Dienstag, 12. Juni 2012, 18:33 Uhr

Diese drei Damen aus Hamburg stehen für "Die Heiterkeit"

“Diese Band hat eigentlich schon alles erreicht. Schon hier, schon jetzt. Sie wird geliebt, viele sprechen ihren Namen nur flüsternd aus. Von manchen wird sie gar gefürchtet. Sie muss sich die Bewunderer vom Hals halten, mit Sonnenbrille, schwarzem Schleier. Sie hat genug teuren Tand und matte Edelsteine, um sich damit eine ganze Burg oder ein Landschlösschen einzurichten. Sie muss sich nichts erzählen lassen, von niemandem. Sie erzählt selbst. Redet den anderen gut zu. Und hält sie sich doch vom Leib”, schreibt Joachim Hentschel in der Band-Info von ‘Die Heiterkeit’.

‘Die Heiterkeit’ sind drei junge Frauen, Stella Sommer (Gesang, Gitarre), Rabea Erradi (Bass, Gesang) und Stefanie Hochmuth (Schlagzeug). Alle wohnen seit einigen Jahren in Hamburg, waren niemals in ihrem Leben zur Musik verdammt, trotzdem ab und zu auf der Suche nach ihr. Und weil es eben auch in der Großstadt verflix schwer ist, eine vernünftige Band zu gründen, hatten sie Geduld, bis sie sich begegneten.

‘Die Heiterkeit’ hat eben einen Schmäh, wie ihn sonst nur Österreicher haben. Daher auch kein Zufall, dass die Gruppe Ja, Panik ihre Verbündeten sind, auf ihrem Label Nein, Gelassenheit jetzt das Album „Herz aus Gold“ herausbringen. Torsten Otto hat es in Hamburg aufgenommen, ohne Gastmusiker und Hallgeräte. Und diesmal wissen alle, dass sie darauf warten. Das besonders Tolle an den dreien von Die Heiterkeit: Sie lassen sich von der Form nicht treiben.

Ihre Songs gehorchen ihnen wie Hündchen. Wenn sie abbremsen oder den Takt ändern sollen, wenn sie Loop-Räder schlagen oder am Satzgesang auseinanderklaffen sollen, tun sie es auch. Sie haben grundsätzlich keine dritte Strophe. Und am Ende erzählen sie davon, wie sich das Leben anfühlt, wenn man nicht jede Erniedrigung erträgt, wenn man sich nicht als niedlicher, schicker Loser wohlfühlt, sondern die Dinge dreht: Nach oben geht. Die eigene Hand ergreift. Bis man von der eigenen Großartigkeit und Brillanz fast schon wieder ein bisschen gelangweilt ist.

„Suche Feinde, biete Gegner“, singt Stella Sommer, kehlig und schwebend und bergab begeistert. Wie beim Blumenpflücken am Kanal, beim Trinken an der Bar. So lange der lange Winter halb vorbei ist, die Vögel zwitschern. Bis der nächstbeste Dandy kommt, die fast schon kalkulierbare Katastrophe, die einen in ihrer Unausweichlichkeit schon wieder ganz entspannt macht. Zärtlich und dabei vernichtend. „Gefällt mir gut, ich bin bereit – I touch you with my Heiterkeit.“

Marlene Dietrich hat mal etwas Ähnliches gesungen, in einem Text von Friedrich Hollaender: „Soll denn etwas so schönes nur einem gefallen? Die Sonne, die Sterne gehör’n doch auch allen.“ Das Emblem von ‘Die Heiterkeit’, ein Smiley mit nicht-lachendem Mund, wird bereits auf Taschen und Körpern getragen, schmückt als Sticker Verteilerkästen, als Poster Küchen. Man kann Die Heiterkeit nicht alleine lieben. Nicht mehr, nie mehr. Man kann vielleicht noch ab und zu der erste sein, der zu ihr tanzt. Der Held, der von ihr wachgeküsst wird.

Fotos: Gesa Trojan