Mittwoch, 08. August 2012, 12:21 Uhr

"Prometheus - Dunkle Zeichen": Monumentalwerk mit Schwächen

Er war eines der bestgehüteten Kinogeheimnisse der letzten Jahre. Nun endlich startet ‘Prometheus – Dunkle Zeichen‘ auch in den deutschen Kinos. Unser Kino-Papst Paul Hille hat ihn schon gesehen.

Woran denken wir nicht alle, wenn wir bei sternenklarer Nacht in den Himmel schauen: Das Weltall, unendliche Weiten, wir schreiben das Jahr 2012 und hocken immer noch alle hier. Oder packt uns nicht auch dann und wann die Frage nach dem Ist und Sein, und vor allem die Frage danach, woher wir kommen?

Solche und ähnliche Fragen finden wir im neusten Werk “Prometheus” von Altmeister Ridley Scott, der sein Handwerk nach wie vor glänzend beherrscht. Vorweg: es wird der Knaller des Jahres, der Blockbuster schlechthin, ein nicht zu übertreffendes Highlight. Warum? Weil kein anderer Film dieser Klasse da ist!

All die Fragen, die wir gen Universum haben, stößt Scott mit seiner Mannschaft der Prometheus an – und nun gibt ‘s den ersten Schuss vorn ‘n Bug – er beantwortet leider keine einzige davon! Denkanstöße ja, philosophische- und psychologische Tiefe, wie etwa in “2001 – Odyssee im Weltraum”: nein.

Dabei hätte genau das dem Film sehr gut getan, hätte es das bildtechnische Meisterwerk um das Richtige ergänzt und vielleicht vollendet. Der nächste Schuss: “Prometheus”, das ist der Übersetzung nach der “Vorausdenkende”. Pah, tun sie aber alle nicht, denn sie reisen geschichtlich zurück. Gut, das kann man als formalen Fehler durchgehen lassen. Nein, eigentlich doch nicht. Hallo – es ist der Filmtitel!

Opulente Spacelandschaften, organische Architektur, monumentale Bauten, heroische Musik – alles in 3D und in Dolby Nummer soundso was weiß ich was. All dies beeindruckt und besticht Auge und Ohr wunderbar und macht den Film trotz der vorangegangenen Nörgeleien zu einem Erlebnis. Ich sagtrotzdem: Geht rein, es lohnt sich.

Die Mannschaft: Michael Fassbender, Charlize Theron, Noomi Rapace, Guy Pearce, Idris Elba, Logan Marshall-Green, Sean Harris und Rafe Spall. Hochkarätig zusammengesucht, aber nicht immer so gespielt, sind sie auf der schnöden Suche nach dem Ursprung der Menschheit. Was ganz schnell durch die Kulissen im Innern der aufgefundenen Pyramide klar wird und einem schon schwant: der Film ist ein Prequel, was so viel bedeutet, dass dieser Film die Entstehung von “Alien” mit Sigourney Weaver in der Hauptrolle erzählt. Alles erinnert sofort an diese Tetralogie.

Eröffnet wird der Film von einer Kamerafahrt der Superlative. Dicht, entlang der Oberfläche eines reißenden Flusses, schwingt sich die Szene empor zu einem Raumschiff. Ein blasses, menschenähnliches Wesen, nimmt eine Substanz zu sich und zerfällt in seine Bestandteile. Es löst sich auf, stürzt in den Strom und hinterlässt dort seine DNS. Nun wissen wir wenigstens, warum unser aller Leben aus dem Wasser kommt. Warum aus dieser scheinbar hochintelligenten DNS dann aber wieder Einzeller entstehen… also bitte!

Bestechend gut: Michael Fassbender als Android David. Während die Mannschaft auf dem zweijährigen Flug schläft, versucht David, sich allerlei Menschlichem anzunehmen. So zum Beispiel die Frisur Peter O’Tools aus “Lawrence von Arabien” (es gab sogar Haarfärbemittel an Bord). Knallharter Typ, völlig durchdacht, nichts ohne Kalkül, aber in Badeschlappen. Humor ist wenn man trotzdem lacht. Dennoch ist es nur die ideelose Wiederholung des Androiden Bishop aus Alien, der am Ende auch torsolos nicht aufhö-ren kann “Galle” zu spucken. Hm.

Es erwartet uns ein Sci-Fi-Horror-Splatter-Film, ein großartiges Spektakel, das man auf sich wirken lassen kann. Ihr Paul Hille

Fotos: 20th Century Fox