Samstag, 11. August 2012, 19:13 Uhr

Alexander Knappe auf dem besten Weg nach oben: Die ganze Geschichte

Vor einigen Jahren hätte Alexander Knappe wahrscheinlich nicht gedacht, dass er einmal auf der ganz großen Bühne sein erstes eigenes Debütalbum präsentierten würde. Das Leben und die Karriere des sympathischen und gutaussehenden Sängers ist ein Auf und Ab und eine Aneinanderreihung von schicksalhaften Zufällen.

Der in Cottbus geborene Musiker begann einst als Fußballer durchzustarten, als ein Kreuzbandriss seine sportliche Karriere jäh beendete. Doch dann fing Knappe an, seiner eigentlichen Leidenschaft nachzugehen, nämlich dem Gesang. Er gründete eine Band, schrieb seine eigenen Songs und entschloss sich im Jahr 2010 an der Castingshow ‘X-Factor’ teilzunehmen.

Die Show, die sich heute rückblickend als Sprungbett herausstellt, entwickelte sich allerdings in eine völlig andere Richtung. Der talentierte Sänger täuschte eine Knieverletzung vor, weil er nebenbei ein anderes Projekt zu laufen und auf Castingshow keine List mehr hatte. Er entschied sich gegen die große Chance, bei ‘X-Factor’ groß durchzustarten.

Beim Interview mit klatsch-tratsch.de lernten wir einen ehrgeizigen, ehrlichen und selbstbewussten Alexander kennen, der offen über seinen Erfolg und seine musikalische Entwicklung sprach.

Der 27-jährige hat sich schon sehr frühzeitig für deutschsprachige Musik entschieden. Das liege im einfach viel besser und außerdem offenbarte er, dass Englisch nicht unbedingt zu seinen Stärken gehört. “Seit ich 19 bin, mache ich Musik und ich habe überwiegend deutsch gesungen. Ich bin ein katastrophaler Englisch-Vollidiot. Mein Produzent lacht mich immer aus, wenn ich englisch singe und insofern liegt es nah, dass ich deutsch singe. Das mir das einfach gefällt und das es das ist, was ich wirklich machen will, habe ich übrigens das erste Mal bei X-Factor gemerkt,” erklärte uns Alex.

Das Debütalbum ‘Zweimal bis Unendlich’ ist eine einzigartige Mischung aus berührenden und rockigen Songs, die allesamt aus der Feder des Sängers stammen.

Doch warum hat es so lange gedauert, bis die Fans das langerwartete Album in ihren Händen halten dürfen? “Ich habe in den letzten zwei Jahren viele neue Sachen dazugelernt. Ich habe zuerst einen Plattenvertrag unterschrieben, eine Band gegründet und dann war ich zum ersten Mal im Fernsehen und im Radio. So ein Album kann man nicht von heute auf morgen schreiben. Die Geschichten dahinter müssen auch authentisch sein.”

Und hinter jedem Song steckt eine ganz besondere und vor allem echte Story. Dazu kommt ein intensiver, rockig-poppiger Sound mit einer sanften Note. Gerade das verleiht ‘Zweimal bis Unendlich’ den gewissen Charme. “Wir haben im Vorfeld sehr lange überlegt und mussten so einige Entscheidungen treffen. Wollen wir ein bisschen was Rockiges oder eher was Softes? Wir haben uns dann für das erstere entschieden. Es sind Drums zu hören und es ist ein rockiger Sound, der zwischenzeitlich aber auch nach Künstlern wie Phillip Poisel und Xavier Naidoo klingt. Das ist schon alles gemischt.”

Die selbstgeschriebenen Lieder vereinen sich auf dem Album zu einem bunten Mix, den Alex ganz allein erschaffen hat. “Die Songs stammen alle aus meiner Feder. Ich habe natürlich auch mit meinem Produzenten zusammengearbeitet. Ich kann keine Gitarre und kein Piano spielen, also braucht man jemanden, der das in die Praxis umsetzt. Ich komme dann mit Ideen und Vorschlägen und dann wird nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip gearbeitet. Ich habe den Schlüssel und mein Produzent hat das Schloss.”

Nicht nur sein Produzent trägt eine Menge zum Erfolg bei, der Cottbuser hält auch unheimlich große Stücke auf seine Band. “Außer dem Gitarristen ist es immer noch die selbe Band, die wir damals gegründet haben. Es sind tolle Leute, die mich immer unterstützen und unheimlich viel mit einbringen. Am Anfang lief das alles noch holprig an, aber dann entwickelte sich das zu einem grandiosen Erlebnis und mittlerweile funktioniert das alles perfekt, auch live auf der Bühne.”

Deutschsprachige Künstler haben sich in den letzten Jahren wieder häufiger etabliert. Dazu gehören unter anderem Tim Bendzko, Andreas Bourani und Phillip Poisel. Doch Alex glaubt fest daran, dass er sich mit seiner Musik unter all diesen Künstlern auf jeden Fall durchsetzen kann. “Meine Musik ist etwas besonderes, weil ich auch ein sehr emotionaler Mensch bin und hinter jedem Lied eine Geschichte steckt. Ja, ich denke Tim Benzko ist mal ganz schön im Radio anzuhören mit ‘Ich muss mal kurz die Welt retten’ und so, aber da kriege ich persönlich keine Gänsehaut. Und das ist glaube ich der entscheidende Unterschied.”

“Weil ich wieder zu Hause bin” ist einer der beeindruckendsten und vor allem emotionalsten Songs des Albums, der schnell in die Charts einstieg. Und hinter den einfühlsamen Textzeilen und dem unverwechselbaren Sound steckt ein persönliches Erlebnis des Sängers. “Ich bin mit 13 Jahren aus der Sportschule Cottbus zu Hertha nach Berlin gewechselt. Ich habe ein gutes Verhältnis zu meiner Heimat und deswegen hat mich das innerlich sehr geprägt, dass ich mit 13 Jahren quasi aus meiner Heimat weggerissen wurde. Ich wollte das aber, wegen dem Profivertrag. Jetzt war ich vor zwei Jahren das erste Mal wieder in Cottbus zuhause und ich hatte eine Textzeile im Kopf, die hieß ‘Da ist der Baum, auf dem ich immer saß’. Und dann habe ich diesen Song geschrieben. Der ist da mittlerweile eine echte Hymne”, freut sich Alex.

Hinter Knappe liegen aufregende Jahre, die auch weniger gute Erlebnisse mit sich brachten. Der sympathische Sänger musste sich nach eigenen Worten oft durchkämpfen, um an das Ziel seiner Träume zu kommen. “Ich denke, dass sich eigentlich jeder irgendwie durchkämpfen muss im Leben. Ich habe schon nicht so einfache Situationen hinter mir. Ich habe ja eigentlich mein ganzes Leben darum gekämpft, einen Profi-Fußballvertrag zu kriegen und dann riss mit 18 mein Kreuzband. Mein Abi habe ich damals auch nicht bestanden und ich dachte zu der Zeit ‘Das kann doch alles nicht wahr sein.’ Aber wie das manchmal so ist im Leben, geht eine Tür zu und eine andere öffnet sich. An dem Tag, als der Profivertrag aufgelöst wurde, bin ich nach Cottbus zurückgefahren und da fand ein Radiocasting statt, was ich dann gewonnen habe. Das war eben wirklich Schicksal oder Zufall. Ich habe die ganze Suppe erlebt, die es gibt. Acht Jahre habe ich gekämpft und hatte Acts, die nicht gut ankamen. Dann wurde mein Sony-Vertrag gekündigt. Ja, und der nächste Schicksalsschlag aber auch gleichzeitig in Wendepunkt war dann diese X-Factor-Geschichte.”

Die Erfolgsgeschichte von Alexander Knappe entstand zum großen Teil durch seine Teilnahme bei der Castingshow. Auch der Musiker selbst ist der Meinung, dass sich sein Leben durch die Teilnahme durchaus positiv verändert bzw. entwickelt hat. Heute sieht der ehemalige ‘X-Factor’-Sänger die verschiedenen Castingsendungen allerdings aus einer ganz anderen Sicht.

Der “Casting-Stempel” bringe den Gewinnern kaum einen Fortschritt und der Erfolg sei meistens ganz schnell wieder vorbei. Meistens gehe es für die Sänger und Sängerinnen von ganz, ganz oben wieder ganz tief nach unten. “Normalerweise hast du als Casting-Teilnehmer-Gewinner gar keine Chance. Castingshows sind wie eine große, süße Torte, aber wenn man sie gegessen hat, dann bereut man sie.”

Doch Alexander hat ein ganz besonders süßes Stück essen dürfen, dass ihm keine Magenschmerzen bescherte. “Für mich das war das Ganze ein Sprungbrett. Es ist ja auch nicht alles schlecht an diesen Castings. Junge Leute bekommen früh mit, dass sie Musik machen wollen. In Amerika bist du schon als Kind im Kirchenchor und wirst gefördert. Hier bei uns in Deutschland fehlt diese Förderung leider. Man sieht immer nur die ganzen Nachteile, aber ich glaube, dass wir in 5 oder 6 Jahren einen großen Anteil an guten Leuten haben werden.” Für X-Factor hat der junge Sänger aber nur gute Worte übrig. “Wir hatten keine Knebelverträge wie bei Popstars oder so. Wir konnten das alles aushandeln und deswegen lief das ziemlich entspannt ab. Außerdem wissen die meisten jungen Leute, auf was sie sich da einlassen, wenn sie die Verträge vor sich haben. Aber wie gesagt, bei uns gab es keine Probleme.”

Mit dem ehemaligen Juror Till Brönner hat er übrigens immer noch Kontakt, denn die beiden wohnen auch nicht weit auseinander. “Wir treffen uns oft in einem Jazzclub und verfolgen sozusagen unsere Karrieren. Also er viel mehr meine, denn er hat sich ja schon etabliert in der Musikwelt.”

Als Mensch beschreibt sich der außergewöhnliche Künstler mit der starken Stimme als sehr agil, auf der anderen Seite aber auch zurückhaltend, wenn es um gewisse Dinge geht. Seine wahren Gefühle zeigt er lieber auf der Bühne. “Ich lasse nur auf der Bühne die Hosen runter. Ich könnte zum Beispiel nie einem Mädchen in die Augen sehen und sagen ‘Ich liebe dich’. Meine Emotionen übermittle ich mit Hilfe meiner Musik. Ich fege ja auch oft über die Bühne wie ein Wilder. Manchmal habe ich sogar zu viel Energie. Aber das ergänzt sich alles ganz gut mit meinen Songs. Eine Eigenschaft von mir ist meine Natürlichkeit und die will ich nicht verlieren.”

Im Moment hat der smarte und hübsche Sänger übrigens keine Frau an seiner Seite, der er die drei magischen Worte sagen kann. “Ich bin Single, aber wenn ich ganz ehrlich bin ist das auch positiv. Wenn ich eine Freundin hätte, dann könnte ich wahrscheinlich nicht diese ganzen, schönen Liebessongs schreiben,” lacht er.

Man könnte jetzt denken, dass Alex schon einige Erfolge vorzuweisen hat und dementsprechend bereits ein gut gefülltes Portemonnaie besitzt. Erfolgreich ist der Sänger auf jeden Fall, doch geldmäßig sieht es längst nicht so rosig aus, wie seine Fans vielleicht glauben. “Also ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich bisher mit meiner Musik keinen einzigen Cent verdient habe. Ich investiere. Wir alle investieren im Moment. Aber jetzt fange ich an so langsam Geld zu verdienen, mit meinen Open Air-Konzerten. Ich habe natürlich einen Verlags-und Plattenvorschuss bekommen, aber du musst ja auch irgendwie deine Miete zahlen. Das ist kein Geld mit dem reich bin, sondern das ist eben das ganz normale. Das ist bei uns allen im Team so. Aber das ist nun mal ein Kampf.”

Den Kampf scheint Alexander Knappe jetzt gewonnen zu haben. Heute erscheint endlich sein grandioses, wirklich sehr gut gelungenes Album ‘Zweimal bis Unendlich’, voll mit Songs in denen man sich hineinversetzen und verlieren kann. Im November startet seine erste Tour. Im Moment arbeitet er schon an einem zweiten Album, mit dem er noch einmal einen Schritt voran geht. “Ich möchte Worte finden, die so noch nie gesagt wurden.”

Ein schöner Vorsatz und wir sind gespannt, wie sich die weitere Karriere des erfolgsversprechenden Musikers noch entwickeln wird. Alex, wir drücken Dir die Daumen!

Fotos: klatsch-tratsch.de/Michael Fricke (Planexi)