Freitag, 13. April 2012, 16:30 Uhr

Richterin Barbara Salesch hat heute die TV-Robe an den Nagel gehängt

Seit Oktober 1999 verhandelt Richterin Barbara Salesch in insgesamt 2.356 Folgen auf SAT.1 Strafrecht-Delikte, wie sie in deutschen Gerichtssälen tatsächlich verhandelt werden: Diebstahl, unterlassene Hilfeleistung, Betrug und Nötigung – Alltagsfälle.

Bei der Aufzeichnung der letzten Sendung hat die Richterin ihren Richtertisch zersägt. Nun aerbeitet Salesch vornehmlich aös Künstlerin, sagte dazu dem ‘Spiegel’: “Ich fange mit den Vorbereitungen für die Holzschnitte für das kommende Jahr an. Da muss ich jetzt nicht hetzen, das ist einfach super. So sehr ich Jura schätze – es war eine Zeit meines Lebens, und die ist jetzt zu Ende.”

Weil im echten Strafgericht Kameras nicht zugelassen sind, übernahmen Darsteller den Part von Angeklagten und Zeugen, während echte Juristen als Staatsanwälte und Verteidiger agierten. Heute kurz vor 16 Uhr fällte die 61-Jährige ihr endgültig letztes Urteil.

In den vergangenen 13 Jahren traf Barbara Salesch auf immerhin 17.000 mehr oder weniger talentierte Laiedarsteller, die die Fälle im Gerichtsaal nachstellten.

Salesch wollte bereits Ende letzten Jahrs ihre Robe nehmen, hatte aber nochmals um achtzig Folgen verlängert. Dazu sagte sie im letzten Sommer schon: “Man soll dann gehen, wenn es am schönsten ist – und genau das tue ich jetzt.”

In der letzten Folge, die gerade zu Ende gegangen ist, ging es um den 14-jährige Paul, der zwei Stunden in einem Schornstein feststeckte. Paul behauptete, dass ihn die Nachbarsjungen Till (17) und Marek (15), die ihn schon seit Monaten mobben, gewaltsam in den Schornstein gesteckt haben.

Wer kümmert sich denn jetzt um solche Probleme? Richter Alexander Hunold?

Fotos: SAT.1/Stefan Menne