Samstag, 04. August 2012, 21:08 Uhr

Niko von Glasows Castingshow für Behinderte kommt ins Kino

„Alle Schauspieler sind behindert, besonders die guten.“, sagt Niko von Glasow, der einzige kurzarmige Regisseur Deutschlands, und castet vierzehn Profis und Laien, Behinderte und Nicht-Behinderte für ein Theaterstück.

Der Film ‘Niko von Glasows alles wird gut’ dokumentiert diesen nervenaufreibenden, dabei aber sehr bewegenden und äußerst lustigen Probenprozess.

Wir haben die ersten Bilder und präsentieren den Trailer.

In dem Theaterstück, das von Null auf mit dem Team erarbeitet wird, geht es um Menschen mit den unterschiedlichsten „besonderen Bedürfnissen“, die es wagen wollen bei einer Castingshow aufzutreten.

So unterschiedlich sie sind, sind sie sich doch in Einem gleich: in ihrem Wunsch nach Anerkennung. Aus versicherungstechnischen Gründen werden sie in einen abseitsgelegenen Raum gebracht. Gemeinsam wartet man also, man beäugt sich, zerfleischt sich, unterstützt sich und verliebt sich. Zu dieser bunten Truppe stoßen aus diversen Gründen auch ein paar Nicht-Behinderte, und es wird bald nur allzu deutlich: Nur weil sie keine sichtbaren Defekte haben, heißt das noch lange nicht, dass sie normal sind …

Der großartige Film kommt am 1. November in die deutschen Kinos.

Niko von Glasow, der selber contergangeschädigt ist, hat sich bei der Erarbeitung des Stücks sehr nah an die Lebensläufe, Ängste und Sehnsüchte der Einzelnen gewagt. Das bringt nicht nur komische Verwirrungen mit sich, sondern auch Gefahren und Abgründe. Aber da er sich selbst nicht ausklammert, schafft er es wie kein anderer, Berührungsängste abzubauen und den Darstellern ein großes Geschenk zu machen: Dass das Publikum sie mit all ihrer Energie, ihrem Mut und vor allem mit ihrem Sinn für Humor wahrnimmt und mit ihnen weint und lacht.

Niko von Glasow begann seine Ausbildung bei Rainer Werner Fassbinder und studierte Film an der New York University und an der Film Akademie in Lódz, Polen. Dort realisierte er 1991 seinen Debütfilm Hochzeitsgäste, der u. a. den Deutschen Kritikerpreis der Berlinale erhielt.

Sein Film Nobody’s Perfect gewann den Deutschen Filmpreis für die Beste Dokumentation 2009. Eines der Fotos, die zentraler Bestandteil der Geschichte des Films sind, war für den Photographic Portrait Prize 2007 der National Portrait Gallery in London nominiert. Niko ist Mitglied der BAFTA, der Deutschen und der Europäischen Filmakademie.

Er unterrichtete Drehbuchschreiben und Regie u. a. in Los Angeles, Amsterdam, London, Bangkok, Dharamsala und an der von ihm gegründeten Tibetan Film School in Lhasa. Zur Zeit entwickelt Niko von Glasow verschiedene Filmprojekte – darunter u. a. Das Mädchen aus Tibet, Paralympics 2012, Casting Mona Lisa und Two Boys a Girl & 10,000 Cameras.

Über seinen neuen Film sagte Glasow: “Bei dem Casting wurde schon klar, dass die Präsenz der behinderten Schauspieler interessanter und stärker war als die der nicht behinderten Schauspieler. Der Humor und die Einfachheit des Spielens sind für einen Mann mit Down-Syndrom viel größer als für den armen Kerl, der als nicht behinderter Schauspieler daneben sitzt. Die Herausforderung war, diese Qualitäten auf eine Ebene zu bringen. Es ging nur über Ehrlichkeit: Indem der nicht behinderte Schauspieler zugab, dass er auch behindert ist.”

Fotos: NFP