Montag, 06. August 2012, 15:22 Uhr

"Die Sauerei geht weiter …": Neues von Rettungssanitäter Jörg Nießen

Nach dem überwältigenden Erfolg seines Buches ‘Schauen sie sich mal diese Sauerei an‘ mit über 150.000 verkauften Exemplaren nimmt uns Jörg Nießen jetzt wieder mit in die bewegte Welt des Rettungsdienstes und der Feuerwehr.

In ‘Die Sauerei geht weiter …’ werden er und sein liebster Kollege Hein zu mancher Ausnahmesituation gerufen, die sich mal als haarsträubender Notfall, mal als bizarre Lappalie entpuppt. So erwarten die beiden diesmal verunfallte Pianisten, brennende Vereinsheime, pädagogisch wertvolle Wasserschäden, schräge Psychosen, dramatische Kinderkrankheiten und noch so einiges andere.

Und der Autor mit dem schwarzen Humor wird wieder vor immer wieder überraschende Herausforderungen wie diese gestellt: “Wenn man die Feuerwehr ruft, darf man sehr wohl erwarten, dass das Feuer gelöscht wird, aber nicht, dass wir das Haus wieder in Stand setzen und renovieren.”

Die 20 neuen Geschichten des sympathischen Lebensretters mit dem rheinländischen Charme zeigen den Rettungsdienst und Brandschutz wieder von seiner authentischsten und zugleich bizarrsten Seite und sind ein Genuss für Liebhaber schwarzen Humors. Die kurzweiligen Anekdoten werden durch witzige Illustrationen von Jana Moskito ergänzt.

Die Sauerei geht weiter…: 20 neue wahre Geschichten vom Lebenretten‘ erscheint am 1. September 2012.

Zwölf Tipps für Notrufer, Notfälle und Menschen in Extremsituationen
Von Rettungssanitäter und Brandschutzmeister Jörg Nießen

1. Vertrauen Sie auf Ihren gesunden Menschenverstand! Er hilt Ihnen, ernsthafte Erkrankungen von einem Zipperlein zu unterscheiden. Eingewachsene Fußnägel sind kein Grund, den Rettungsdienst zu alarmieren. Sollte jedoch jemand ernsthaft verletzt sein, zögern Sie bitte nicht!

2. Schalten Sie beim Notruf Ihren Kopf ein! Niemandem ist geholfen, wenn Sie nach der Aussage: “Kommen Sie schnell, hier ist etwas passiert!”, den Telefonhörer aufknallen. Der Rettungsdienst verfügt in der Regel nicht über Hellseher – wir mu?ssen schon wissen, wo Sie sind, was passiert ist und wie viele Verletzte es gibt, um helfen zu ko?nnen. Und erzählen Sie uns bitte keine Ma?rchen oder enthalten relevante Informationen vor! Keine Angst, der Rettungsdienst kooperiert nicht mit BND oder CIA.

3. Lassen Sie sich nicht durch unterschiedliche Darstellungen der Ersten Hilfe verunsichern. Ein Beispiel: Die stabile Seitenlage kennt mindestens zwei gu?ltige Versionen. Organisationen und Interessenverba?nde arbeiten hier manchmal nach dem Motto: eine Meinung – zwei Lo?sungen. Handeln Sie nach den Grundsätzen, die Sie gelernt haben, und frischen Sie Ihr Wissen regelma?ßig auf.

4. Auch wenn das Opfer noch so hu?bsch ist, halten Sie als Ersthelfer bitte emotionalen Abstand! Beziehungen, die aus Extremsituationen entstehen, sind meist nicht von langer Dauer.

5. Rennen Sie bitte nicht weg, sobald der Rettungsdienst eintrifft! Das Personal braucht ein paar Augenblicke, um sich an der Einsatzstelle zu organisieren. Außerdem haben wir so die Möglichkeit, uns bei Ihnen fu?r ihre geleistete Hilfe zu bedanken.

6. Ein kleiner Hinweis für die besonders eiligen Verkehrsteilnehmer: Sollte sich bei einem Stau eine Gasse für ein Feuerwehr- oder Rettungsdienstfahrzeug bilden, brauchen Sie nicht vorfahren! In der Regel kennen wir den Weg. Und fahren Sie bitte auch nicht hinterher! Wir kommen ohne Sie zurecht.

7. Schenken Sie ihrem heimischen Feuerlöscher mal fünf Minuten Ihrer Aufmerksamkeit. Sie sollen ihn natürlich nicht sofort in der Wohnung ausprobieren, aber machen Sie sich damit vertraut, wie das Ding funktioniert, woran sie ziehen und worauf sie im Ernstfall drücken sollten!

8. Investieren Sie bitte in Ihre eigene Sicherheit! Heimrauchmelder retten Leben, sind in jedem Baumarkt erhältlich und leicht zu montieren. Aber bitte auch die Herstellerangaben lesen und das gelegentlich zarte Piepsen der Batteriekontrolle nicht mit dem penetranten lautstarken Alarm verwechseln!

9. Ein Aufruf an alle Eltern: Bitte durchbrechen Sie an Einsatzstellen keine Absperrungen, um den lieben Kleinen das rote Feuerwehrauto zu zeigen. So sehr wir uns um fähigen Nachwuchs bemu?hen, dem Dachstuhlbrand Ihres Nachbarn gehört gerade unsere ganze Aufmerksamkeit.

10. Auch wenn der ein oder andere Sie fu?r paranoid halten wird: Sollten Sie sich in einem Hotel aufhalten, werfen sie einen Blick auf die Hinweisschilder im Flur oder in ihrem Zimmer, die sich mit Notausgängen und Sammelpunkten befassen. Es ist ein gutes Gefühl, wenn man im Notfall sofort weiß, wo es langgeht.

11. Kommen Sie bitte nicht mit einem Messer zur Schießerei! Soll heißen: Versuchen Sie bitte nicht, mit einem Gartenschlauch Ihr im Vollbrand stehendes Wohnhaus zu retten. Eigene Löschversuche sollten auf Entstehungsbra?nde beschra?nkt bleiben! Haben Sie keinen schnellen Erfolg, bringen Sie sich in Sicherheit und alarmieren Sie die Feuerwehr.

12. Bitte immer, wirklich immer, Ihren Eigenschutz beachten! Die ehrenvolle Erwähnung im Lokalteil der Tageszeitung und der Handschlag des Bürgermeisters ersetzten nicht Ihre Beine und trösten im Sterbefall weder Frau noch Kinder. Jedes Jahr werden Ersthelfer im Straßenverkehr verletzt und couragierte Menschen verunfallen beim Versuch, Hilfe zu leisten. Bitte helfen Sie Menschen, die in Not geraten sind, aber handeln Sie dabei stets im Rahmen Ihrer Möglichkeiten.

Fotos: Schwarzkopf-Schwarzkopf-Verlag/ Moritz-Thau