Samstag, 16. Juni 2012, 13:22 Uhr

Martin Böttcher: Der Gottvater des Easy Listenings mit 85 seiner größten Hits

Wer behauptet, noch nie etwas von Martin Böttcher gehört zu haben, mag sich zwar als ehrliche Haut fühlen, irrt aber dennoch ganz gewaltig. Das wäre nämlich nicht weniger als das Eingeständnis, fünf Jahrzehnte deutscher Film- und Fernsehgeschichte entweder gänzlich verpasst oder aber mindestens ohne Ton erlebt zu haben. Sie nämlich hat wahrscheinlich kein anderer deutscher Komponist so geprägt wie Martin Böttcher.

Seine bekannteste Titelmelodie wird bestenfalls noch von jener Klaus Doldingers für den “Tatort” getoppt: 1963 schlossen, eingeleitet von Böttchers zeitloser Komposition, Winnetou und Old Shatterhand Blutsbrüderschaft. Und die Melodie können bis heute Enkel gemeinsam mit ihren Eltern und Großeltern nachsingen.

Am 17. Juni dieses Jahres wird Martin Böttcher 85 Jahre alt – Grund genug, den Senior für seine unvergesslichen wie zum Glück auch tatsächlich unvergessenen Arbeiten mit mehr als einer Medaille zu ehren. Und so würdigt Warner Music den Jubilar mit einer 4-CD-Box, deren Inhalt für viele Menschen einem Déjà-Vu gleichen dürfte. Hat doch Böttcher bereits Mitte der 50er Jahre für Kinoknüller wie ?Die Halbstarken“ die Musik geschrieben und sich danach regelmäßig wieder in Erinnerung gebracht.

Wir ziehen hier nur eine kleine Auswahl aus dem Hut: 1960 schrieb er die Musik zur “Pension Schöller”, ein Jahr später folgte mit “Der Fälscher von London” der erste von vielen Edgar-Wallace-Krimis, 1962 dann, noch vor “Winnetou”, unterlegte Böttcher “Der Schatz im Silbersee” mit seiner Musik. 1968 ist “Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten” der letzte von 10 Karl May-Verfilmungen mit seiner Musik, es folgen TV-Serien wie “Der Alte”, “Derrick”, “Sonderdezernat K1”, Produktionen wie “Es muss nicht immer Kaviar sein” aus Zeiten, da ’muss’ noch ’muß’ geschrieben wurde, “Der Trotzkopf” und das “Forsthaus Falkenau”. Böttchers letzte Arbeiten erfolgten für die TV-Serie “Pfarrer Braun”, deren 20 Folgen zwischen 2003 und 2011 er mit Musik versah.

Und dieses war ein Kurzdurchgang. Nebenher schrieb Böttcher Songs für Stars wie Hans Albers, Francoise Hardy, Elisabeth Flickenschild, Romy Schneider und Peggy March, komponierte die Musik für die Aufklärungsfilme von Oswald Kolle (auch wenn deren erste als “nicht unterkühlt genug” abgelehnt wurde) und nahm beinahe Jahr für Jahr Ehrungen für die Winnetou-Melodie entgegen. In seinen frühesten Bands hatte nicht nur Ernst Mosch, später Chef der “Original Egerländer”, sondern auch ein gewisser Hans Last, seit langem besser bekannt als James, honorige Dienste geleistet.

Bald 60 Jahre sind Böttchers Melodien nun präsent auf Leinwand und Bildschirm, „geändert“, sagt Böttcher, habe sich in dieser Zeit „ziemlich viel, vor allem das Tempo und das Budget. Eine so lange Eingangssequenz wie bei ’Spiel mir das Lied vom Tod’ dreht heute kein Regisseur mehr, also gibt es auch solche Musik nicht länger.“ Und weil heute Musik meist am Computer entstehe, „gibt man auch keinem Komponisten mehr die Zeit und das Geld, seine Ideen in aller Ruhe zu entwickeln. Ich hatte dieses Glück noch.“

Die 4-CD-Box “Die 85 größten Film- und TV-Melodien” vereint nun die Melodien Böttchers für die Karl May-Verfilmungen mit jenen, die er für viele andere Produktionen komponierte und addiert ihnen weitere Titel hinzu, die der Hörer vielleicht nicht sofort mit Erinnerungen verbindet. Ganz bestimmt aber mit dankbaren und freundlichen Gefühlen ihrem Schöpfer gegenüber. Martin Böttcher und der deutsche Film, das war und ist eine Liaison sondergleichen.

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Wer gewinnen möchte, schreibt bis zum 10. Juli 2012 eine Mail an [email protected], Betreff “Martin Böttcher”.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Gewinner werden benachrichtigt!