziemlich brillant gelöst. Edgar Rice Burroughs hat das in seinem Buch nicht näher erklärt, dort wacht er einfach auf Barsoom auf.

In Andrew Stantons Film flüchtet er auf der Erde vor den Apachen und versteckt sich in einer Höhle. Diese Höhle ist für die Therns eine Art Portal, hier kommen sie an, wenn sie von ihrem Planeten zur Erde reisen, und von hier aus geht es auch wieder zurück. Als John Carter in den Besitz eines Medaillons gelangt, wird er unbeabsichtigt über dieses Portal nach Barsoom befördert.“

Was gefällt Ihnen so an dieser Figur John Carter?
„Der Grund, warum ich es so interessant fand, ihn darzustellen und warum ich mich in John so geerdet fühlte, war, dass er echt und authentisch wirkte. Und das wird meiner Ansicht auch dem Zuschauer gefallen. Sein erlebter Verlust, die Tatsache, dass er seine Menschlichkeit und Würde wiederentdeckt und sich erneut verliebt – all das sind zutiefst menschliche Themen, die diese Figur auf der Leinwand anspricht und die beim Zuschauer Anklang finden werden.“

Besitzt John Carter auf Barsoom besondere Kräfte?
„Ich möchte das nicht Kräfte nennen, denn dann würde er in den Bereich der Superhelden fallen, und darum geht es bei diesem Film nicht. Seine größere Stärke und Sprungkraft haben ihre Ursache in den veränderten Schwerkraftverhältnissen auf Barsoom.

Er findet heraus, dass die Schwerkraft auf Barsoom reduziert ist, und muss sich daran erst gewöhnen. Anfangs bemerkt er nicht einmal, dass er hier viel stärker ist. Als er sich dessen aber bewusst wird, beginnt er zu verstehen, wie er das zu seinem Vorteil nutzen kann.“

Trotz der ernsten Themen, die dem Film zugrundeliegen, hat er auch großen Witz und eine gewisse Leichtigkeit. Kann man das so sagen?
„Absolut richtig. Daran hat Stanton von Beginn an gearbeitet – erst im Drehbuchstadium, dann auch bei den Dreharbeiten. John Carter passieren viele komische Dinge, und es gibt einige witzige Dialogszenen mit Dejah, Tars, ja sogar mit Woola, seinem hundeähnlichen Beschützer. Sogar seine Gesten sind in gewissen Momenten Ausdruck dieser Leichtigkeit, wie zum Beispiel, als er in der Sequenz mit den weißen Riesenaffen nur mit den Schultern zuckt. Das ist schon echte Situationskomik.“

Erzählen Sie bitte ein bisschen von Woola, dem hundeähnlichen Beschützer von Carter.
„Von mir hören sie es zuerst – Woola wird bei diesem Film allen anderen die Schau stehlen, so brillant ist er in die Handlung integriert. Natürlich rettet er mich einige Male, was wirklich großartig ist.

Anfangs hasse ich ihn, weil er im Lager der Tharks meine Tarnung auffliegen lässt. Und ärgerlicherweise spürt er mich überall auf, wohin ich auch gehe. Er findet mich immer zur rechten Zeit – und manchmal auch zur falschen. Er ist laut und unbeholfen, ist in gewisser Weise einem Welpen ähnlich.

Wer auch immer ein Tier besitzt oder mit einem aufgewachsen ist, weiß, dass man mit einem Tier so vieles tut, was man in einer Beziehung zu einem Menschen nicht tun würde. Am Ende wird John etwas nachlässig und unachtsam, und das gefällt mir, weil dadurch die gemeinsamen Momente mit Woola wirklich großartig werden.“

Welchen Aufwand betrieben Andrew Stanton und das Produktionsteam, um die richtigen Drehorte zu finden? Welche Mühen nahmen sie in Kauf?
„Wir drehten vor Ort in Utah, obwohl wir diese Sequenzen durchaus auch im Studio mit Green Screens realisieren hätten können. Jeder einzelne Drehort wurde nach umfangreichen Recherchen sorgfältig ausgewählt, ob er nun in Utah oder in London lag. Hier hat Andrew unglaubliche Mühen auf sich genommen, das Ganze realistisch wirken zu lassen. Für ihn kam immer erst die Darstellung, dann die Technik. Der Schwerpunkt lag auf der Arbeit der Schauspieler, und wenn man draußen vor Ort drehen kann, ist das für einen Schauspieler eine enorme Hilfe.“

Wie war die Zusammenarbeit mit den Schauspielern, die in ihren Motion-Capture-Anzügen die Thark-Charaktere darstellten?
„Sie sahen aus, als würden sie graue, mit Sensorpunkten übersäte Pyjamas tragen, und dann kam noch die Ausrüstung dazu, die sie am Kopf trugen. Auch hier ging es um Realismus, denn es waren Schauspieler und keine Doubles, die in diesen Anzügen steckten.

Stanton hat eine Reihe unglaublicher Darsteller engagiert, um diese Figuren zum Leben erwecken zu können. Es gibt einen Moment im Film, wo ich Tars aus nächster Nähe ansehe, und es gibt nur einen Weg, das möglich zu machen. Und weil Willem Dafoe tatsächlich auf Stelzen ging, konnte ich eine Verbindung zu ihm, seinem Gesicht und seiner Figur aufbauen. Das war mir eine große Hilfe.

Ich glaube, es wird unglaublich sein, Tars Tarkas so auf der Leinwand zu sehen, wie er tatsächlich aussieht und wie ich mit diesen Figuren interagiere. Wir haben alles getan, was möglich war, damit das realistisch wirkt. Willem hat Tars wirklich mit Leben erfüllt. Er ist unglaublich professionell und viel witziger, als ihm das manche zutrauen würden. Es macht Spaß, ihn bei der Arbeit zu beobachten. Die Zusammenarbeit mit ihm war großartig … und das war sie auch mit den anderen Darstellern – mit Samantha Morton, Church und all den anderen. Es war einfach toll.“

Wie wichtig war es, dass Stanton eine Welt erschuf, die doch recht glaubwürdig wirkte?
„Das war sehr wichtig. Der Film spielt am Ende des 19. Jahrhunderts, nicht in der Zukunft. Das ist auch die Zeit auf Barsoom. Andrew Stanton erschuf also diese reale Welt, die für die Zuschauer glaubwürdig sein wird, es gibt hier niemanden, der in Roboter-Montur herumläuft. Meiner Ansicht nach ist es ziemlich verblüffend, dass wir so eine realistische Welt erschaffen konnten.

Der Schlüssel dafür ist, alles so zu kreieren, dass man nachempfinden und schließlich sagen kann ‚Wow, ich wette, diese Welt gibt es wirklich.’ Andrew Stanton hat einfach brillante Arbeit geleistet.“

Wie groß kann man sich den Film vorstellen, können Sie dazu etwas sagen?
„Die Größe und Pracht, was Stanton hier geleistet hat, wie alles hier funktioniert und ineinandergreift, all das hat epische Ausmaße. Natürlich haben wir auch diese wunderbaren Landschaften und die verblüffenden Einstellungen und Sequenzen, die dem Film noch mehr Größe verleihen.

Ich habe keine Ahnung, wie ich die tatsächliche Größe genauer benennen könnte, aber für mich ist dieser Film ein episches Abenteuer. Wir befinden uns auf den Straßen von New York im 19. Jahrhundert, gehen dann in den Westen nach Arizona und schließlich zu den Ebenen auf Barsoom – und all das ereignet sich in ein und demselben Film.“

Wann wussten Sie, dass Sie Schauspieler werden wollten und wie gelang Ihnen der Einstieg in diesen Beruf?
„Als ich aufwuchs, gab es bestimmte Dinge, von denen ich mich angesprochen fühlte, wie beispielsweise Darstellungen von Schauspielern, die meine Sichtweise, meinen Blickwinkel veränderten. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, liebe es, Zuschauer in Darstellungen hineinzuziehen, ich liebe den Eskapismus, diese Flucht aus der Wirklichkeit, die damit ermöglicht werden.

Ich genieße es, mit brillanten Schauspielern zusammenzuarbeiten. Ich hatte bereits das große Vergnügen, das erleben zu dürfen und werde es hoffentlich auch weiterhin haben. Ich kenne keine Kunstform, bei der man mehr über sich selbst lernen kann. Ich will immer reifen und wachsen, ein besserer Schauspieler und alles, was damit zusammenhängt, werden.“

Machte es Ihnen Spaß, diese körperlich anstrengenden Szenen zu drehen?
„Die Kampfszenen habe ich geliebt. Die Sequenz mit den weißen Riesenaffen werde ich wahrscheinlich nie vergessen. Die Energie, die man in dieser Arena spürte, war wirklich großartig. Von den ersten Probeaufnahmen an wusste ich, dass diese Sequenz epische Ausmaße haben würde. Hier steht viel auf dem Spiel und der Einsatz ist hoch, und das liebe ich.“